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Cirkus Brazil Jack - Tour 2023
www.braziljack.se ; 120 Showfotos

Stockholm, 8. Juli 2023: Die stylischen Plakate in der schwedischen Hauptstadt fallen einfach auf. Hier wird nicht mit für den Circus andernorts üblichen Motiven geworben, der Cirkus Brazil Jack verspricht Entertainment. Auch der Standort ist vergleichsweise zentral gewählt. „Tantolunden ist für Stockholm das, was für New York der Central Park ist“, sagt Trolle Rhodin nicht ohne Stolz. Der Juniorchef nimmt auf den Postern eine prominente Position ein. Zudem begrüßt und verabschiedet er das Publikum in der Show. Das wortgewandt und in schicker Uniform.

Mutter Carmen, die diese Rolle bis 2017 innehatte, ist wie gehabt in der Restauration anzutreffen. Hier managed sie die große Nachfrage vor und nach der Vorstellung sowie in der Pause. Eine sicherlich nicht unwichtige Einnahmequelle, insbesondere da die Eintrittspreise trotz in Schweden hoher Inflation moderat gehalten wurden, wie Trolle Rhodin erzählt. Einen Kassenwagen gibt es nicht mehr. Das Publikum kauft seine Tickets vorab online. Souvenirs, Popcorn und Erfrischungen werden per Karte bezahlt. Bargeld spielt keine Rolle.


Chapiteau des Cirkus Brazil Jack

Im Viermast-Chapiteau ist es an diesem Nachmittag feucht-warm. Es hat auf dem Rasenplatz zuvor geregnet und nun scheint kräftig die Sonne. Trotzdem sind die an diesem Tag angesetzten drei Vorstellungen sehr gut besucht. Für das Publikum steht neben zwei Reihen Logen ein Gradin mit Klappsitzen zur Verfügung. Am schmuckvollen Artisteneingang sticht das große beleuchtete Logo des Unternehmens ins Auge. Ein Orchester gibt es aufgrund des Kriegs in der Ukraine auch in dieser Saison nicht. Die Musik aus der Konserve wird aber in guter Qualität eingespielt. Das Lichtdesign überstrahlt im wahrsten Sinne des Wortes ohnehin alles. Hier wird wirklich geklotzt. Die Show wird fulminant ausgeleuchtet.


Wolf Brothers, Daniil Biriukov, Jessyka Jasters

Das Warm up übernehmen die Wolf Brothers. Richard und David sind schon seit einigen Saisons bei Brazil Jack engagiert. In bewährter Manier üben sie mit den Zuschauern das Klatschen. Sodann holen sie Trolle Rhodin in die Manege. Nach seinen Begrüßungsworten geht es Schlag auf Schlag. Den Anfang macht Daniil Biriukov. Am Flying Pole hält er sich kraftvoll in den verschiedensten Posen hoch über der Manege fest. Ob mit den Armen oder mit den Beinen, Daniil hat den fliegenden Mast immer im Griff und macht dabei eine blendende Figur. Diese gibt natürlich auch Jessyka Jasters ab. Während Daniil Biriukov seinen Schlussapplaus entgegennimmt, steht die junge Artistin bereits auf der Piste. Es geht nachtlos weiter mit ihren Antipodenspielen. Dabei lässt sie bis zu vier Tücher gleichzeitig auf Armen und Beinen rotieren. Für den letzten Trick verzichtet sie auf die Trinka und wird kopfüber unter die Kuppel gezogen. Auch in dieser Position kreisen vier kleine Teppiche auf ihren Extremitäten. Im schicken Kostüm zieht sie die Blicke von den Rängen immer wieder auf sich.


Wolf Brothers, Susan Jasters, Duo Ice

Im reichlich verzierten Zweier-Kanu rudern die Wolf Brothers herein. Stilecht bekleidet mit gelben Regenponchos und Südwestern. Mit Angeln machen sie sich sogleich auf die Jagd nach Fischen. Letztendlich werfen sie ein Netz aus. Ein solches hat ebenfalls Susan Jasters. Damit zeigt sie Luftakrobatik. Als besonderer Effekt wird eine Waterbowl eingesetzt. In die mit Wasser gefüllte durchsichtige Halbkugel taucht sie mehrfach ein, wodurch sich schöne Effekte mit unzähligen Tropfen ergeben, die man allerdings anderswo schon intensiver gesehen hat. Bei der wunderbaren Arbeit am Netz beweist Susan Jasters einmal mehr ihre Vielseitigkeit. Mit komischen Zaubereien sorgen Richard und David Wolf in ihrem nächsten Auftritt für Spaß. So verblüffen sie etwa damit, dass der zuvor mit Wasser gefüllte Zylinder bei dem einen der beiden dichthält, beim anderen aber für einen nassen Kopf sorgt. Während der Darbietung des Duo Ice kommt das Nass aus der Kuppel. Die Partnerakrobatik im Regen von Jenny Kastein und Daniil Biriukov kennen wir von Flic Flac. Von dort haben sie auch die Technik mitgebracht. Es ist eine ungemein intensive Kür, die die beiden zelebrieren. Die Choreographie schließt viele starke, originelle Tricks ein. Ein Highlight in jedem Programm, das vollkommen zu Recht an das Ende des ersten Teils gesetzt wurde. Damit geht es schon nach rund 30 Minuten Nonstop-Circus in die Pause.


Flying Brazil Jack, Sonny Caveagna, Diorios

Weitere 20 Minuten später begrüßt Trolle Rhodin zur zweiten Hälfte und kündigt voller Stolz das folgende Fliegende Trapez an. Das dort arbeitende Quartett wurde eigens zusammengestellt. Als Fänger fungiert Dimersion Baeta. Im vergangenen Jahr war er hier in einer Rollschuhnummer zu erleben. Seine damalige Manegenpartnerin Susan Jasters ist jetzt die Fliegerin. Begleitet wird sie von Beto Mendonca und Adriano Dos Santos. Wir erleben sie mit einem sehenswerten Repertoire. Höhepunkte sind der Doppelsalto mit verbundenen Augen sowie die Passage. Als zusätzlichen Thrill gibt es den Sprung kopfüber aus der Kuppel. So kann sich Brazil Jack mit einer der derzeit in Europa rar gesäten Flugtrapez-Darbietungen schmücken. Den Netzabbau „verstärken“ die Wolf Brothers. In Arbeitshosen und Helmen mischen sie sich unter die Requisiteure. Daraus entsteht eine komische Akrobatik, in der es letztendlich darum geht, einen Stecker ans Stromnetz anzuschließen. Sonny Caveagna jongliert mit Keulen, Bällen und Ringen. Das ganz klassisch und mit viel südeuropäischem Temperament. Originell ist die Jonglage von fünf Reifen, die auf der einen Seite gelb, auf der anderen orange sind. Während ihrer Flüge wechseln sie für den frontal sitzenden Betrachter nach und nach die Farbe. In schottischen Outfits präsentieren die Wolf Brothers ihre Eskapaden mit einem großen Holzbrett und auf einem Tisch. Als Kaskadeure vereinen sie Akrobatik und Komik. Dann wird die große Stahlgitterkugel in die Manegenmitte geschoben. Darin wagen bis zu vier Mitglieder der Diorios riskante Touren auf Motorrädern. Sogar dann, wenn der Globe in zwei Teile auseinander gefahren wird. Großer Applaus begleitet diese Sensationsnummer. Das Finale mit allen Mitwirkenden beschließt die Show. Trolle Rhodin spricht nicht nur die Abschiedsworte, sondern spuckt zudem eine Feuersäule Richtung Kuppel.

Brazil Jack spielt auch 2023 klassischen Circus in attraktiver Besetzung und moderner Aufmachung. Das hilft ganz sicher, neue Publikumsbereiche zu erschließen und gleichzeitig das typische Familienpublikum zufrieden zu stellen. Letzteres beweist insbesondere der imposante Fuhrpark an Kinderwagen vor dem Eingang. Das in der ersten Hälfte gewählte extrem hohe Tempo wird nach der Pause ausgebremst. Vor allen Dingen durch den Abbau des Fangnetzes für das Fliegende Trapez und das nicht überbrückte Hereinrollen der Motorradkugel. Somit entsteht eine gewisse Disharmonie. In Summe aber hat das Unternehmen der Familie Rhodin eine spannende und ganz sicher sinnvolle Richtung eingeschlagen. Seien wir also gespannt, wie sich der größte Circus Schwedens in den kommenden Jahren entwickelt.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch