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Nach der letzten
Vorstellung werden die drei Erstplatzierten verkündet. Für die
Artisten ein weiterer Grund, ihr Bestes zu geben, für das Publikum die
Möglichkeit, seine Lieblinge zu unterstützen und für das Management
ein Feedback, welche Darbietungen besonders gut ankommen. Letzteres
ist gerade deswegen wichtig, weil Produzent Thomas Schütte drei
weitere Weihnachtscircusse verantwortet. Damit bietet das Voting eine
Entscheidungshilfe, welche Acts auch für die anderen Standorte gebucht
werden sollten, so sich denn die Geschmäcker der Besucher in Mannheim,
Aachen, Hannover und Regensburg ähneln.

Entree zum
Mannheimer Weihnachtscircus
Das Material für
die Produktion in der Rhein-Neckar-Metropole kommt wiederum von
Johnboy Roberts. Vorzelt und Chapiteau sind bestens in Schuss. Auch
der Backstage-Bereich ist in einem Zelt untergebracht. Die gesamte
Anlage ist in den Farben weiß und rot gehalten. Das Gelände wird von
einem Bauzaun eingefasst, dessen Elemente mit Transparenten bespannt
sind, die mit dem Logo sowie Fotos von Artisten aus den Vorjahren
bedruckt sind. Noch mehr bekannte Gesichter finden sich auf dem
großflächigen Entree zum Vorzelt. In dessen Inneren ist es
weihnachtlich geschmückt. Viele Sitzplätze laden dazu ein, die
Köstlichkeiten der Restauration zu genießen. So etwa eine hier in
neuen Variationen angebotene Bratwurst. Im Chapiteau gibt es Stühle in
den Logen sowie Klappsitze auf dem Gradin. Der Artisteneingang aus
roten Vorhängen wird von zwei beleuchteten Weihnachtsbäumen
eingerahmt. Über der Gardine findet sich ein großes Logo der
Produktion, das auch den Kooperationspartner Palazzo mitführt. Darüber
sitzt der Schlagzeuger, der die musikalischen Akzente setzt.
  
Anastasiia Burdina, Jene Mujal, Katja Friedenberg
Die Show startet
mit einem Solo. Dieses gehört Anastasiia Burdina. Die Sportgymnastin
verbindet Tanz und Akrobatik. In ihre Kür integriert sie einen roten
Ball. Dann übernehmen die fünf Tänzerinnen des Balletts und gestalten
das Opening. Ihre Kostüme mit beeindruckendem Federschmuck sorgen für
Glamour. Sehr nüchtern hingegen kommt das Requisit für die nächste
Darbietung daher, ein Industrieroboter. Jene Mujal nutzt für seine
Akrobatik eine an einem beweglichen Arm angebrachte Stange. Darauf
sitzt er und lässt sich dabei um 180 Grad drehen. Befindet sich der
Mast in der Waagerechten, balanciert er darauf oder hängt mit den
Füßen daran. Die meiste Zeit aber steht die Stange in der Vertikalen
und wir erleben daran Tricks, wie wir sie vom Chinese Pole kennen.
Diese sind durchaus stark. Bei allen technischen Spielereien sind so
verschiedene Varianten der Akrobatik am Mast möglich, die kreativ
ausgeschöpft werden. Optisch aufgewertet wird die Darbietung durch
zwei unter der Kuppel hängende Ringe, die aus runden Lampen gebildet
werden und in verschiedene Positionen gebracht werden können. Während
der Roboter herausgefahren wird, starten die Tänzerinnen ihre nächste
Choreographie auf dem Gradin, um sie in der nun leeren Manege
fortzusetzen. Ebenfalls dabei ist Katja Friedenberg. Mit ihrem
wunderbaren Gesang begleitet sie uns durch den Nachmittag. Dank einer
klasse Stimme und einer angenehmen Präsenz sind ihre Auftritte immer
höchst willkommen.

Elena
Drogaleva and her Gentlemen Partners
Lange nicht mehr
gesehen hatte ich Elena Drogaleva and her Gentlemen Partners,
zugegeben einer meiner Lieblingsnummern. Es ist immer wieder
faszinierend zu sehen, wie die im Stil von Marlene Dietrich
daherkommende Artistin und ihre drei Partner unzählige Keulen präzise
durch die Luft fliegen lassen. Ohne Unterbrechung nehmen die
Jonglierrequisiten immer wieder neue Bahnen. Zwei verschieden hohe
Podeste werden ebenfalls einbezogen. Sie erlauben zusätzliche
Möglichkeiten für Passings. Dann luchst sich das Quartett gegenseitig
die Keulen ab. Zum Schluss liegen die Herren nebeneinander auf dem
Boden und werfen sich mit Elena Drogaleva die Requisiten zu. Das alles
in edlen Kostümen herrlich gespielt, dazu gibt es die passende
musikalische Begleitung.
 
Les Mangeurs
de Lapin
Weiter geht es
mit einer Elefantendressur. Ein Dompteur aus dem Bilderbuch
präsentiert zwei Dickhäuter mit jeweils einem Reiter auf dem Rücken.
Die Tiere halten sich sogar auf einer Wippe im Gleichgewicht. Doch
kaum dreht ihnen der Vorführer den Rücken zu, kloppen sie sich
gegenseitig mit dem Rüssel. Munter treiben sie dieses Spiel, bis dann
auch die Zuschauer einbezogen werden: Aus den Rüsseln spritzen die
Elefanten mit Wasser Richtung Logengäste. Natürlich sind die
Vierbeiner nur aus Plüsch und alles ist ein herrlicher Spaß. Mit
dieser Nummer geben Les Mangeurs de Lapin ihre Visitenkarte ab. Das
sind drei skurrile Herren aus Frankreich, deren Vorliebe es dem Namen
nach ist, Kaninchen zu verspeisen. Mindestens genauso gut versteht es
das Trio aber, für Heiterkeit zu sorgen. Das mit höchst eigenständigen
und originellen Einlagen, bei denen es nicht immer zimperlich zugeht.
Davon konnten wir uns etwa schon im Pariser Cirque d'Hiver und beim
Weihnachtscircus Aachen überzeugen. In kürzeren Auftritten erleben wir
sie als mexikanische Musiker und im Nachtgewand. Vor der Pause zeigen
sie ihre ganz eigene Interpretation von Bolaspielen. Auch hier lässt
die Eskalation nicht lange auf sich warten. Aus der Akrobatik wird
eine Schlacht mit dem Publikum, bei der mit weißen Bällen geworfen
wird. Dom Bairdsmith, einer der Kaninchenesser, ist zudem ein
exzellenter Jongleur mit Tennisschlägern. Seine Kunst präsentiert er
im Schottenrock. Die Requisiten dafür werden ihm nach und nach von
seinen Partnern „gereicht“. Ich mag diese Komiker einfach. Sind haben
ihren ganz eigenen Stil und treffen meinen Humor.
 
Duo Unity, Li
Dazhi
Innovativ ist
ebenfalls, was die Formation Jump'n Roll in die Manege bringt. Die
vier Jungs in ihren gestreiften Outfits legen dank gefederter Stelzen
unter den Füßen fulminante Luftsprünge hin. Zudem sorgen die Sonnyboys
für ausgelassene Stimmung. Bei ihren starken Sprungkombinationen
beziehen sie auch ein Seil ein, das zwei der Akteure rotieren lassen.
Nach dem nächsten Auftritt von Sängerin und Ballett erleben wir die
Sieger des Publikumsvotings. Lea Toran Jenner und Francis Perreault
haben die Zuschauer mit ihrer einzigartigen Kür am Roue Cyr am meisten
überzeugt. Man kann es nur zu gut verstehen. Zwei blendend aussehende
junge Menschen zeigen in einer durchgehenden Choreographie
anspruchsvolle Kunststücke. Das Duo Unity beherrscht den akrobatischen
Part genauso wie den darstellerischen. Hier erleben wir eine rundum
begeisternde Liebesgeschichte. Begleitet von den Tänzerinnen haben die
Artistinnen der Acrobatic Troupe of Dezhou City ihren ersten Auftritt.
Mit auf langen Stäben rotierenden Tellern laufen sie zunächst durch
die Manege und dann zwischen Gradin und Logen entlang. Währenddessen
wird in der Manege alles für die Pausennummer aufgebaut. Dabei
verwöhnt uns Li Dazhi mit Stuhlbalancen, die alles bisher dagewesene
in den Schatten stellen. Während der Turm wächst, erleben wir auf der
jeweils oberen Ebene Handstandvariationen. In großer Höhe gibt es den
Klötzchentrick auf einem Arm. Es folgt ein Kopfstand auf der
Rückenlehne eines schräg stehenden Stuhls. Dabei jongliert Li Dazhi
mit Reifen und lässt je einen Ring um seine Beine rotieren. Richtung
spannend dann der Abbau des Stuhlturms. Etage für Etage wird
abgeräumt. Während der Stuhl fällt, springt der Artist im Handstand in
die darunterliegende Ebene. Mit dieser schier unglaublichen Leistung
landet er in der Gunst des Publikums auf dem zweiten Platz.
 
