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Kölner Weihnachtscircus 2025/26
www.koelner-weihnachtscircus.de ; 100 Showfotos

Köln, 7. Dezember 2025: Der erste runde Geburtstag ist erreicht. In diesem Winter feiert der Kölner Weihnachtscircus sein 10-Jahre-Jubiläum. Damit ist diese Produktion in der immerhin viertgrößten Stadt des Landes noch relativ jung. Die Direktoren Katja und Ilja Smitt haben sie erfolgreich aufgebaut sowie etabliert. Auch 2025/26 wurde wiederum sehr früh, sprich Ende November, Premiere gefeiert. Offensichtlich mit Erfolg. Denn auch am zweiten Advent ist das große Chapiteau bestens gefüllt. Und das obwohl in der Stadt viele Weihnachtsmärkte und ein verkaufsoffener Sonntag locken. 

Die Bewohner der Domstadt sowie aus weiten Teilen von NRW wissen inzwischen, was sie an ihrem Weihnachtscircus haben. Der steht wieder an der Messe, quasi eingerahmt von den Auf- und Abfahrten der Zoobrücke. Im Vorzelt locken viele festlich dekorierte Sitzgelegenheiten sowie eine umfangreiche Gastronomie. Bezahlt wird wie gehabt mit Münzen, die an einem entsprechenden Stand erworben werden können. Im Spielzelt stehen in der Loge drei Reihen mit Stühlen um die erhöhte Rundbühne. Elf Reihen auf Klappsitzen bietet das sich anschließende Gradin. Den Abschluss bilden Balkonlogen.


Chapiteau des Kölner Weihnachtscircus

Das bewährte Programmkonzept wird auch zum Jubiläum beibehalten. Den Schwerpunkt bilden ausgewählte artistische Darbietungen. Ein paar davon konnten wir hier bereits erleben. Das trifft zudem auf die einzige Tiernummer zu. Hinzu kommen ein Komiker und das Ballett. Mit einer Nettospielzeit von rund zweieinhalb Stunden passt die Länge der Vorstellung, zumal es Schlag auf Schlag geht. Allerdings ist der erste Teil fast doppelt so lang wie der zweite. Wie schon 2022/23 gab es beim doppelten Todesrad Probleme mit dem Requisit. Der entsprechende Act konnte damals wie jetzt nicht gezeigt werden. Für Ersatz wurde kurzfristig gesorgt.


Duo Day Light, Crystal Sisters

Das ersten Staunen ist schon vor dem eigentlichen Start zu vernehmen, wenn der prachtvoll geschmückte Weihnachtsbaum in der Manegenmitte mal eben heruntergelassen und hinausgefahren wird. Die Begrüßung übernimmt mit Markus Köllner ein vertrautes Gesicht. Im Verlauf des Nachmittags erleben wir den Ringmaster immer wieder in zumeist kurzen Moderationen. Mit Horizontaljonglagen im wabernden Nebel eröffnet Emiliano in geheimnisvoller Atmosphäre die Show. Die folgende Rollschuhakrobatik gibt es gleich im Doppelpack. Auf jeweils einer runden Plattform dürfen das Duo Day Light und das Duo Rock'n'Roll ihre Künste zeigen. Mal werden parallel die gleichen Tricks gezeigt, zumeist aber arbeitet ein Paar, während das andere das Anfeuern übernimmt. So erleben wir fast ohne Pause rasante Akrobatik mit einem guten Schuss Nervenkitzel. Die sechs Tänzerinnen des Balletts sorgen sodann für Entspannung. Marina und Svetlana Tsodikov waren mit ihren Antipodenspielen vor unzähligen Jahren etwa bei Knie und Roncalli engagiert. Nun sind die Crystal Sisters mit ihren Jonglagen von edlen Teppichen wieder bei uns zu erleben. Die dynamische Nummer läuft noch genauso grandios ab, wie ich das in Erinnerung hatte. In immer neuen Varianten lassen sie die Quadrate aus Stoff auf Armen und Beinen tanzen. Beim Schlusstrick ruht eine der Schwestern sogar mit der Schulter auf einem Fuß der anderen, während sie die Teppiche kreisen lassen.


Fraser Hooper

Dann hat Fraser Hooper seinen ersten Auftritt. Auf der Suche nach einem passenden Komiker für die Show sind die Produzenten in Neuseeland fündig geworden, wenngleich Fraser bereits zuvor in Europa aufgetreten ist. Der macht sich gleich ein wenig „unbeliebt“, denn er kommt zu spät und muss durch die ganze Zuschauerreihe durch. An sich kein Problem. Aber Fraser trägt einen riesigen Rucksack auf dem Rücken. Auf der Bühne treibt er seinen Schabernack mit einem Jungen aus dem Publikum. Ein Herr wird immer wieder auf die Spielfläche gebeten und weggeschickt. Der Komiker kommt ordentlich angezogen daher. Unter anderem mit Sakko und Hut. Aber in ihm steckt der Schalk eines Kindes. Und den lebt er sehr kreativ aus. Etwa, wenn er einer ferngesteuerten Ente zu ihrem Teich verhilft, den er aus einem Seil formt. Plätschergeräusche aus dem Off komplettieren die Imagination der Badegelegenheit. Die Ente bekommt sodann Gesellschaft von Zuschauern, die Hüte mit Quietscheenten aufgesetzt bekommen. Beim Spiel mit einem großen Ballon bringt Fraeser Hooper das Publikum in Bewegung. Seine größte Szene bildet der Boxkampf mit Gästen. Es sind bekannte Gags dabei, aber auch viele neue. Erneut spielen Geräusche eine wichtige Rolle. Eine Dame bekommt ein Bedienpult, mit dem sie die Schläge synchronisieren und die Ringglocke bedienen darf. Es ist ein herrlicher Spaß, der mit vielen Lachsalven vom Zuschauerraum goutiert wird. Fraser hat einen wunderbare Humor, eine tolle Mimik und ist versiert im Umgang mit seinen Mitspielern. Ein sympathischer Zeitgenosse durch und durch. Einzig ein wenig Straffung täte seinen Auftritten gut.


Chu Chuan-Ho, Leonid Beljakov, Anton Monastyrsky

Diabolo-Wirbelwind Chu Chuan-Ho war mit dem Circus Krone auf Sommersaison und ist zum Jahresabschluss nach drei Jahren nach Köln zurückgekehrt. Bis zu drei der Doppelspulen hält der Jongleur aus Taiwan gleichzeitig in Bewegung. Das sogar im Spagat. Fast noch faszinierender ist das Spiel mit einem seiner Requisiten. Dieses schickt er auf wirklich abgefahrene Touren. Ganz und gar nicht auf Action aus ist hingegen der Boxer von Leonid Beljakov. „Nein, heute nicht!“ von den Höhnern bildet die passende Begleitmusik. Der Hund ist schwer dazu zu bewegen, seine Kunststücke zu zeigen. Er wirkt lethargisch und muss schon sehr gebeten werden, etwa einen Ball auf der Schnauze zu balancieren. Genau das ist natürlich so gewollt und minutiös einstudiert. Eine geniale Hundekomödie, an der am Ende noch ein zweites Tier mitwirkt. Das Ballett leitet über zu Anton Monastyrsky. Mit Hula Hoop ist seine Disziplin nur unzureichend beschrieben. Er hat sich eine ganz eigenständige Darbietung erarbeitet, bei der er Reifen um die verschiedensten Körperteile kreisen lässt. Dies etwa auch dann, wenn er einen Handstand macht. Dabei kommt ihm seine enorme Beweglichkeit zugute. In Summe erleben wir eine durchgehende Choreographie.


