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Cirque du Fleur - München 2026
https://cirque-du-fleur.de ; 187 Showfotos

München, 23. Mai 2026: Einen Lebenstraum erfüllt hat sich die erfahrene Circusfrau Sylvia Schneider-Brumbach mit ihrer Produktion „Cirque du Fleur“, die jetzt für einen Monat in München spielt. Seit sie in ihrer Jugend das Hippie-Musical „Hair“ gesehen hat, habe sie den Gedanken gehegt, das Flair der 1960er und 70er Jahre mit „Love, Peace and Happiness“ eines Tages in die Manege zu bringen. Nun ist ihr das, gemeinsam mit ihrem Ehemann Jürgen und Tochter Chantal, tatsächlich gelungen. Besonderen Anteil daran hat auch Totti Alexis, der als Clown und Entertainer im Mittelpunkt des Programms steht.

Bei einem Treffen der Familien Schneider-Brumbach und Alexis beim Circusfestival von Monte Carlo Anfang dieses Jahres ließ sich der Spaßmacher erst von der Begeisterung der Produzentin anstecken und dann für das Projekt in München engagieren. Sylvia Schneider-Brumbach war unter anderem als Mitglied der Messerwerfer-Darbietung „Los Alamos“ und mit ihren Säbelbalancen international erfolgreich.


Cirque du Fleur unter dem Riesenrad im Münchner Werksviertel-Mitte

Der Cirque du Fleur, der „Circus der Blumen“, macht im Werksviertel-Mitte Station, einem ehemaligen Industriegebiet beim Ostbahnhof, das heute unter anderem Loft-Büros, Event-Locations und viele Restaurants und Kneipen beherbergt. Zahllose Vergnügungswillige sind hier Abend für Abend unterwegs. Auf der Freifläche unter dem dauerhaft stationierten Riesenrad „Umadum“ hat zwei Mal der Circus Roncalli erfolgreich gastiert. Nun wurde dort ein Zwei-Masten-Chapiteau für den Cirque du Fleur mit passendem Vorzelt aufgeschlagen. Einladend wirkt das Eingangsportal in Form eines bunten Regenbogens mit Peace-Symbol darauf. Liebevoll gestaltet sind der Kassenwagen, die farbigen Tafeln im Front-Zaun und selbst das große Banner vor der Sanitäranlage, auch wenn leider nur Baustellentoiletten zur Verfügung stehen. Die Verkaufsstationen im Vorzelt und im Freien – ebenfalls im Flower-Power-Stil gestaltet – bieten ein umfangreiches Angebot an Speisen, Getränken und Souvenirs. Bezahlt wird „card only“. Im Chapiteau umgibt eine Tribüne mit Schalensitzen vorne und Bänken hinten die rechteckige Spielfläche. Blumen und Blüten schmücken deren Umrandung, die Rundleinwand und das Zeltdach. Der Artisteneingang aus einer hufeisenförmigen Metalltraversen-Konstruktion trägt auch einen großen Teil der umfangreichen, gut eingesetzten Lichtanlage.


Artem Lyubanevych, Totti Alexis, Mykola Borbelyuk

Mit einer Ansage aus dem Off wird zum Beginn der Show an das legendäre Woodstock-Festival 1969 im US-Bundesstaat New York erinnert, bei dem eine halbe Million Menschen auf verschlammtem Gelände friedlich mit damaligen Musikstars wie Jimi Hendrix, Santana und Joe Cocker feierten. Auf der Bühne wird dies durch die Party versinnbildlicht, die das zwölfköpfige Ensemble rund um ein symbolisches Lagerfeuer feiert. Jeweils mit anderer, zum Motto passender Musik versehen wurden die artistischen Darbietungen. Den Beginn macht Artem Lyubanevych, den wir vor allem als Teil des kraftstrotzenden Strapaten-Duos „Just Two Men“ kennen. Erlebten wir ihn dabei eher streng, zuletzt im Winter im Europa-Park, strahlt er beim Solo im Cirque du Fleur über das ganze Gesicht. An den Strapaten wirbelt er im Kreis, wickelt sich auf und ab, schwebt in kraftraubenden Posen. Dass das Musizieren auch im friedlichen Blumen-Circus verboten ist, muss Totti Alexis in seinem ersten Auftritt erfahren. Singen, Tanzen und einen kecken Striptease lässt Juniorchefin Chantal Schneider ihm zunächst ebenfalls nicht durchgehen – bis er dann doch den „Old Time Rock’n’Roll“ interpretieren darf, weil er die Herzen des Publikums erobert hat. Dem Cyrrad hat sich Mykola Borbelyuk verschrieben. In einem diskussionswürdigen Kostüm, einem Mittelding zwischen Rock und Hose ganz in weiß, dreht er seine Runden, beeindruckt beispielsweise bei den Passagen, bei denen das Requisit fast schon horizontal über dem Boden rotiert.


JES Dancers, Dylan Pardo, Chantal Schneider

Vier bildhübsche Damen der Formation JES Dancers, die beispielsweise auch für das Apollo-Varieté oder den Paderborner Weihnachtscircus tätig ist, bilden das sehr gute Ballett. In ihrem ersten größeren Auftritt liefern „Aquarius“ aus dem Musical Hair und „California Dreaming“ die musikalische Begleitung zu den wunderbaren Choreographien, die Julia Eseeva geschaffen hat. Blumenmotive prägen die Kostüme. Zwei der Tänzerinnen werden zum Ziel von Tottis Flirt-Bemühungen, der kurz darauf auch im Publikum nach der Liebe sucht. Zum Amüsement der Besucher ist es letztlich nicht eine Zuschauerin in der ersten Reihe, sondern deren Mann, der einen Kuss auf die Stirn bekommt. Zu groovigen Klängen beweist Dylan Pardo sein Können als Bouncing-Jongleur. Erst drei, dann vier und schließlich fünf Bälle lässt er in den unterschiedlichsten Mustern gegen sein Podium fliegen und fängt sie wieder, auch in Kombination mit Pirouetten und dem Wechsel in kniende Position. Ein junger Mann assistiert ihm auf Rollschuhen. Mit neuen Outfits und neuen, raumgreifenden Bewegungen kehren die JES Dancers . Durch einen Kopfhörer, der verschiedenste Hits abspielt, lassen sie sich dazu inspirieren. In seinem kunterbunten Hemd möchte Totti eigentlich auf wassergefüllten Bechern musizieren, doch sie stürzen alle um. Trost spendet Chantal Schneider. Man müsse nur an seine Träume glauben, damit sie wahr werden, erklärt sie dem traurigen Clown. Die äußerst sympathische junge Frau gefällt nicht nur mit ihrer charmanten Sprechrolle, sondern auch mit ihren kunstvollen Seifenblasen. Diese seien wie Träume. Sie formt Bubbles aus bloßen Händen, schafft einzelne Gebilde in Riesengröße und unzählige kleine. Mit einem Blasrohr wird eine mit Rauch gefüllt, die sich in einer größeren befindet – und aus dieser herausgegriffen. Vollkommen erstaunlich dann der Trick, bei dem Totti zwei Seifenblasen, die Chantal in Händen hält, entzündet und in Flammen aufgehen lässt. Mit Tottis „Glockenspiel“ auf rauchgefüllten Laugen-Gebilden geht es in die Pause.


Artem Lyubanevych, Totti, Alba Pardo

„Wir haben die Schlaghosen gebügelt und sind offiziell in den 70ern gelandet“, hören wir zum Beginn des zweiten Programmteils, zu dem uns das Ballett mit einer weiteren Tanznummer empfängt. „Gimme Gimme“ und „Waterloo“ von Abba sind die musikalischen Belege; im Anschluss singt Totti. Eine Überraschung für uns ist, dass Artem Lyubanevych sich nun auch an das Genre Stuhlbalancen wagt. Nach dem Seitspagat zwischen zwei Sitzmöbeln beginnt er den Aufbau der Pyramide; charmant reichen ihm die Tänzerinnen die Requisiten an. Schwarze Hose, Hosenträger und Hut sind sein Kostüm, ansonsten dürfen wir – wie schon an den Strapaten – den enorm muskelbepackten Oberkörper bewundern. Zum Staunen ist auch der Schlusstrick, ein Handstand auf vier teils über Kopf, teils aufrecht, jeweils schräg stehenden Stühlen. Wenn Totti „Hello Dolly“ interpretiert, kämpft er mit dem sich selbständig machenden Mikrofon. Die Episode bringt ihm zum Erklimmen einer Leiter, mit der er schließlich umstürzt. Zunächst will er sich mit dem als Verantwortlichen ausgemachten Requisiteur ein Duell liefern – doch sind wir im Circus von Liebe und Frieden, so dass das versöhnliche Ende folgt. Zu einem rasanten Rocksong arbeitet Alba Pardo. Sie beginnt mit dem Spiel mit einem Hula-Hoop-Reifen und erhöht deren Zahl, bis schließlich sechs davon um Arme, Beine und Körper kreisen. Sie setzt schließlich ein ganzes Bündel in Bewegung und fängt zum Abschluss zahlreiche Reifen, die ihr von dem jungen Assistenten auf Rollschuhen zugeworfen werden.


Artem Lyubanevych, Dylan und Adara Pardo, JES Dancers

Dass er einfach ein toller Entertainer ist, der jedes Publikum für sich einnehmen kann, beweist Totti, wenn er die Gäste beim „Tanz des glücklichen Tigers“ einbindet. Die Mitmach-Aktionen lassen sich vom Platz aus bewältigen. Eine Handlung im engeren Sinne hat die Show des Cirque du Fleur nicht, aber doch ein Leitmotiv. „Stell dir vor, wenn die ganze Welt 24/7 so gut miteinander auskommen würde wie wir“, heißt es im Dialog von Totti und Chantal. Und so ist „Imagine“ von John Lennon die Untermalung zum Auftritt von Artem Lyubanevych am Flying Pole. Mit drei kraftraubenden Nummern in der Show und zwei Vorstellungen am Tag ist er besonders gefordert. Bäuchlings Kreisen auf der Stange, gewagte Posen, bei denen er sich nur mit einem Arm oder den Beinen hält, Absteher oder der Sprung vom Boden ans Requisit: Es ist ein starkes Repertoire, das hier geboten wird. Ein Aufzug des gesamten Ensembles mit Herzballons zum Song „All you need is love“ greift nochmal das Motiv der Show auf und leitet über zur Schlussnummer – dem sinnlichen Zusammenspiel von Mann und Frau bei den Rollschuh-Rotationen von Dylan und Adara Pardo. Erstmals sehen wir diesen Act und erleben eine überaus positive Überraschung: Kerzengerade kopfüber, in einer kontorsionistischen Pose, sich mit nur einem Bein am Partner haltend oder abschließend im Genickhangwirbel – in vielfältiger, hervorragender Weise lässt sich die Dame im Kreise drehen. „Here comes the sun“ ist das musikalische Thema des Finales, in dem das Ensemble eine ausgelassene Party feiert und die Damen des Balletts nochmal in wunderbaren Kostümen erscheinen, zu dem ein Gestell mit langstieligen, gelb leuchtenden Sonnenblumen am Rücken gehört.

Dank origineller, liebevoll umgesetzter Ideen und eines geschickt zusammengestellten Casts im kleinen Rahmen macht dieser Circusabend ganz viel Spaß – uns selbst, aber sicht- und hörbar auch den anderen Gästen im Chapiteau. Ohnehin erfreulich ist der Ansatz, mal wieder außerhalb der Weihnachtszeit den Versuch einer neuen, hochwertigen Circusproduktion zu wagen. Man kann der Familie Schneider-Brumbach nur den beabsichtigten Erfolg wünschen. Dieser wäre die beste Gewähr für weitere Gaststpiele in München und an anderen ausgewählten Standorten. In diesem Sinne: toi, toi, toi!

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll