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Insgesamt umfasst das Ensemble
über 60 Artisten, Musiker und Tänzer. Sie alle sind Teil der
nunmehr 28. Auflage dieser traditionsreichen
Weihnachscircus-Produktion. Mitgezählt sind dabei die von
Gründungsdirektorin Anja Oschkinat verantworteten Ausgaben. Im
Winter 2012/13 hat Sascha Melnjak übernommen. Von seinem Zirkus
Charles Knie stammt auch das Material. Ebenso der Kern der
Menschen im Management, sprich Thorsten Brandstätter, Dieter
Seeger und Holger Fischer. Nur im Winter dabei sind Tom Dieck
Jr. und seine Frau Elena, die dafür sorgen, dass die Gäste in
der Restauration bestens versorgt werden.

Finale mit Liudmila
Vrinceanu und ArgenDance
Anders als derzeit im
Tourneegeschäft gibt es in Offenburg Livemusik. Das Orchester
unter der Leitung von Jerzy Skalski sitzt über der Gardine und
begleitet die Show. Wieder mit von der Partie ist der
sympathische Ringmaster Sascha Thanner. Souverän moderiert er
die Vorstellung. Das auch gerne vom Gradin aus, während in der
Manege alles für die folgende Darbietung vorbereitet wird. Sein
besonderes Markenzeichen sind die bei jedem Auftritt
wechselnden, edlen Kostüme. Mit fulminanten Outfits glänzt auch
das Ballett. Jeweils vier Tänzerinnen und Tänzer der Formation
ArgenDance sorgen für große Bilder zwischen den eigentlichen
Nummern. Zumeist ist auch Liudmila Vrinceanu in der Rolle der
Sängerin mit von der Partie.
  
Sascha Thanner, Sandro
Montez, Liina Aunola
Als Piratenbraut mit Segelschiff
auf dem Kleid eröffnet sie die Show feierlich, nachdem Clown
Rico und Sascha Thanner im Epilog versucht haben, Applaus in
einer Schachtel zu konservieren. Das Ballett ist ebenfalls beim
fulminanten Opening mit von der Partie. Die Seeräuber de luxe
kapern die Manege. Dann erleben wir die einzige Dressurnummer
des Abends. Als Sascha Melnjak 2007 den Zirkus Charles Knie
übernahm, führte Sandro Montez dort Elefanten, Exoten und
Seelöwen vor. Viele kennen den Tiertrainer auch vom Circus Barum
und vom Cirque Arlette Gruss. Vor einigen Jahren hat er sich
eine Darbietung mit eigenen Tieren aufgebaut. Darin zeigen Hunde
verschiedener Rassen, etwa Border Collies und belgische
Papillons, spielerisch ihr Können. Sandro Montez kennt jeden
einzelnen seiner Schützlinge bestens und nutzt dessen
individuelle Fähigkeiten. Dazu gehören etwa Sprünge in
verschiedenen Varianten oder das Hindurchschlupfen zwischen den
Füßen des laufenden menschlichen Partners. Die anspruchsvolle
Trickfolge wird gekonnt präsentiert. Liina Aunola startet am
Vertikalseil, wo sie sich mit einem Arm am Seil schleudern lässt
und dann akrobatische Posen zeigt. Weiter geht es ans
Schwungseil. Bei durchaus riskanten Tricks spielt sie mit den
Nerven des Publikums. Hochspannung herrscht, wenn sie
ungesichert zurück zum Vertikalseil springt. Mit einem rasanten
Abfaller geht es zurück auf den Boden.
  
Rico, Balloon Contortion
Girks, Duo Since Moment
Als Magier und Zauberkaninchen in
einer Person erleben wir sodann Rico. Sascha Thanner lässt ihn
aus einem riesigen Zylinder erscheinen. Dann versucht sich der
Clown unter anderem mit dem Verketten von Metallringen. Am Ende
seiner Eskapaden steht er ohne Hose da. Die Boxershorts darunter
sind passenderweise mit Karotten verziert. Unter dem Titel „Balloon
Contortion Girls“ steht der erste Auftritt der Hebei Acrobatic
Troupe. Diese Bezeichnung sagt letztendlich alles. Wir erleben
schöne Figuren der Kontorsion und Handstandakrobatik. Die
Artistinnen bauen menschliche Kunstwerke. Visuell wird ihr
Auftritt durch Luftballons aufgewertet, akustisch sorgt „Never
Enough“ mit Liudmila für die passende Begleitung. Schlichtweg
grandios ist die Kür an den Srapaten des Duo Since Moment.
Mariia und Oleksandr zeigen dabei so ziemlich alles, was das
Genre hergibt. So etwa den doppelten Zahnhang oder den mit den
Zähnen gehaltenen Zopfhang. Dabei wechseln sie sich beim
tragenden Part ab. Mariia punktet zudem mit der Biegsamkeit
ihres Körpers. Von dieser starken, wunderschönen und riskanten
Darbietung werden wir in Zukunft sicher noch hören.
  
Lorenzo Bernardi, Rico,
Kolfe Troupe
Die aus dem Saisonprogramm des
Zirkus Charles Knie bekannte Modenschau deluxe des Balletts
bildet den Auftakt für die Kontorsion von Lorenzo Bernardi. Der
sympathische Italiener startet damit, seinen Körper in eine
Kiste aus Plexiglas zu falten. Wenn er seinen Körper auf die
ungewöhnlichsten Varianten verbiegt, hält er sich auch auf den
Händen und mit den Zähnen im Gleichgewicht. Der mit den Füßen
ausgelöste Bogenschuss auf einen Luftballon bildet den
Abschluss. Eine ausgelassene Wasserschlacht veranstaltet Rico
rund um eine kleine Küche. Wenn der Clown mit dem Nass hantiert,
muss auch das Publikum fürchten, einige Tropfen abzubekommen.
Doch letztendlich haben alle ihren Spaß. Spätestens dann, wenn
Rico von Sascha Thanner zunächst eine Torte und dann einen Eimer
Wasser ins Gesicht bekommt. Die große Nummer vor der Pause
gehört der Kolfe Troupe. Die Formation aus Äthiopien verbindet
Akrobatik am Schleuderbrett mit Ikarischen Spielen. Dank dieser
Kombination verwöhnen uns die Artisten mit einzigartigen
Sprüngen, an denen immer mehrere Personen beteiligt sind. Dabei
überzeugen sie voll und ganz mit einer starken Leistung,
gewinnen die Herzen des Publikums aber ebenso mit der gefeierten
Lebensfreude ihrer Heimat. Beim Cirque de Demain 2023 gab es
dafür Gold, 2026 in Monte Carlo einen Silbernen Clown.

ArgenDance
Das hohe Niveau wird nach der
Unterbrechung fortgeführt. Ballett und Sängerin starten den
zweiten Teil mit einer lateinamerikanischen Choreographie. Dann
gehört die gebannte Aufmerksamkeit der Zuschauer den Flying
Halcones. Sie begeistern mit einem Flugtrapez auf zwei Bahnen.
Die Fliegerin und ihre fünf männlichen Kollegen werden nach
ihren Sprüngen von den beiden Fängern sicher in Empfang
genommen. Mit traumwandlerischer Sicherheit gelingen etwa der
Dreifache und die Passage. Beide Tricks werden gleich zweimal
gezeigt, jedes Mal sehr souverän. Bei den weiteren Kunststücken
erleben wir, neben bekannten Figuren, eine Überraschung. Dann
nämlich, wenn zwei der Flieger an zwei über dem Apparat
montierten Trapezen zu Fängern werden. Auch die Präsentation der
Flying Halcones aus Chile ist grandios. Ein traumhaftes
Gesamterlebnis. Wir bleiben in Südamerika. Argentinien ist die
Heimat von ArgenDance. Die vier Damen und ebenso viele Herren
verstehen sich vortrefflich auf Bolaspiele und das Schlagen von
Trommeln. Ihre Kunst servieren sie mit viel Können und
Temperament. Kein Gast unter dem Chapiteau, der bei diesem Feuer
nicht die winterlichen Temperaturen draußen vergisst. Die
Boleadoras heizen mit immer neuen Formationen ordentlich ein.
  
Martti Peltonen, Sergiy
und Vlad, Hebei Acrobatic Troupe
Als Liebesengel mit Pfeil und
Bogen verkuppelt Rico einzelne Zuschauer mit Circusmitarbeitern.
Dabei ist er nicht immer ganz treffsicher. Höchste Präzision
herrscht hingegen beim Auftritt von Martti Peltonen und Liina
Aunola. Die ist auch erforderlich, denn jeder Fehler hätte
fatale Folgen. Martti ist ein Meister an der Armbrust, Liina die
mutige Partnerin, die etwa eine Rose hält, dessen Stil
durchschossen wird. Beim Schlusstrick aber steht Martti an der
Zielscheibe, über seinem Kopf eine Kirschtomate. Diese wird nach
einer Mehrfachauslösung über elf Armbrüste sauber durchbohrt.
Nicht eben häufig sieht man ein männliches Duo am Flying Pole.
Dank Sergiy und Vlad kommen wir beim Offenburger
Weihnachtscircus in diesen Genuss. Sie verwöhnen uns mit
wunderschönen Bildern, die sicher nicht ungefährlich sind. Meist
im Duo, aber auch im Solo, an der ruhenden Stange genauso wie in
Bewegung. Zur starken Akrobatik gibt es eins schönes Lichtdesign
und die passende Musik inklusive Gesang. Auf den Plakaten groß
angekündigt wird die Fahrradartistik der Hebei Acrobatic Troupe.
Dies völlig zu recht, bilden die neun Künstlerinnen doch den
krönenden Abschluss der Show. Faszinierend zu sehen, was mit
einem Drahtesel alles möglich ist. Fünf Artistinnen fahren auf
jeweils einem Rad in Formation, dann geht es hintereinander im
Kreis. Dies auch auf Sattel und Lenker stehend. Sechs von ihnen
bilden auf drei Fahrrädern eine Pyramide über drei Etagen. Am
Ende dreht das gesamte Team auf einem Rad seine Runden. Es folgt
das groß zelebrierte Finale mit ordentlich Disco-Feeling. Ein
wunderbarer Rausch nach einer fulminanten Show. |