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Mannheimer Weihnachtscircus 2025/26
www.mannheimer-weihnachtscircus.de ; 154 Showfotos

Mannheim, 22. Dezember 2025: Bei seiner dritten Auflage geht es für den Mannheimer Weihnachtscircus weiter bergauf. Mit 40.000 Zuschauern wird ein neuer Besucherrekord geschafft. Das mit der bekannten Mischung aus Artistik und Clownerie, ergänzt um Gesang und Tanz. Es gibt hinreißende Komiker aus Frankreich, ein paar meiner Lieblingsnummern und viel Neues zu entdecken. Wer in der Gunst des Publikums vorne liegt, das wird zum Ende des Gastspiels klar. Denn die Zuschauer können nach jeder Vorstellung ihre Favoriten wählen.

Nach der letzten Vorstellung werden die drei Erstplatzierten verkündet. Für die Artisten ein weiterer Grund, ihr Bestes zu geben, für das Publikum die Möglichkeit, seine Lieblinge zu unterstützen und für das Management ein Feedback, welche Darbietungen besonders gut ankommen. Letzteres ist gerade deswegen wichtig, weil Produzent Thomas Schütte drei weitere Weihnachtscircusse verantwortet. Damit bietet das Voting eine Entscheidungshilfe, welche Acts auch für die anderen Standorte gebucht werden sollten, so sich denn die Geschmäcker der Besucher in Mannheim, Aachen, Hannover und Regensburg ähneln.


Entree zum Mannheimer Weihnachtscircus

Das Material für die Produktion in der Rhein-Neckar-Metropole kommt wiederum von Johnboy Roberts. Vorzelt und Chapiteau sind bestens in Schuss. Auch der Backstage-Bereich ist in einem Zelt untergebracht. Die gesamte Anlage ist in den Farben weiß und rot gehalten. Das Gelände wird von einem Bauzaun eingefasst, dessen Elemente mit Transparenten bespannt sind, die mit dem Logo sowie Fotos von Artisten aus den Vorjahren bedruckt sind. Noch mehr bekannte Gesichter finden sich auf dem großflächigen Entree zum Vorzelt. In dessen Inneren ist es weihnachtlich geschmückt. Viele Sitzplätze laden dazu ein, die Köstlichkeiten der Restauration zu genießen. So etwa eine hier in neuen Variationen angebotene Bratwurst. Im Chapiteau gibt es Stühle in den Logen sowie Klappsitze auf dem Gradin. Der Artisteneingang aus roten Vorhängen wird von zwei beleuchteten Weihnachtsbäumen eingerahmt. Über der Gardine findet sich ein großes Logo der Produktion, das auch den Kooperationspartner Palazzo mitführt. Darüber sitzt der Schlagzeuger, der die musikalischen Akzente setzt.


Anastasiia Burdina, Jene Mujal, Katja Friedenberg

Die Show startet mit einem Solo. Dieses gehört Anastasiia Burdina. Die Sportgymnastin verbindet Tanz und Akrobatik. In ihre Kür integriert sie einen roten Ball. Dann übernehmen die fünf Tänzerinnen des Balletts und gestalten das Opening. Ihre Kostüme mit beeindruckendem Federschmuck sorgen für Glamour. Sehr nüchtern hingegen kommt das Requisit für die nächste Darbietung daher, ein Industrieroboter. Jene Mujal nutzt für seine Akrobatik eine an einem beweglichen Arm angebrachte Stange. Darauf sitzt er und lässt sich dabei um 180 Grad drehen. Befindet sich der Mast in der Waagerechten, balanciert er darauf oder hängt mit den Füßen daran. Die meiste Zeit aber steht die Stange in der Vertikalen und wir erleben daran Tricks, wie wir sie vom Chinese Pole kennen. Diese sind durchaus stark. Bei allen technischen Spielereien sind so verschiedene Varianten der Akrobatik am Mast möglich, die kreativ ausgeschöpft werden. Optisch aufgewertet wird die Darbietung durch zwei unter der Kuppel hängende Ringe, die aus runden Lampen gebildet werden und in verschiedene Positionen gebracht werden können. Während der Roboter herausgefahren wird, starten die Tänzerinnen ihre nächste Choreographie auf dem Gradin, um sie in der nun leeren Manege fortzusetzen. Ebenfalls dabei ist Katja Friedenberg. Mit ihrem wunderbaren Gesang begleitet sie uns durch den Nachmittag. Dank einer klasse Stimme und einer angenehmen Präsenz sind ihre Auftritte immer höchst willkommen.


Elena Drogaleva and her Gentlemen Partners

Lange nicht mehr gesehen hatte ich Elena Drogaleva and her Gentlemen Partners, zugegeben einer meiner Lieblingsnummern. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie die im Stil von Marlene Dietrich daherkommende Artistin und ihre drei Partner unzählige Keulen präzise durch die Luft fliegen lassen. Ohne Unterbrechung nehmen die Jonglierrequisiten immer wieder neue Bahnen. Zwei verschieden hohe Podeste werden ebenfalls einbezogen. Sie erlauben zusätzliche Möglichkeiten für Passings. Dann luchst sich das Quartett gegenseitig die Keulen ab. Zum Schluss liegen die Herren nebeneinander auf dem Boden und werfen sich mit Elena Drogaleva die Requisiten zu. Das alles in edlen Kostümen herrlich gespielt, dazu gibt es die passende musikalische Begleitung.


Les Mangeurs de Lapin

Weiter geht es mit einer Elefantendressur. Ein Dompteur aus dem Bilderbuch präsentiert zwei Dickhäuter mit jeweils einem Reiter auf dem Rücken. Die Tiere halten sich sogar auf einer Wippe im Gleichgewicht. Doch kaum dreht ihnen der Vorführer den Rücken zu, kloppen sie sich gegenseitig mit dem Rüssel. Munter treiben sie dieses Spiel, bis dann auch die Zuschauer einbezogen werden: Aus den Rüsseln spritzen die Elefanten mit Wasser Richtung Logengäste. Natürlich sind die Vierbeiner nur aus Plüsch und alles ist ein herrlicher Spaß. Mit dieser Nummer geben Les Mangeurs de Lapin ihre Visitenkarte ab. Das sind drei skurrile Herren aus Frankreich, deren Vorliebe es dem Namen nach ist, Kaninchen zu verspeisen. Mindestens genauso gut versteht es das Trio aber, für Heiterkeit zu sorgen. Das mit höchst eigenständigen und originellen Einlagen, bei denen es nicht immer zimperlich zugeht. Davon konnten wir uns etwa schon im Pariser Cirque d'Hiver und beim Weihnachtscircus Aachen überzeugen. In kürzeren Auftritten erleben wir sie als mexikanische Musiker und im Nachtgewand. Vor der Pause zeigen sie ihre ganz eigene Interpretation von Bolaspielen. Auch hier lässt die Eskalation nicht lange auf sich warten. Aus der Akrobatik wird eine Schlacht mit dem Publikum, bei der mit weißen Bällen geworfen wird. Dom Bairdsmith, einer der Kaninchenesser, ist zudem ein exzellenter Jongleur mit Tennisschlägern. Seine Kunst präsentiert er im Schottenrock. Die Requisiten dafür werden ihm nach und nach von seinen Partnern „gereicht“. Ich mag diese Komiker einfach. Sind haben ihren ganz eigenen Stil und treffen meinen Humor.


Duo Unity, Li Dazhi

Innovativ ist ebenfalls, was die Formation Jump'n Roll in die Manege bringt. Die vier Jungs in ihren gestreiften Outfits legen dank gefederter Stelzen unter den Füßen fulminante Luftsprünge hin. Zudem sorgen die Sonnyboys für ausgelassene Stimmung. Bei ihren starken Sprungkombinationen beziehen sie auch ein Seil ein, das zwei der Akteure rotieren lassen. Nach dem nächsten Auftritt von Sängerin und Ballett erleben wir die Sieger des Publikumsvotings. Lea Toran Jenner und Francis Perreault haben die Zuschauer mit ihrer einzigartigen Kür am Roue Cyr am meisten überzeugt. Man kann es nur zu gut verstehen. Zwei blendend aussehende junge Menschen zeigen in einer durchgehenden Choreographie anspruchsvolle Kunststücke. Das Duo Unity beherrscht den akrobatischen Part genauso wie den darstellerischen. Hier erleben wir eine rundum begeisternde Liebesgeschichte. Begleitet von den Tänzerinnen haben die Artistinnen der Acrobatic Troupe of Dezhou City ihren ersten Auftritt. Mit auf langen Stäben rotierenden Tellern laufen sie zunächst durch die Manege und dann zwischen Gradin und Logen entlang. Währenddessen wird in der Manege alles für die Pausennummer aufgebaut. Dabei verwöhnt uns Li Dazhi mit Stuhlbalancen, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellen. Während der Turm wächst, erleben wir auf der jeweils oberen Ebene Handstandvariationen. In großer Höhe gibt es den Klötzchentrick auf einem Arm. Es folgt ein Kopfstand auf der Rückenlehne eines schräg stehenden Stuhls. Dabei jongliert Li Dazhi mit Reifen und lässt je einen Ring um seine Beine rotieren. Richtung spannend dann der Abbau des Stuhlturms. Etage für Etage wird abgeräumt. Während der Stuhl fällt, springt der Artist im Handstand in die darunterliegende Ebene. Mit dieser schier unglaublichen Leistung landet er in der Gunst des Publikums auf dem zweiten Platz.


Heejin Diamond, Alyona Pavlova

Im Dunkeln beginnt der zweite Teil. Ludwig Navratil schickt seine Bälle durch den Raum. Bei seinen Horizontaljonglagen geht es – der Name sagt es – nicht in die Höhe, sondern nach vorne und zur Seite. Damit die Flüge sichtbar werden, fluoreszieren die Bälle und der Artist trägt ein Kostüm mit beleuchteten Verzierungen. Dazu gibt es Gesang von Katja Friedenberg. Bei ihrem nächsten Lied begleitet sie sich selbst an einem weißen Flügel vor dem Artisteneingang. Das Ballett ist ebenfalls dabei. Heejin Diamond krönt ihre Handstandakrobatik mit dem mit den Füßen ausgelösten Bogenschuss auf einen Luftballon. Davor hält sie sich souverän auf einer Hand oder auf zwei Händen im Gleichgewicht. Dabei beweist sie souveräne Körperbeherrschung und hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Auf Rang drei in der Zuschauerwertung schafft es Alyona Pavlova mit ihrer Kür am Luftring. Mit ihrem langen blonden Haar zieht sie die Blicke der Gäste Richtung Kuppel. Wunderschöne Figuren und riskante Tricks lassen uns abwechselnd träumen und mitfiebern. Sogar mit nur einem Fuß am Ring hängend wirkt Alyona Pavlova ganz entspannt, den anderen biegt sie mal locker hinter den Kopf.


Acrobatic Troupe of Dezhou City, Lemon Brothers

Bettfertig in Nachthemden und mit Teddybären tauchen Les Mangeurs de Lapin im Haupteingang auf, die Tänzerinnen gesellen sich zu ihnen. Doch es ist weder Schlafenszeit, noch ist die Show zu Ende. Vielmehr erleben wir noch zwei weitere Highlights. Zunächst lassen die neun Artistinnen der Acrobatic Troupe of Dezhou City Schirme auf ihren Füßen tanzen. Bei ihren Antipodenspielen bilden sie zudem über mehrere Etagen Menschentürme. Auch dabei werden alle freien Hände und Füße genutzt, um mit Schirmen zu balancieren und zu jonglieren. Noch einmal gehört den Jungs von Jump'n Roll das Scheinwerferlicht. Jetzt tragen sie gelbe Anzüge, nennen sich Lemon Brothers und arbeiten am Schleuderbrett. Wieder sprühen sie vor Energie, die jeden im vollbesetzten Chapiteau mitreißt. Mit extrem guter Laune wagt das Quartett schier unglaubliche Sprünge, zu denen sich die Akrobaten gegenseitig in die Höhe katapultieren. Es geht ohne Pause zu immer neuen abgefahrenen Flügen, nur für witzige Einlagen zwischendurch ist Zeit. Mit Gesang und Tanz beginnt das Finale, in dem sich alle Mitwirkenden ausführlich verabschieden. Die bunt beleuchteten Bälle sorgen für den besonderen Effekt über den Köpfen des Ensembles.

Mit dieser Produktion ist der Mannheimer Weihnachtscircus endgültig in der Quadratestadt angekommen. Das Publikum dürfte auch dieses dritte Programm rundum genossen haben. Und sich sicher schon auf das vierte freuen, welches wieder komplett neu sein wird. Vielleicht dann mit Darbietungen, die schon die Zuschauer in Aachen, Hannover oder Regensburg begeistert haben.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch