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Aber
einige Mitglieder aus dem Team unterstützen wie gewohnt.
Stimmungsfördernd ist die kompakte Atmosphäre im ausverkauften
Chapiteau. Auch wenn es an diesem Tag unter dem Zeltdach sehr
warm ist, genießen die Gäste die Show voll und ganz.
Erfrischungen hält das Vorzelt mit Restauration und
Souvenirstand bereit. Zum Konsum von Getränken und Snacks laden
Tische sowie Bänke auf dem Rasenplatz. Nostalgisch angehauchte
Fahrzeuge warten darauf, entdeckt zu werden.

Zirkus
Nemo in Koege
Wortreich
erklärt Soren Ostergaard, aus welchen Elementen der Circus
besteht. Natürlich sind die ausführlichen Erläuterungen auf
Dänisch. Wenn man dieser Sprache nicht mächtig ist, dann erkennt
man nur einzelne Begriffe wie „Canobbio“. Die besorgte Nachfrage
meiner Sitznachbarn, ob ich denn als Besucher aus Deutschland zu
meinen Spaß käme, kann ich entspannt bejahen. Kostüme, Perücken,
Gestik, Mimik und die Sprechweise von Ostergaard bringen mich
bestens zum Lachen, obwohl ich quasi nichts verstehe. Wenn ein
Musiker das Becken mit einem Winkelschleifer bedient, wenn ein
hochgewachsener Mann (Christian Mosbaek) im Paradekostüm mit
Minirock auftritt, dann „spricht“ das einfach für sich. Den
ersten Kostümwechsel des Direktors überbrückt sein Team mit
einem Zaubertrick. Laura Kvist Poulsen hat den Zettel mit der
Anleitung, der Rest – darunter Ingo Stiebner und Hector
Yzquierdo – darf sich darin versuchen, einen Kollegen mit Röhren
zu durchbohren. Die vierköpfige Band spielt dazu. Danach nimmt
das Quartett für die weitere musikalische Begleitung neben dem
Artisteneingang Platz. Es folgt das nächste Solo von Soren
Ostergaard in einem an Abba angelehnten Kostüm.
  
Zore
Espana, Soren Ostergaard, Hector Yzquierdo
Zore
Espana ist mit ihrem Roue Cyr im Gepäck nach Dänemark gereist.
Damit zeigt sie auf der erhöhten Rundbühne eine wunderschöne
Kür. Verschiedene Tricks des Genres reiht sie in einer
fließenden Choreographie aneinander. Dann schaut kurz Soren
Ostergaard als Mann mit dem längsten Arm vorbei, Hector
Yzquierdo spielt beide Parts eines Tanzpaares aus dem Wilden
Westen und Christian Mosbaek beweist, dass der Zaubertrick mit
Röhren und Weinflaschen auch mit Quadern und Stühlen
funktioniert. Eines der Sitzmöbel dient Ostergaard als Requisit,
wenn er den tschechischen Puppenspieler Oleg Olansky gibt, der
am Flughafen bei der Sicherheitskontrolle vergessen hat, seinen
Gürtel wieder anzuziehen. Die rutschende Hose ist aber nur einer
von etlichen Gags, die er bei der Interaktion mit der sich in
Einzelteile auflösenden Puppe abfeuert. Aus dem feinfühligen
Künstler wird im Laufe der Nummer ein verzweifelt fluchender
Mann. Dankenswerterweise wird dieser Sketch auf Englisch
gespielt. In verschiedenen Abwandlungen war er bereits in
früheren Programmen des Zirkus Nemo zu sehen. Christian Mosbaek
führt unter den Augen von Ingo Stiebner einen imaginären Hund
aus, Hector Yzquierdo tanzt als kleinwüchsiger Fischer über die
Bühne und schon steht der Direktor in neuer Aufmachung im
Spotlight. Der schwadronierende Fußballfans erfüllt auch alle
hiesigen Klischees eines eingefleischten, in die Jahre
gekommenen Vereinsanhängers.
 
Claudius Specht, Soren Ostergaard
Nicht mit
Bällen, dafür mit Bechern, vor allen Dingen aber mit Keulen
jongliert Claudius Specht. Das macht der Schweizer im schwarzen
Anzug gewohnt virtuos. Eine jener Darbietungen, die immer wieder
neu fasziniert. In den unterschiedlichsten Touren schickt er
seine silbernen Keulen auf ihre Umlaufbahnen durch die Luft. Auf
das Spiel mit Bechern, die er hochwirft und dann im untersten
davon wieder auffängt, folgt die schnelle Jonglage von drei
Keulen. Zum Grande Finale entfacht der sympathische Artist einen
Wirbel mit sieben Keulen. Den zusätzlichen Kick gibt der
vollautomatische Requisitenspender. Für die Pausennummer sorgt
Marianne, selbstredend dargestellt von Soren Ostergaard. Die
eigenwillige Dame präsentiert uns eine Rattendressur, die
ursprünglich von Gunter Sacckman stammt. Nur gut, dass Ingo
Stiebner dabei ist. Das Programmheft weist ihn als Stallmeister
aus. Bei Nemo und in vielen anderen Unternehmen ist er mit
seinen Seelöwen aufgetreten. An ihm liegt es, die Nager zu
bändigen und zu ihren Kunststücken zu animieren. Marianne sorgt
für das Chaos, das diese Darbietung zu einem herrlich witzigen
Erlebnis macht. Mit dem Hereinbringen eines extrem langen Beins
endet der erste Teil. Zu Beginn des zweiten bekommt der
Smadremanden Gelegenheit, ausführlich seine Sicht der Dinge
darzustellen. Mit Netzhemd, schmierigen, langen Haaren und
bunten Tattoos auf den Oberarmen tut er das sehr lautstark. Der
ausgestreckte Mittelfinger kommt des Öfteren zum Einsatz. Als
visueller Effekt bleibt das Zerdrücken von Schaumküssen in
Erinnerung.
  
Hector
Yzquierdo, Duo Flash, Soren Ostergaard
Das Duo
Solys ist seit 2018 beim Zirkus Nemo. Damals zeigten die beiden
Artisten ihre Partner-Equilibristik mit einem Mini-Eiffelturm.
In diesem Jahr erleben wir Hector Yzquierdo mit einer
kraftvollen Handstandakrobatik. Der Klötzchentrick bildet den
effektvollen Schlusspunkt. Den Malermanden mit seinem Maßband
kennen wir natürlich schon seit vielen Jahren. Worin es bei
seinen Wortkaskaden geht, können wir nur erahnen. Worte wie
„Hitler“ und „Lufthansa“ geben Hinweise. Mit großer Trommel vor
dem Bauch führt „Paradegirl“ Christian Mosbaek das Defilee der
Requisiteure an, die verschiedenste Zauberutensilien auf Tischen
hereinbringen. Per Ole Hanemann Goelsen heißt der schon etwas
angestaubte Magier, der eher lustlos als lustvoll die
verschiedensten Wunder vor unseren Augen geschehen lässt.
Während bei Hand-auf-Hand-Nummern gelegentlich Sprünge eingebaut
werden, stellen sie beim Duo Flash den Kern des Auftritts dar.
Mit viel Witz fliegen Yefrem Bitkin und Yefgeniy Daschkivski in
unzähligen Salti durch die Luft. Das in einem perfekt
durchgestylten Ablauf. Damit sorgen sie für Lachen, vor allen
Dingen aber Staunen. In diesem Jahr ziemlich gesittet, zumindest
visuell, gerät der Auftritt von Bager Jorgen. Der Bäcker
produziert vergleichsweise wenig Brösel, wenn er am Ende seiner
Ausführungen mit Gebäck alles andere als zimperlich umgeht. Das
Publikum liebt auch diese Figur von Soren Ostergaard, wie die
Lachsalven verraten.

Finale
Fast schon
Millimeterarbeit ist gefragt, wenn sich das Duo Stauberti mit
seiner Percheakrobatik nur bis knapp unter das Dach des
Chapiteaus bewegt. Aber es passt alles, die gesamte Trickfolge
wird gezeigt. Wie etwa die Fahrt auf dem Einrad von Dimitri, bei
der er seine Nichte Nancy am oberen Ende einer Stirnperche auf
dem Kopf balanciert und dazu noch mit Keulen jongliert. 2018
erhielten die beiden für ihre Darbietung einen Silbernen Clown
in Monte Carlo. Als fast schon poetischer Clown leitet Soren
Ostergaard das Finale mit Seifenblasen ein. Doch zunächst
bringen zwei kopflose Herren einen überdimensionalen Kopf des
Nemo-Direktors. Dieser steht auf zwei Füßen und erinnert so an
den von Roncalli bekannten „Kopffüßler“. Dann erscheinen noch
einmal alle Mitwirkenden, um sich ausführlich vom Publikum zu
verabschieden. Die Zuschauer feiern das Ensemble mit
frenetischen Standing Ovations. |