Konstantin Muraviev, Duo Day Light, Truppe Yakubovskii

Wie man in wenigen Minuten die Problemzonen am Bauch abtrainiert, beweist sehr anschaulich Konstantin Muraviev. Was mit Bändergymnastik nicht funktioniert, gelingt umso besser mit dem Rhönrad. Die akrobatischen Touren daran sorgen dafür, dass das Fett im Nu verschwindet. Leider kehrt es postwendend nach einigen kräftigen Schluck Bier zurück. Vielleicht bringt da Luftakrobatik einen nachhaltigeren Erfolg. Den Eindruck zumindest bekommt man, wenn man die trainierten Körper von Anna Stelmakh und Evgeny Slepukhin sieht. Sie bilden das Duo Day Light, das wir zu Beginn der Vorstellung auf Rollschuhen erleben durften. Nun geht es für die beiden Richtung Kuppel. Anna startet mit Zopfhang und lässt dabei effektvoll ihren weißen Umhang zu Boden fallen. Dann folgt eine anspruchsvolle und durchaus riskante Kür an den Strapaten. So hält er sie an ihrem Fuß etwa nur mit seinem eigenen fest. Bei den gemeinsamen Umschwüngen an den Bändern klammert sich Anna Stelmakh an ihren Partner. Der Wirbel im doppelten Zahnhang beschließt diese traumhafte Sinfonie in weiß. Evgeny Slepukhin konnten wir übrigens beim European Youth Circus 2016 erleben. Damals als Schlafwandler auf dem Schlappseil. Kurzfristig eingesprungen ist die Truppe Yakubovskii. Mit seinen Sprüngen auf zwei Trampolinen mit Plattform in der Mitte steuert das Sextett die Pausennummer bei. Der besondere Clou dabei ist, dass die variantenreichen Sprünge in mit LEDs besetzten Kostümen inklusive Helm vollführt werden. So ergeben sich futuristische Effekte.


Genia Tykhonkov, Duo Butterfly, Truppe Zunay

Ganz traditionell startet der zweite Teil. Die Truppe Zunay nimmt uns mit in ihre chinesische Heimat. In folkloristischen Kostümen jonglieren deren Mitglieder mit schweren Tonkrügen und balancieren sie auf ihren Köpfen. Wobei dies letztendlich nur zwei der Artisten tun. Die weiteren Akteure bilden den choreographischen Rahmen und agieren mit kleineren Schüsseln. Den zweiten Beweis, dass Luftakrobatik zu einem Traumbody führt, tritt Genia Tykhonkov an. Seine Darbietung am Flying Pole ist kraftvoll, trickstark und nicht ungefährlich. Doch der blendend aussehende Artist hat alles bestens im Griff. Ganz gleich, ob er sich mit den Händen oder den Beinen an der Stange hoch über der Bühne in akrobatischen Posen festhält, alles sieht traumhaft sicher aus. Beim letzten Kunststück fliegen Schneeflocken um ihn herum. Am Boden bleibt das Duo Butterfly aus China. Bei ihrer Partnerakrobatik wechseln sie sich die beiden mit der tragenden Rolle ab. Hier verschmelzen sehr ästhetisch Handstandakrobatik und Kontorsion. Effektvoll in Szene gesetzt auf einer runden Plattform inmitten von Bühnennebel. Nach einer Choreographie des Balletts in Kimonos und mit Fächern erleben wir noch einmal die Truppe Zunay. Nun mit einer Kombination aus Schleuderbrett und Ikarischen Spielen. Die zugehörige Trinka befindet sich über der Mittelachse der Wippe. Die Flieger werden mittels Schleuderbrett in die Höhe katapultiert und landen nach akrobatischen Sprüngen auf den Füßen eines Partners, von dem sie weiter durch die Luft gewirbelt werden. Wir erleben unter anderem eine Art Passage und einen Zwei-Mann-Hoch auf den Füßen eines Untermannes. Das Finale wird von den Tänzerinnen in noch einmal neuen, wunderschönen Kostümen eröffnet. Überhaupt haben sie mit ihren abwechslungsreichen Tänzen über den Nachmittag verteilt reizvolle Akzente gesetzt. Es folgt ein ausführlicher Abschied mit dem gesamten Ensemble. Die Schlussworte übernimmt Markus Köllner.

Das Jubiläumsprogramm des Kölner Weihnachtscircus ist abwechslungsreich und durchaus stark zusammengestellt. Es ist eine spannende Mischung aus Neuem und Bekanntem. Der Rahmen ist stimmig, wozu ebenfalls das ansprechende Lichtdesign seinen Beitrag leistet. Zum vollkommenen Glück hätte es noch eines zusätzlichen Highlights bedurft, eines Sahnehäubchens auf der Geburtstagstorte. Pech natürlich, wenn die eigentlich vorgesehene Schlussnummer nicht eingesetzt werden kann. Adäquater Ersatz lässt sich um diese Zeit schwerlich finden, wenn die Nachfrage nach Top Acts das Angebot übersteigt. So oder so genießt das Publikum die Show hörbar. Herzlichen Glückwunsch!

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Text und Fotos: Stefan Gierisch