Heejin
Diamond, Alyona Pavlova
Im Dunkeln
beginnt der zweite Teil. Ludwig Navratil schickt seine Bälle durch den
Raum. Bei seinen Horizontaljonglagen geht es – der Name sagt es –
nicht in die Höhe, sondern nach vorne und zur Seite. Damit die Flüge
sichtbar werden, fluoreszieren die Bälle und der Artist trägt ein
Kostüm mit beleuchteten Verzierungen. Dazu gibt es Gesang von Katja
Friedenberg. Bei ihrem nächsten Lied begleitet sie sich selbst an
einem weißen Flügel vor dem Artisteneingang. Das Ballett ist ebenfalls
dabei. Heejin Diamond krönt ihre Handstandakrobatik mit dem mit den
Füßen ausgelösten Bogenschuss auf einen Luftballon. Davor hält sie
sich souverän auf einer Hand oder auf zwei Händen im Gleichgewicht.
Dabei beweist sie souveräne Körperbeherrschung und hat immer ein
Lächeln auf den Lippen. Auf Rang drei in der Zuschauerwertung schafft
es Alyona Pavlova mit ihrer Kür am Luftring. Mit ihrem langen blonden
Haar zieht sie die Blicke der Gäste Richtung Kuppel. Wunderschöne
Figuren und riskante Tricks lassen uns abwechselnd träumen und
mitfiebern. Sogar mit nur einem Fuß am Ring hängend wirkt Alyona
Pavlova ganz entspannt, den anderen biegt sie mal locker hinter den
Kopf.
 
Acrobatic
Troupe of Dezhou City, Lemon Brothers
Bettfertig in
Nachthemden und mit Teddybären tauchen Les Mangeurs de Lapin im
Haupteingang auf, die Tänzerinnen gesellen sich zu ihnen. Doch es ist
weder Schlafenszeit, noch ist die Show zu Ende. Vielmehr erleben wir
noch zwei weitere Highlights. Zunächst lassen die neun Artistinnen der
Acrobatic Troupe of Dezhou City Schirme auf ihren Füßen tanzen. Bei
ihren Antipodenspielen bilden sie zudem über mehrere Etagen
Menschentürme. Auch dabei werden alle freien Hände und Füße genutzt,
um mit Schirmen zu balancieren und zu jonglieren. Noch einmal gehört
den Jungs von Jump'n Roll das Scheinwerferlicht. Jetzt tragen sie
gelbe Anzüge, nennen sich Lemon Brothers und arbeiten am
Schleuderbrett. Wieder sprühen sie vor Energie, die jeden im
vollbesetzten Chapiteau mitreißt. Mit extrem guter Laune wagt das
Quartett schier unglaubliche Sprünge, zu denen sich die Akrobaten
gegenseitig in die Höhe katapultieren. Es geht ohne Pause zu immer
neuen abgefahrenen Flügen, nur für witzige Einlagen zwischendurch ist
Zeit. Mit Gesang und Tanz beginnt das Finale, in dem sich alle
Mitwirkenden ausführlich verabschieden. Die bunt beleuchteten Bälle
sorgen für den besonderen Effekt über den Köpfen des Ensembles. |