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Moskauer Circus - Tour 2023
www.moskauer-circus.eu ; 140 Showfotos

Crailsheim, 21. Mai 2023: Seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine sind die Zeiten für den Moskauer Circus der Familie Frank deutlich schwerer geworden. Zwar hat das Unternehmen mit Russland und seinem Staatscircus nichts zu tun – doch die einst bewusst geweckten Assoziationen sind nun mehr Ballast als Wettbewerbsvorteil. Zwischenzeitlich wurde gar zum Namen „Circus Diana Busch“ gewechselt, doch dieser ist bereits wieder Geschichte. In Crailsheim gastierte man auf dem privaten Wiesenplatz, der ansonsten für den Weihnachtscircus genutzt wird.

Er liegt in der Nähe großer Einkaufsmärkte am Stadtrand und nicht zentral wie der Volksfestplatz. Die Form des recht unebenen Geländes und die Zufahrtssituation machen einen etwas ungewöhnlichen Aufbau erforderlich. Dennoch wird ein großes, rot-weißes Viermast-Chapiteau mit Vorzelt errichtet, um das sich der Wagenpark gruppiert. Markant ist die Kasse mit ihren Leuchtschriften.


Moskauer Circus in Crailsheim

Wie wir es vom Moskauer Circus kennen, nimmt das Ensemble mit einem temperamentvollen Eröffnungstanz Bezug zur russischen Folklore. Ein weiterer Fixpunkt in den Programmen des Unternehmens ist die Strapatenkür von Oleksandr Mak-Frank.


Oleksandr Mak-Frank, Pom Pom, Salvi Tonito

Im fluoreszierenden Kostüm zelebriert der junge Mann kraftvolle Posen und gewagte Abfaller, wickelt sich betont langsam auf und ab. Dazu interagiert er offensiv mit dem Publikum, lässt seinen Charme spielen. Seit vielen Jahren nicht mehr in einer Manege angetroffen haben wir Clown Pom Pom, mit bürgerlichem Namen László Szabó. Umso mehr haben wir uns über das Wiedersehen gefreut. Mit Sturmfrisur, roter Nase, bunter Weste, Ringelsocken und zu großen Schuhen verkörpert er noch das Bild eines traditionellen Spaßmachers. Mit einem großen Karton bepackt entert er das Circuszelt und animiert die – leider nur in überschaubarer Zahl erschienenen – Zuschauer mit einem Klatschspiel. Nicht mehr mit dem Moskauer Circus unterwegs ist die große Truppe Tonito, die noch im vergangenen Jahr mit Artistik auf dem Trampolin und einer Illusionsshow zu erleben war. Verblieben sind einzelne Mitglieder der Familie, und so zeigt Salvi Tonito seine Balancen auf dem Drahtseil. Die Trickfolge umfasst beispielsweise den Sprung durch einen mit Messern gespickten Reifen sowie den Rückwärtssalto.


Pom Pom und Pompi, Latoya Mak-Frank, Duo Madison

In einigen seiner Szenen erhält Pom Pom Unterstützung von Clownin Pompi, verkörpert von seiner Lebensgefährtin Erika Szemerdák. So werden die beiden beim Fegen der Manegenkästen von einem Requisiteur geneckt und „bestatten“ eine von ihnen erlegte Fliege. Doch das Insekt erwacht zu neuem Leben. Es ist heute fast schon eine Rarität, wieder einmal eine traditionelle Vertikalseilnummer zu erleben. Hier hat sich die junge Direktionstochter Latoya Mak-Frank für dieses Genre entschieden. Begleitet von treibender Musik wagt sie verschiedene rasante Wirbel an Schlaufen, dies auch kopfüber. Zu den stärksten Nummern im Programm gehören die Antipodenspiele von Marisa Tonito und ihrer Tochter Madison als Duo Madison. Dabei werden von Marisa Tonito fünf große Bälle mit den Füßen jongliert und von Madison Tonito vier Teppiche kreisen gelassen. Marisa Tonito bugsiert einen Ball über fünf Plattformen an einer Metallstange in den Korb am oberen Ende. Die Stange ist an ihren Füßen befestigt. Gemeinsame Sache machen Mutter und Tochter beim Schlusstrick. Madison steht im Schulterstand auf den Füßen von Marisa Tonito. So lassen beide gemeinsam fünf Teppiche auf Händen und Füßen fliegen. Mit einer weiteren, amüsanten Episode leiten Pom Pom und Pompi in die Pause über.


Alexandra Kopecká, Pom Pom mit Zuschauerin, Oleksandr Mak-Frank

Alexandra Kopecká demonstriert am Luftring Kraft und Beweglichkeit, begleitet von einem romantischen Lovesong. Pom Poms wohl bekannteste Szene ist seine pantomimische „Autofahrt“, bei der ihn eine hübsche Dame aus dem Publikum begleiten darf. Nachdem das aus zwei Stühlen bestehende Fahrzeug zwischenzeitlich „defekt“ ist, wechselt die Begleiterin ans Steuer. Mit klassischer Equilibristik zu Michael Bublés „It’s a new day“ überzeugt im Anschluss noch einmal Oleksandr Mak-Frank. Zunächst arbeitet er stilvoll im roten Anzug und mit Hut, dann legt er Sakko und Weste ab und präsentiert – wie schon an den Strapaten – den freien Oberkörper. Im letzten Teil seiner Nummer drückt er seine Handstände auf einer hohen Stange. Der sympathische Künstler wirkt jederzeit voll motiviert und mit dem Herzen bei der Sache.


Manu Frank und Pom Pom, Marlon Michael, Pom Pom mit Zuschauer

Ein weiteres Mal für Heiterkeit sorgt Pom Pom beim Duell mit einem Mitspieler aus den Zuschauerreihen. Den Höhepunkt der Vorstellung liefert die vierköpfige Flugtrapez-Formation „The Flying Michaels", bestehend aus zwei Herren und zwei Damen. Unter ihnen ist Marlon Michael, den wir als herausragend eleganten Flieger unter anderem jahrelang im Saisonprogramm des Circus Krone erleben durften. Nun hat er die Position gewechselt und agiert als Fänger. Doch am Ende der Darbietung ist wiederum er es, der den wirkungsvollen Kopfüber-Sturz aus der Kuppel wagt, nach dem Aufprall im Netz und einem Salto die Trapezstange erreicht und von dort aus zur Plattform schwingt. Natürlich dürfen auch bei den „Flying Michaels“ Klassiker des Genres wie Dreifacher und Passage nicht fehlen. Ein letztes Mal gehört die Manege Pom Pom und Partnerin. Außergewöhnlich ist die Geschichte, in der Pom Pom scheinbar um die Dame seines Herzens buhlt, letztendlich aber nur eine Straßenlaterne kaufen möchte.

Mit dieser Mischung aus Akrobatik und sehr sympathischer Clownerie in einem kompakten Programm sorgt der Moskauer Circus für gute Unterhaltung. Tiere sind in dieser Saison nicht in der Show – und eine Woche nach unserem Besuch, beim Gastspiel in Tauberbischofsheim, waren Clown Pom Pom mit Partnerin und die „Flying Michaels“ nicht mehr zu erleben. Stattdessen gab es hauseigene Clownerie von Manu Frank alias Clown Oleg und die Hula Hoop-Nummer von Salvina Frank.

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Text und Fotos: Markus Moll