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Offenburger Weihnachtscircus 2025/26
www.offenburger-weihnachtscircus.de ; 124 Showfotos

Offenburg, 27. Dezember 2025: Dass ein Besuch beim Offenburger Weihnachtscircus auch 2025/26 wieder zu unserem Programm gehört, war von Anfang an klar. Dass dort so starke Darbietungen zu sehen sind, hatten wir nicht auf dem Schirm. Spätestens am Ende der Vorstellung wird uns bewusst, dass wir das vielleicht bislang stärkste Programm aus dem Hause der Charles Knie GmbH an diesem Standort erlebt haben. Zumindest, was den artistischen Bereich angeht. Sogar, und das wissen wir an diesem Abend natürlich noch nicht, Gewinner eines Silbernen Clowns 2026 sind dabei.

Insgesamt umfasst das Ensemble über 60 Artisten, Musiker und Tänzer. Sie alle sind Teil der nunmehr 28. Auflage dieser traditionsreichen Weihnachscircus-Produktion. Mitgezählt sind dabei die von Gründungsdirektorin Anja Oschkinat verantworteten Ausgaben. Im Winter 2012/13 hat Sascha Melnjak übernommen. Von seinem Zirkus Charles Knie stammt auch das Material. Ebenso der Kern der Menschen im Management, sprich Thorsten Brandstätter, Dieter Seeger und Holger Fischer. Nur im Winter dabei sind Tom Dieck Jr. und seine Frau Elena, die dafür sorgen, dass die Gäste in der Restauration bestens versorgt werden.


Finale mit Liudmila Vrinceanu und ArgenDance

Anders als derzeit im Tourneegeschäft gibt es in Offenburg Livemusik. Das Orchester unter der Leitung von Jerzy Skalski sitzt über der Gardine und begleitet die Show. Wieder mit von der Partie ist der sympathische Ringmaster Sascha Thanner. Souverän moderiert er die Vorstellung. Das auch gerne vom Gradin aus, während in der Manege alles für die folgende Darbietung vorbereitet wird. Sein besonderes Markenzeichen sind die bei jedem Auftritt wechselnden, edlen Kostüme. Mit fulminanten Outfits glänzt auch das Ballett. Jeweils vier Tänzerinnen und Tänzer der Formation ArgenDance sorgen für große Bilder zwischen den eigentlichen Nummern. Zumeist ist auch Liudmila Vrinceanu in der Rolle der Sängerin mit von der Partie.


Sascha Thanner, Sandro Montez, Liina Aunola

Als Piratenbraut mit Segelschiff auf dem Kleid eröffnet sie die Show feierlich, nachdem Clown Rico und Sascha Thanner im Epilog versucht haben, Applaus in einer Schachtel zu konservieren. Das Ballett ist ebenfalls beim fulminanten Opening mit von der Partie. Die Seeräuber de luxe kapern die Manege. Dann erleben wir die einzige Dressurnummer des Abends. Als Sascha Melnjak 2007 den Zirkus Charles Knie übernahm, führte Sandro Montez dort Elefanten, Exoten und Seelöwen vor. Viele kennen den Tiertrainer auch vom Circus Barum und vom Cirque Arlette Gruss. Vor einigen Jahren hat er sich eine Darbietung mit eigenen Tieren aufgebaut. Darin zeigen Hunde verschiedener Rassen, etwa Border Collies und belgische Papillons, spielerisch ihr Können. Sandro Montez kennt jeden einzelnen seiner Schützlinge bestens und nutzt dessen individuelle Fähigkeiten. Dazu gehören etwa Sprünge in verschiedenen Varianten oder das Hindurchschlupfen zwischen den Füßen des laufenden menschlichen Partners. Die anspruchsvolle Trickfolge wird gekonnt präsentiert. Liina Aunola startet am Vertikalseil, wo sie sich mit einem Arm am Seil schleudern lässt und dann akrobatische Posen zeigt. Weiter geht es ans Schwungseil. Bei durchaus riskanten Tricks spielt sie mit den Nerven des Publikums. Hochspannung herrscht, wenn sie ungesichert zurück zum Vertikalseil springt. Mit einem rasanten Abfaller geht es zurück auf den Boden.


Rico, Balloon Contortion Girks, Duo Since Moment

Als Magier und Zauberkaninchen in einer Person erleben wir sodann Rico. Sascha Thanner lässt ihn aus einem riesigen Zylinder erscheinen. Dann versucht sich der Clown unter anderem mit dem Verketten von Metallringen. Am Ende seiner Eskapaden steht er ohne Hose da. Die Boxershorts darunter sind passenderweise mit Karotten verziert. Unter dem Titel „Balloon Contortion Girls“ steht der erste Auftritt der Hebei Acrobatic Troupe. Diese Bezeichnung sagt letztendlich alles. Wir erleben schöne Figuren der Kontorsion und Handstandakrobatik. Die Artistinnen bauen menschliche Kunstwerke. Visuell wird ihr Auftritt durch Luftballons aufgewertet, akustisch sorgt „Never Enough“ mit Liudmila für die passende Begleitung. Schlichtweg grandios ist die Kür an den Srapaten des Duo Since Moment. Mariia und Oleksandr zeigen dabei so ziemlich alles, was das Genre hergibt. So etwa den doppelten Zahnhang oder den mit den Zähnen gehaltenen Zopfhang. Dabei wechseln sie sich beim tragenden Part ab. Mariia punktet zudem mit der Biegsamkeit ihres Körpers. Von dieser starken, wunderschönen und riskanten Darbietung werden wir in Zukunft sicher noch hören.


Lorenzo Bernardi, Rico, Kolfe Troupe

Die aus dem Saisonprogramm des Zirkus Charles Knie bekannte Modenschau deluxe des Balletts bildet den Auftakt für die Kontorsion von Lorenzo Bernardi. Der sympathische Italiener startet damit, seinen Körper in eine Kiste aus Plexiglas zu falten. Wenn er seinen Körper auf die ungewöhnlichsten Varianten verbiegt, hält er sich auch auf den Händen und mit den Zähnen im Gleichgewicht. Der mit den Füßen ausgelöste Bogenschuss auf einen Luftballon bildet den Abschluss. Eine ausgelassene Wasserschlacht veranstaltet Rico rund um eine kleine Küche. Wenn der Clown mit dem Nass hantiert, muss auch das Publikum fürchten, einige Tropfen abzubekommen. Doch letztendlich haben alle ihren Spaß. Spätestens dann, wenn Rico von Sascha Thanner zunächst eine Torte und dann einen Eimer Wasser ins Gesicht bekommt. Die große Nummer vor der Pause gehört der Kolfe Troupe. Die Formation aus Äthiopien verbindet Akrobatik am Schleuderbrett mit Ikarischen Spielen. Dank dieser Kombination verwöhnen uns die Artisten mit einzigartigen Sprüngen, an denen immer mehrere Personen beteiligt sind. Dabei überzeugen sie voll und ganz mit einer starken Leistung, gewinnen die Herzen des Publikums aber ebenso mit der gefeierten Lebensfreude ihrer Heimat. Beim Cirque de Demain 2023 gab es dafür Gold, 2026 in Monte Carlo einen Silbernen Clown.


ArgenDance

Das hohe Niveau wird nach der Unterbrechung fortgeführt. Ballett und Sängerin starten den zweiten Teil mit einer lateinamerikanischen Choreographie. Dann gehört die gebannte Aufmerksamkeit der Zuschauer den Flying Halcones. Sie begeistern mit einem Flugtrapez auf zwei Bahnen. Die Fliegerin und ihre fünf männlichen Kollegen werden nach ihren Sprüngen von den beiden Fängern sicher in Empfang genommen. Mit traumwandlerischer Sicherheit gelingen etwa der Dreifache und die Passage. Beide Tricks werden gleich zweimal gezeigt, jedes Mal sehr souverän. Bei den weiteren Kunststücken erleben wir, neben bekannten Figuren, eine Überraschung. Dann nämlich, wenn zwei der Flieger an zwei über dem Apparat montierten Trapezen zu Fängern werden. Auch die Präsentation der Flying Halcones aus Chile ist grandios. Ein traumhaftes Gesamterlebnis. Wir bleiben in Südamerika. Argentinien ist die Heimat von ArgenDance. Die vier Damen und ebenso viele Herren verstehen sich vortrefflich auf Bolaspiele und das Schlagen von Trommeln. Ihre Kunst servieren sie mit viel Können und Temperament. Kein Gast unter dem Chapiteau, der bei diesem Feuer nicht die winterlichen Temperaturen draußen vergisst. Die Boleadoras heizen mit immer neuen Formationen ordentlich ein.


Martti Peltonen, Sergiy und Vlad, Hebei Acrobatic Troupe

Als Liebesengel mit Pfeil und Bogen verkuppelt Rico einzelne Zuschauer mit Circusmitarbeitern. Dabei ist er nicht immer ganz treffsicher. Höchste Präzision herrscht hingegen beim Auftritt von Martti Peltonen und Liina Aunola. Die ist auch erforderlich, denn jeder Fehler hätte fatale Folgen. Martti ist ein Meister an der Armbrust, Liina die mutige Partnerin, die etwa eine Rose hält, dessen Stil durchschossen wird. Beim Schlusstrick aber steht Martti an der Zielscheibe, über seinem Kopf eine Kirschtomate. Diese wird nach einer Mehrfachauslösung über elf Armbrüste sauber durchbohrt. Nicht eben häufig sieht man ein männliches Duo am Flying Pole. Dank Sergiy und Vlad kommen wir beim Offenburger Weihnachtscircus in diesen Genuss. Sie verwöhnen uns mit wunderschönen Bildern, die sicher nicht ungefährlich sind. Meist im Duo, aber auch im Solo, an der ruhenden Stange genauso wie in Bewegung. Zur starken Akrobatik gibt es eins schönes Lichtdesign und die passende Musik inklusive Gesang. Auf den Plakaten groß angekündigt wird die Fahrradartistik der Hebei Acrobatic Troupe. Dies völlig zu recht, bilden die neun Künstlerinnen doch den krönenden Abschluss der Show. Faszinierend zu sehen, was mit einem Drahtesel alles möglich ist. Fünf Artistinnen fahren auf jeweils einem Rad in Formation, dann geht es hintereinander im Kreis. Dies auch auf Sattel und Lenker stehend. Sechs von ihnen bilden auf drei Fahrrädern eine Pyramide über drei Etagen. Am Ende dreht das gesamte Team auf einem Rad seine Runden. Es folgt das groß zelebrierte Finale mit ordentlich Disco-Feeling. Ein wunderbarer Rausch nach einer fulminanten Show.

Auch wir springen augenblicklich von unseren Sitzen auf, um im Stehen zu applaudieren. Dass diese Vorstellung Standing Ovations verdient, steht außer Frage. Ein solch stark besetztes Programm sieht man nicht alle Tage, zumal es spannende Neuentdeckungen gibt. Wir sind überzeugt, an diesem Abend eine außergewöhnlich grandiose Circusshow erlebt zu haben.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch