|
Das erfrischende Plakatmotiv wurde speziell für die aktuelle Tournee
kreiert. Auffälligste Neuanschaffung beim Material ist das
komfortable Gradin, welches zum Saisonstart erstmalig aufgebaut
wurde. Es bietet Platz für rund 1.250 Zuschauer. Sie sitzen auf
gepolsterten Klappstühlen der neuesten Generation. Alle Reihen sind
ansteigend und die einzelnen Sitze durchdacht angeordnet, um
bestmögliche Sicht zu garantieren. Der Weg ins Innere führt jetzt
barrierefrei über Rampen, zu den oberen Rängen gelangt man weiterhin
mittels Treppen.
  
Katie Capri, Veronika, Zdenek
Polach
Nach der Begrüßung aus dem Off erleben wir auf dem ansonsten nach
wie vor verwaisten Orchesterpodium Katie Capri. Bereits beim letzten
Heilbronner Weihnachtscircus begeisterte die Sängerin mit grandioser
Stimme und einer umwerfenden Präsenz. Auch für den Tourneecircus ist
sie ein echter Gewinn. Auf der Rundbühne steht wiederum die
Waterbowl, die Nixe Veronika als „Planschbecken“ für ihre
Luftakrobatik dient. Diese zelebriert sie nun nicht mehr am
Luftring, sondern an einem Netz. Nach ihren ansprechenden Tricks
über dem Boden taucht sie immer wieder ins Wasser, schwimmt eine
Runde und lässt danach die Tropfen effektvoll in der Luft perlen.
Das Ballett ist in maritimen fluoreszierenden Kostümen mit von der
Partie. Gebildet wird es wiederum von der Formation ArgenDance, die
mit neuen Gesichtern zurückgekehrt ist. Währenddessen spritzen die
ersten kleinen Fontänen. Seepferdchen auf Rollern sowie Quallen
leiten im Zuschauerraum zum folgenden Act über. Dieser gehört Zdenek
Polach. Der insbesondere von Flic Flac bekannte Jongleur
konzentriert sich auf weiße Bälle als Requisiten. Diese schickt er
auf faszinierende Touren und steigert kontinuierlich ihre Anzahl.
Bis er am Ende sieben Bälle gleichzeitig in der Luft hält. Geht es
beim Finale darum, die Bälle sicher zu jonglieren, zeigt der Artist
mit einer kleineren Anzahl von ihnen um so ausgeklügeltere Abläufe.
  
Duo Shock, Michael Cadima,
Laura Urunova
Im
Silber glitzernden Kleid performt Katie Capri einen Song inmitten
des Publikums. Währenddessen wird das Todesrad aufgebaut. Darauf
riskiert das Duo Shock atemberaubende Runden. Sonny Gärtner und
Partner spielen wirklich mit den Nerven des Publikums. Etwa beim
Seilspringen, dem Lauf mit verbundenen Augen oder dem Salto auf der
Außenseite des rotierenden Rades. Ganz nebenbei findet Sonny Gärtner
noch die Zeit zum Dialog mit den Zuschauern. Eine wirklich starke
Darbietung, die eine adäquate Pausennummer abgeben würde, aber wohl
aufgrund der Wassershow inmitten des ersten Teils platziert wurde.
Michael Cadima ist jetzt in der dritten Saison beim Zirkus Charles
Knie. Der portugiesische Clown führt in seinem ersten Auftritt einen
Hund Gassi und legt dann ein Solo auf einem imaginären Schlagzeug
hin. Den Rhythmus Südamerikas bringen Katie Capri und ArgenDance
sodann ins Chapiteau. Mit einer mitreißenden Show bilden sie das Entree
zur Papageiendressur von Laura Urunova. Die Tiertrainerin
präsentiert sich in einem prächtigen neuen Kostüm, das so farbenfroh
ist wie ihre gefiederten Manegenpartner. Die Vögel zeigen eine
Vielzahl von Tricks, die ganz offensichtlich ihrem Naturell
entsprechen und ihnen viel Spaß bereiten. Ein Herr aus dem Publikum
bekommt von einem Ara eine Blume per Luftpost zugestellt, kurz
danach landen Sonnensittiche auf seinen Armen. Immer wieder
wunderschön anzusehen ist es, wenn die Aras in verschiedenen Farben
ihre weiten Runden unter dem Zeltdach drehen.
  
Lorenzo Bernardi, Devin und
Davide, Angela Martini
Jetzt ohne Intro durch das Ballett, dafür aber weiterhin von
Wasserspielen begleitet, beeindruckt Lorenzo Bernardi mit der
unglaublichen Biegsamkeit seines Körpers. Gleich zu Beginn seines
Auftritts faltet der junge Italiener diesen komplett in einen
durchsichtigen Würfel. Dieser steht auf einem neuen Podest, auf dem
auch die gesamte Darbietung stattfindet. Dann kombiniert er seine
Kontorsion mit Elementen der Handstandakrobatik. Am Ende hält er
seinen Körper in extremer Position nur mit den Zähnen im
Gleichgewicht. So zeigt er zudem den mit den Füßen ausgelösten
Bogenschuss auf einen Luftballon. Die Kostüme für das
Seeräuber-Ballett sind ganz sicher die fantasie- und prachtvollsten
der Show. ArgenDance und Katie Capri legen darin eine furiose
Choreographie hin, die auch akustisch beeindruckt. Zwei Piraten
kommen verspätet hinzu und entern sogleich den Luftraum. An den
Strapaten gehen Devin und Davide auf traumhafte Höhenflüge. Mal sind
sie auf Augenhöhe unterwegs, mal hält der eine den anderen fest. Es
ist eine harmonische, durchgehende Trickfolge mit durchaus riskanten
Elementen. Dazu tanzen unter ihnen die Fontänen. Unter einem Spalier
von gebogenen Wasserstrahlen begeben sie sich vom vorderen
Bühnenrand zum Artisteneingang. Dann darf Ruslan Urunov zeigen, was
in der von ihm entwickelten und gesteuerten Wasserbühne steckt. Mit
tanzenden Fontänen geht es in die Pause. Immer wieder entstehen neue
temporäre Kunstwerke aus Wasser in großen Dimensionen. Licht und
Musik machen daraus ein ganzheitliches Erlebnis. Der zweite Teil
beginnt mit Angela Martini, die auf einer stilisierten Welle
hereingefahren kommt. Sie kombiniert Deckenlauf und Akrobatik am
Trapez. Zunächst hangelt sie sich mit den Händen an den in luftiger
Höhe aufgehängten Schlaufen entlang. Danach nimmt sie diesen Weg mit
den Füßen. Mit dem Spann geht es von einer Schlaufe zur nächsten.
Danach folgt die Arbeit am Trapez, das an der gleichen Stange
befestigt ist. Im Schwung lässt sie sich nach vorne fallen und hält
sich nur mit den Füßen an ihrem Requisit fest. Mitfiebern dürfen wir
zudem beim Zehen- und Fersenhang. Dankenswerterweise sichert Angela
Martini ihre Kür mit Longen ab. Nur beim abschließenden Wirbel an
den Zähnen verzichtet sie darauf.
  
ArgenDance, Devin de Bianchi,
Laura Urunova
Nach dem nächsten Solo von Katie Capri erleben wir ArgenDance in
ihrem eigentlichen Act. Jeweils vier rassige Damen und Herren
entfachen das Feuer ihrer argentinischen Heimat. Mit Bolaspielen und
dem Schlagen von Trommeln legen sie eine eindrucksvolle Performance
hin. Das Spiel ist ungeheuer präzise, ungeheuer intensiv. Immer
wieder gestalten sie neue Choreographien. Die Körpersprache und die
Mimik des Oktetts sind faszinierend. Damit erreichen die Künstler
jeden Gast im Chapiteau unmittelbar. Ein Zuschauer darf Michael
Cadima bei seinen Basketball-Künsten begleiten. Zunächst ist
Aufwärmen angesagt, dann wird ein imaginärer Ball in den Korb
geworfen. Das gelingt natürlich virtuos, die Geräusche dazu macht
der Comedian mit dem Mund. Einmal mehr gibt Devin de Bianchi eine
lebendige römische Statue. Im passenden Kostüm und mit trainiertem
Körper zeigt er auf einer antiken Säule seine Handstandakrobatik.
Auf einem Arm und auf zwei Armen hält er sich in den verschiedensten
Positionen souverän im Gleichgewicht. Am Ende geht es auf einer Hand
ganz hoch hinaus. Währenddessen tanzen um ihn herum die Fontänen,
womit ein wunderschönes Gesamtbild entsteht. Einen trockenen Boden
benötigt direkt danach Laura Urunova, damit ihre Hunde sicher
springen und auf den Hinterbeinen balancieren können. Das tun sie
wie immer mit voller Begeisterung, können es gar nicht erwarten,
ihre Kunststücke zeigen zu dürfen. Sie verabschieden sich mit einer
Polonaise, alle Hunde wie die Orgelpfeifen aufgereiht.
  
Skating Ernestos, Michael Cadima, Kolfe Troupe
Die bislang im ersten Teil platzierte Modenschau de luxe kündigt nun
die Rollschuhartistik an. Ausgefallene Modekreationen werden
ausdrucksstark vorgestellt. Katie Capri liefert den passenden Song
dazu. Die Skating Ernestos haben die Farbe der Kostüme von Weiß auf
Schwarz gewechselt. Und sie präsentieren sich erstmals als Trio,
denn nun ist Sohn Daniel mit von der Partie. Am ersten Trick auf dem
runden Podest ist er beteiligt, dann assistiert er seinen Eltern
Veronika und Paolo. Diese haben die Feuereffekte in ihrer Darbietung
ausgebaut. Es gibt nicht nur Runden mit sprühenden Funken an den
Rollschuhen, sondern es werde zudem Luftballons zum Platzen
gebracht, die in Flammen aufgehen. „I'm Still Standing“ - im
Original von Elton John – bringt Michael Cadima im eleganten
Showoutfit zur Aufführung. Doch während er das Lied interpretiert,
reiht sich Panne an Panne. Das ist natürlich so gewollt und
strapaziert die Lachmuskeln der Zuschauer. Mit seinem witzigsten
Auftritt sorgt der Portugiese für beste Unterhaltung. Gold in Paris,
Silber in Monte Carlo, das ist die beeindruckende Bilanz der noch
recht jungen Karriere der Kolfe Troupe. Eine Artistin und acht
Artisten aus Äthiopien kombinieren Akrobatik am Schleuderbrett mit
Ikarischen Spielen. Ihr Requisit besteht aus einer Wippe mit einer
Trinka über der Mittelachse. Daran erzeugen sie einen wahren Wirbel.
Ein Trick jagt den nächsten, einer spektakulärer als der andere. Mit
dem Schleuderbrett werden einzelne Artisten auf die Füße des
Untermanns auf der Trinka katapultiert. Dort geht es dann mit
virtuosen Sprungkombinationen weiter. Dazu transportieren die
Afrikaner eine ansteckende Lebensfreude ins Auditorium. Eine
fantastische Nummer, die den Rahmen der bis dahin gezeigten Show
sprengt.

Finale
In
funkelnden Kostümen eröffnen Katie Capri und ArgenDance das Finale.
Der Song „I'm Coming Out“ erlebt eine elektrisierende Performance.
Dazu tanzen Fontänen. Alle Mitwirkenden kommen hinzu, es entsteht
ein großes, farbenprächtiges Bild. Dieses imposante Ensemble hat uns
in den vergangenen rund zweieinhalb Stunden (ohne Pause) aufs Beste
unterhalten. Ein großes Lob auch an Ton- und Lichtregie. Die
Inszenierung hat federführend wiederum Marek Jama übernommen.
Während des Premierengastspiels wurden noch Umstellungen
vorgenommen. Womöglich folgten
weitere, so dass die Vorstellung inzwischen ein wenig anders
abläuft. |