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Circus im Prater - Frühjahr 2023
www.circusimprater.at ; 134 Showfotos

Sonntag, 30. April 2023: Poetisch und nostalgisch – so wie Circus früher vielleicht gar nie war, aber gewesen sein könnte. So, wie man sich Vergangenheit und bessere Zeiten verklärend vorstellt. So wirkt er auf uns, der „Circus im Prater“ von Alfred Toth und seiner Mutter Gerta. In einem Jahrzehnte alten Chapiteau schaffen die Toths auf Wiens stationärer Ganzjahres-Kirmes echte Märchenbuchatmosphäre. Und das, obwohl das Unternehmen auf einem winzigen Teil des Reitbahn-Geländes gegenüber der berühmten Gaststätte „Schweizerhaus“ äußerst beengt aufgebaut ist.

So gibt es keine Perspektive, aus der man ein wirklich schmuckes Außenfoto machen könnte. Aber wichtig ist ja, was sich im Inneren des Chapiteaus abspielt. Durch einen kleinen Eingangspavillon gelangen wir gleich ins Spielzelt, das an einem Stand nach dem Einlass auch die Gastronomie beherbergt. Logen und Bankreihentribüne, ein roter Vorhang und klassische Sturmstangen sorgen für traditionelles Circusambiente. Keine moderne Lightshow begleitet das Programm. Vielmehr wird es in warmes Theaterlicht getaucht.


Ambiance beim Circus im Prater 

Es ist das erste Mal, dass die Toths an dieser Stelle Circus machen – die bisherigen Wintercircus-Produktionen fanden am anderen Ende des Praters statt, in der Nähe des bekannten Riesenrades. Dorthin wird man im kommenden Winter auch wieder zurückkehren. Mit seinen Aktivitäten im Prater hat sich Alfred Toth ein weiteres Standbein geschaffen, neben seiner langjährigen Tätigkeit als Tourneeleiter beim Circus Louis Knie. Gerta Toth kennen wir als das freundliche Gesicht am Kassenschalter bei Louis Knie; nun verkauft sie im Prater Tickets sowie Snacks und Getränke an der Restauration.


Stanislav Meciar, Michaela „Michou“ Salek-Droterova, Andrea Veizerova 

Aus einer tschechischen Schauspielerfamilie stammt Michaela „Michou“ Salek-Droterova. Die ausgebildete Schauspielerin ist in ihrer Heimat aus Filmen, Fernsehen und Theater bekannt und begleitet uns als komische Figur durch das Programm. Zunächst setzt sie die aus dem Off eingespielten, ausführlichen Sicherheitshinweise pantomimisch um. Wie von anno dazumal, im positiven Sinne freilich, erscheint uns das anschließende Opening, bei dem ein Teil des Ensembles in mehreren Aufzügen sein Können präsentiert. Hula Hoop-, Einrad- und Trapez-Akrobatik, Tanz mit Gymnastikband, ein „verzaubertes“ weißes Kaninchen, ein „klassischer“ Circusdirektor im schwarzen Frack, ein Kraftmensch im rot-weißen Ringel-Dress und ein Tierlehrer mit Federpuschel-geschmücktem Pony gehören dazu. Stanislav Meciar tauscht sogleich das Einrad gegen fünf Jonglierkeulen, die er in variantenreichen Mustern fliegen lässt und wieder fängt. Ein schwarz-weiß gestreiftes Shirt, schwarze Hose und schwarzer Hut, sowie Gürtel, Hosenträger und Fliege in Rot bilden sein markantes Outfit. Michael-Jackson-Hits begleiten seine Arbeit. Für Heiterkeit sorgt Michou, wenn sie zwei Gäste aus dem Publikum zum Limbotanz bittet. Es bleibt amüsant, wenn Löwengebrüll den Auftritt wilder Tiere ankündigt. Tatsächlich ist es dann der kleine Lucian Spindler, der eine Schar Gänse dirigiert und über Hürden laufen lässt. Michou wiederum hat nun ihr Harlekin-Kostüm gegen das von Schneeman Olaf eingewechselt und kündigt somit die Eisprinzessin Elsa an. Sie wird verkörpert von Andrea Veizerova, die charmant und freundlich ihre Akrobatik an den Tüchern vorstellt. Hierzu sind Kraft und Beweglichkeit notwendig.


Christian Spindler, Oliver Ciontea und Andrea Seizerova, Yvonne Spindler

Sowohl die Titelmelodie von „Heidi“ als auch der „Anton aus Tirol“ erklingen, wenn Christian Spindler in Lederhosen seine Ziegen unter anderem zum Balkenlauf anleitet. Magier Oliver Ciontea überredet seine Partnerin Andrea Veizerova, sich ein „letztes Mal“ in einer Kiste scheinbar zerteilen zu lassen. Dem Anschein nach gehen Ober- und Unterkörper getrennte Wege. Von Marschmusik wippen die Ponys von Yvonne Spindler gemeinsam und springen über Hürden.


Stanislav Meciar, Andrea Seizerova und Michaela Salek-Droterova, Denis Snirer

Dass Michaela Salek-Droterova nicht nur schauspielerisch-komödiantisches Talent hat, sondern auch eine gute Akrobatin ist, beweist sie bei ihrer gemeinsamen Arbeit am Luftring mit Andrea Veizerova. In hübsch gestreiften Kostümen zelebrieren sie mit bezauberndem Lächeln zahlreiche Figuren. Dann bringt eine Figur im Bärenkostüm Popcorn und macht so auf das gastronomische Angebot in der Pause aufmerksam. Hälfte zwei beginnt mit Stanislav Meciar (mit Säbeln jonglierend) und Denis Snirer in Matrosenoutfits sowie Michaela Salek-Droterova und Andrea Seizerova als Can-Can-Tänzerinnen. Daraus entspinnt sich eine weitere Großillusion, wenn Snirer und Seizerova nicht nur auf magische Weise ihre Plätze innerhalb und außerhalb einer verschlossenen Kiste tauschen, sondern die Dame hierbei auch noch das Kostüm wechselt – auch sie erscheint nun im maritimen Look. Stanislav Meciar wiederum überzeugt nun mit seinen Drehungen und Wendungen im Cyrrad. Für eine zusätzliche Herausforderung sorgt der Untergrund, denn statt des üblichen Holzbodens steht nur der Manegenteppich über dem Sägemehl zur Verfügung. Noch einmal kommt der Luftring zum Einsatz. Denis Snirer demonstriert, dass dieses Requisit auch für eine betont maskuline Arbeit taugt, beispielsweise bei Kreiseldrehungen, Klimmzügen und dem Fußhang an nur einem Bein.


Marley und Yvonne Spindler, Andrea Seizerova und Denis Snirer

Vergängliche Kunstwerke schafft Yvonne Spindler mit ihren zauberhaften Seifenblasen. Eine Vielzahl von ihnen, in unterschiedlichsten Größen, schweben schließlich durch die Manege. Das bekannte Kunstschützen-Entree, aber mit vertauschten Geschlechterrollen spielt Michou mit einem Herrn aus dem Publikum. Auch in dieser Variante ist das Spiel um die platzenden Luftballons amüsant. Zu Melodien aus Disneys „Beauty and the Beast“ zeigen Yvonne Spindler und ihre kleine Tochter Marley eine klassische Taubenrevue. Wir bleiben im Musical-Genre, denn der „Greatest Showman“ liefert das Motiv für die Schlussnummer. Andrea Seizerova und Denis Snirer gehen dabei von der Hand-auf-Hand-Akrobatik am Boden fließend über zu einer gemeinsamen, starken Arbeit an roten Tüchern, die mit viel Jubel bedacht wird.

Im Publikum befinden sich an diesem Nachmittag zahlreiche Teilnehmer der Jahrestagung der Gesellschaft der Circusfreunde, die kurz davor mit einem Mittagessen im Prater zu Ende gegangen ist. Die Begeisterung der Zuschauerinnen und Zuschauer über die positive Circus-Überraschung im kleinen Zelt entlädt sich schließlich in begeisterten Standing Ovations. Und beweist, dass ein Circus sehr wohl seinen Platz im vielfältigen Unterhaltungsangebot des Wiener Prater hat.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll