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Mutter
Carmen, die diese Rolle bis 2017 innehatte, ist wie gehabt in
der Restauration anzutreffen. Hier managed sie die große
Nachfrage vor und nach der Vorstellung sowie in der Pause. Eine
sicherlich nicht unwichtige Einnahmequelle, insbesondere da die
Eintrittspreise trotz in Schweden hoher Inflation moderat
gehalten wurden, wie Trolle Rhodin erzählt. Einen Kassenwagen
gibt es nicht mehr. Das Publikum kauft seine Tickets vorab
online. Souvenirs, Popcorn und Erfrischungen werden per Karte
bezahlt. Bargeld spielt keine Rolle.

Chapiteau des Cirkus Brazil Jack
Im
Viermast-Chapiteau ist es an diesem Nachmittag feucht-warm. Es
hat auf dem Rasenplatz zuvor geregnet und nun scheint kräftig
die Sonne. Trotzdem sind die an diesem Tag angesetzten drei
Vorstellungen sehr gut besucht. Für das Publikum steht neben
zwei Reihen Logen ein Gradin mit Klappsitzen zur Verfügung. Am
schmuckvollen Artisteneingang sticht das große beleuchtete Logo
des Unternehmens ins Auge. Ein Orchester gibt es aufgrund des
Kriegs in der Ukraine auch in dieser Saison nicht. Die Musik aus
der Konserve wird aber in guter Qualität eingespielt. Das
Lichtdesign überstrahlt im wahrsten Sinne des Wortes ohnehin
alles. Hier wird wirklich geklotzt. Die Show wird fulminant
ausgeleuchtet.
  
Wolf
Brothers, Daniil Biriukov, Jessyka Jasters
Das Warm
up übernehmen die Wolf Brothers. Richard und David sind schon
seit einigen Saisons bei Brazil Jack engagiert. In bewährter
Manier üben sie mit den Zuschauern das Klatschen. Sodann holen
sie Trolle Rhodin in die Manege. Nach seinen Begrüßungsworten
geht es Schlag auf Schlag. Den Anfang macht Daniil Biriukov. Am
Flying Pole hält er sich kraftvoll in den verschiedensten Posen
hoch über der Manege fest. Ob mit den Armen oder mit den Beinen,
Daniil hat den fliegenden Mast immer im Griff und macht dabei
eine blendende Figur. Diese gibt natürlich auch Jessyka Jasters
ab. Während Daniil Biriukov seinen Schlussapplaus entgegennimmt,
steht die junge Artistin bereits auf der Piste. Es geht nachtlos
weiter mit ihren Antipodenspielen. Dabei lässt sie bis zu vier
Tücher gleichzeitig auf Armen und Beinen rotieren. Für den
letzten Trick verzichtet sie auf die Trinka und wird kopfüber
unter die Kuppel gezogen. Auch in dieser Position kreisen vier
kleine Teppiche auf ihren Extremitäten. Im schicken Kostüm zieht
sie die Blicke von den Rängen immer wieder auf sich.
  
Wolf
Brothers, Susan Jasters, Duo Ice
Im
reichlich verzierten Zweier-Kanu rudern die Wolf Brothers
herein. Stilecht bekleidet mit gelben Regenponchos und
Südwestern. Mit Angeln machen sie sich sogleich auf die Jagd
nach Fischen. Letztendlich werfen sie ein Netz aus. Ein solches
hat ebenfalls Susan Jasters. Damit zeigt sie Luftakrobatik. Als
besonderer Effekt wird eine Waterbowl eingesetzt. In die mit
Wasser gefüllte durchsichtige Halbkugel taucht sie mehrfach ein,
wodurch sich schöne Effekte mit unzähligen Tropfen ergeben, die
man allerdings anderswo schon intensiver gesehen hat. Bei der
wunderbaren Arbeit am Netz beweist Susan Jasters einmal mehr
ihre Vielseitigkeit. Mit komischen Zaubereien sorgen Richard und
David Wolf in ihrem nächsten Auftritt für Spaß. So verblüffen
sie etwa damit, dass der zuvor mit Wasser gefüllte Zylinder bei
dem einen der beiden dichthält, beim anderen aber für einen
nassen Kopf sorgt. Während der Darbietung des Duo Ice kommt das
Nass aus der Kuppel. Die Partnerakrobatik im Regen von Jenny
Kastein und Daniil Biriukov kennen wir von Flic Flac. Von dort
haben sie auch die Technik mitgebracht. Es ist eine ungemein
intensive Kür, die die beiden zelebrieren. Die Choreographie
schließt viele starke, originelle Tricks ein. Ein Highlight in
jedem Programm, das vollkommen zu Recht an das Ende des ersten
Teils gesetzt wurde. Damit geht es schon nach rund 30 Minuten
Nonstop-Circus in die Pause.
  
Flying
Brazil Jack, Sonny Caveagna, Diorios
Weitere 20
Minuten später begrüßt Trolle Rhodin zur zweiten Hälfte und
kündigt voller Stolz das folgende Fliegende Trapez an. Das dort
arbeitende Quartett wurde eigens zusammengestellt. Als Fänger
fungiert Dimersion Baeta. Im vergangenen Jahr war er hier in
einer Rollschuhnummer zu erleben. Seine damalige
Manegenpartnerin Susan Jasters ist jetzt die Fliegerin.
Begleitet wird sie von Beto Mendonca und Adriano Dos Santos. Wir
erleben sie mit einem sehenswerten Repertoire. Höhepunkte sind
der Doppelsalto mit verbundenen Augen sowie die Passage. Als
zusätzlichen Thrill gibt es den Sprung kopfüber aus der Kuppel.
So kann sich Brazil Jack mit einer der derzeit in Europa rar
gesäten Flugtrapez-Darbietungen schmücken. Den Netzabbau
„verstärken“ die Wolf Brothers. In Arbeitshosen und Helmen
mischen sie sich unter die Requisiteure. Daraus entsteht eine
komische Akrobatik, in der es letztendlich darum geht, einen
Stecker ans Stromnetz anzuschließen. Sonny Caveagna jongliert
mit Keulen, Bällen und Ringen. Das ganz klassisch und mit viel
südeuropäischem Temperament. Originell ist die Jonglage von fünf
Reifen, die auf der einen Seite gelb, auf der anderen orange
sind. Während ihrer Flüge wechseln sie für den frontal sitzenden
Betrachter nach und nach die Farbe. In schottischen Outfits
präsentieren die Wolf Brothers ihre Eskapaden mit einem großen
Holzbrett und auf einem Tisch. Als Kaskadeure vereinen sie
Akrobatik und Komik. Dann wird die große Stahlgitterkugel in die
Manegenmitte geschoben. Darin wagen bis zu vier Mitglieder der
Diorios riskante Touren auf Motorrädern. Sogar dann, wenn der
Globe in zwei Teile auseinander gefahren wird. Großer Applaus
begleitet diese Sensationsnummer. Das Finale mit allen
Mitwirkenden beschließt die Show. Trolle Rhodin spricht nicht
nur die Abschiedsworte, sondern spuckt zudem eine Feuersäule
Richtung Kuppel. |