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Zirkus Charles Knie - Tour 2065
www.zirkus-charles-knie.de ; 190 Showfotos

Northeim, 15. März 2026: Mit einem „kleinen Programmwechsel“ ist der Zirkus Charles Knie in die Saison 2026 gestartet. So wie jedes zweite Jahr in Northeim, nahe dem Winterquartier in Einbeck. Geblieben ist die Wassershow, die nun unter dem Titel „Splash!“ läuft. Auch einige der aus den Vorjahren bekannten Darbietungen sind nach wie vor dabei. Dies teilweise in neuer Aufmachung. Ebenfalls kommen wir noch einmal in den Genuss der Auftritte des Balletts, wenngleich in veränderter Abfolge. Dazu gibt es neue Darbietungen und eine „echte“ Sängerin.

Das erfrischende Plakatmotiv wurde speziell für die aktuelle Tournee kreiert. Auffälligste Neuanschaffung beim Material ist das komfortable Gradin, welches zum Saisonstart erstmalig aufgebaut wurde. Es bietet Platz für rund 1.250 Zuschauer. Sie sitzen auf gepolsterten Klappstühlen der neuesten Generation. Alle Reihen sind ansteigend und die einzelnen Sitze durchdacht angeordnet, um bestmögliche Sicht zu garantieren. Der Weg ins Innere führt jetzt barrierefrei über Rampen, zu den oberen Rängen gelangt man weiterhin mittels Treppen.


Katie Capri, Veronika, Zdenek Polach

Nach der Begrüßung aus dem Off erleben wir auf dem ansonsten nach wie vor verwaisten Orchesterpodium Katie Capri. Bereits beim letzten Heilbronner Weihnachtscircus begeisterte die Sängerin mit grandioser Stimme und einer umwerfenden Präsenz. Auch für den Tourneecircus ist sie ein echter Gewinn. Auf der Rundbühne steht wiederum die Waterbowl, die Nixe Veronika als „Planschbecken“ für ihre Luftakrobatik dient. Diese zelebriert sie nun nicht mehr am Luftring, sondern an einem Netz. Nach ihren ansprechenden Tricks über dem Boden taucht sie immer wieder ins Wasser, schwimmt eine Runde und lässt danach die Tropfen effektvoll in der Luft perlen. Das Ballett ist in maritimen fluoreszierenden Kostümen mit von der Partie. Gebildet wird es wiederum von der Formation ArgenDance, die mit neuen Gesichtern zurückgekehrt ist. Währenddessen spritzen die ersten kleinen Fontänen. Seepferdchen auf Rollern sowie Quallen leiten im Zuschauerraum zum folgenden Act über. Dieser gehört Zdenek Polach. Der insbesondere von Flic Flac bekannte Jongleur konzentriert sich auf weiße Bälle als Requisiten. Diese schickt er auf faszinierende Touren und steigert kontinuierlich ihre Anzahl. Bis er am Ende sieben Bälle gleichzeitig in der Luft hält. Geht es beim Finale darum, die Bälle sicher zu jonglieren, zeigt der Artist mit einer kleineren Anzahl von ihnen um so ausgeklügeltere Abläufe.


Duo Shock, Michael Cadima, Laura Urunova

Im Silber glitzernden Kleid performt Katie Capri einen Song inmitten des Publikums. Währenddessen wird das Todesrad aufgebaut. Darauf riskiert das Duo Shock atemberaubende Runden. Sonny Gärtner und Partner spielen wirklich mit den Nerven des Publikums. Etwa beim Seilspringen, dem Lauf mit verbundenen Augen oder dem Salto auf der Außenseite des rotierenden Rades. Ganz nebenbei findet Sonny Gärtner noch die Zeit zum Dialog mit den Zuschauern. Eine wirklich starke Darbietung, die eine adäquate Pausennummer abgeben würde, aber wohl aufgrund der Wassershow inmitten des ersten Teils platziert wurde. Michael Cadima ist jetzt in der dritten Saison beim Zirkus Charles Knie. Der portugiesische Clown führt in seinem ersten Auftritt einen Hund Gassi und legt dann ein Solo auf einem imaginären Schlagzeug hin. Den Rhythmus Südamerikas bringen Katie Capri und ArgenDance sodann ins Chapiteau. Mit einer mitreißenden Show bilden sie das Entree zur Papageiendressur von Laura Urunova. Die Tiertrainerin präsentiert sich in einem prächtigen neuen Kostüm, das so farbenfroh ist wie ihre gefiederten Manegenpartner. Die Vögel zeigen eine Vielzahl von Tricks, die ganz offensichtlich ihrem Naturell entsprechen und ihnen viel Spaß bereiten. Ein Herr aus dem Publikum bekommt von einem Ara eine Blume per Luftpost zugestellt, kurz danach landen Sonnensittiche auf seinen Armen. Immer wieder wunderschön anzusehen ist es, wenn die Aras in verschiedenen Farben ihre weiten Runden unter dem Zeltdach drehen.


Lorenzo Bernardi, Devin und Davide, Angela Martini

Jetzt ohne Intro durch das Ballett, dafür aber weiterhin von Wasserspielen begleitet, beeindruckt Lorenzo Bernardi mit der unglaublichen Biegsamkeit seines Körpers. Gleich zu Beginn seines Auftritts faltet der junge Italiener diesen komplett in einen durchsichtigen Würfel. Dieser steht auf einem neuen Podest, auf dem auch die gesamte Darbietung stattfindet. Dann kombiniert er seine Kontorsion mit Elementen der Handstandakrobatik. Am Ende hält er seinen Körper in extremer Position nur mit den Zähnen im Gleichgewicht. So zeigt er zudem den mit den Füßen ausgelösten Bogenschuss auf einen Luftballon. Die Kostüme für das Seeräuber-Ballett sind ganz sicher die fantasie- und prachtvollsten der Show. ArgenDance und Katie Capri legen darin eine furiose Choreographie hin, die auch akustisch beeindruckt. Zwei Piraten kommen verspätet hinzu und entern sogleich den Luftraum. An den Strapaten gehen Devin und Davide auf traumhafte Höhenflüge. Mal sind sie auf Augenhöhe unterwegs, mal hält der eine den anderen fest. Es ist eine harmonische, durchgehende Trickfolge mit durchaus riskanten Elementen. Dazu tanzen unter ihnen die Fontänen. Unter einem Spalier von gebogenen Wasserstrahlen begeben sie sich vom vorderen Bühnenrand zum Artisteneingang. Dann darf Ruslan Urunov zeigen, was in der von ihm entwickelten und gesteuerten Wasserbühne steckt. Mit tanzenden Fontänen geht es in die Pause. Immer wieder entstehen neue temporäre Kunstwerke aus Wasser in großen Dimensionen. Licht und Musik machen daraus ein ganzheitliches Erlebnis. Der zweite Teil beginnt mit Angela Martini, die auf einer stilisierten Welle hereingefahren kommt. Sie kombiniert Deckenlauf und Akrobatik am Trapez. Zunächst hangelt sie sich mit den Händen an den in luftiger Höhe aufgehängten Schlaufen entlang. Danach nimmt sie diesen Weg mit den Füßen. Mit dem Spann geht es von einer Schlaufe zur nächsten. Danach folgt die Arbeit am Trapez, das an der gleichen Stange befestigt ist. Im Schwung lässt sie sich nach vorne fallen und hält sich nur mit den Füßen an ihrem Requisit fest. Mitfiebern dürfen wir zudem beim Zehen- und Fersenhang. Dankenswerterweise sichert Angela Martini ihre Kür mit Longen ab. Nur beim abschließenden Wirbel an den Zähnen verzichtet sie darauf.


ArgenDance, Devin de Bianchi, Laura Urunova

Nach dem nächsten Solo von Katie Capri erleben wir ArgenDance in ihrem eigentlichen Act. Jeweils vier rassige Damen und Herren entfachen das Feuer ihrer argentinischen Heimat. Mit Bolaspielen und dem Schlagen von Trommeln legen sie eine eindrucksvolle Performance hin. Das Spiel ist ungeheuer präzise, ungeheuer intensiv. Immer wieder gestalten sie neue Choreographien. Die Körpersprache und die Mimik des Oktetts sind faszinierend. Damit erreichen die Künstler jeden Gast im Chapiteau unmittelbar. Ein Zuschauer darf Michael Cadima bei seinen Basketball-Künsten begleiten. Zunächst ist Aufwärmen angesagt, dann wird ein imaginärer Ball in den Korb geworfen. Das gelingt natürlich virtuos, die Geräusche dazu macht der Comedian mit dem Mund. Einmal mehr gibt Devin de Bianchi eine lebendige römische Statue. Im passenden Kostüm und mit trainiertem Körper zeigt er auf einer antiken Säule seine Handstandakrobatik. Auf einem Arm und auf zwei Armen hält er sich in den verschiedensten Positionen souverän im Gleichgewicht. Am Ende geht es auf einer Hand ganz hoch hinaus. Währenddessen tanzen um ihn herum die Fontänen, womit ein wunderschönes Gesamtbild entsteht. Einen trockenen Boden benötigt direkt danach Laura Urunova, damit ihre Hunde sicher springen und auf den Hinterbeinen balancieren können. Das tun sie wie immer mit voller Begeisterung, können es gar nicht erwarten, ihre Kunststücke zeigen zu dürfen. Sie verabschieden sich mit einer Polonaise, alle Hunde wie die Orgelpfeifen aufgereiht.


Skating Ernestos, Michael Cadima, Kolfe Troupe

Die bislang im ersten Teil platzierte Modenschau de luxe kündigt nun die Rollschuhartistik an. Ausgefallene Modekreationen werden ausdrucksstark vorgestellt. Katie Capri liefert den passenden Song dazu. Die Skating Ernestos haben die Farbe der Kostüme von Weiß auf Schwarz gewechselt. Und sie präsentieren sich erstmals als Trio, denn nun ist Sohn Daniel mit von der Partie. Am ersten Trick auf dem runden Podest ist er beteiligt, dann assistiert er seinen Eltern Veronika und Paolo. Diese haben die Feuereffekte in ihrer Darbietung ausgebaut. Es gibt nicht nur Runden mit sprühenden Funken an den Rollschuhen, sondern es werde zudem Luftballons zum Platzen gebracht, die in Flammen aufgehen. „I'm Still Standing“ - im Original von Elton John – bringt Michael Cadima im eleganten Showoutfit zur Aufführung. Doch während er das Lied interpretiert, reiht sich Panne an Panne. Das ist natürlich so gewollt und strapaziert die Lachmuskeln der Zuschauer. Mit seinem witzigsten Auftritt sorgt der Portugiese für beste Unterhaltung. Gold in Paris, Silber in Monte Carlo, das ist die beeindruckende Bilanz der noch recht jungen Karriere der Kolfe Troupe. Eine Artistin und acht Artisten aus Äthiopien kombinieren Akrobatik am Schleuderbrett mit Ikarischen Spielen. Ihr Requisit besteht aus einer Wippe mit einer Trinka über der Mittelachse. Daran erzeugen sie einen wahren Wirbel. Ein Trick jagt den nächsten, einer spektakulärer als der andere. Mit dem Schleuderbrett werden einzelne Artisten auf die Füße des Untermanns auf der Trinka katapultiert. Dort geht es dann mit virtuosen Sprungkombinationen weiter. Dazu transportieren die Afrikaner eine ansteckende Lebensfreude ins Auditorium. Eine fantastische Nummer, die den Rahmen der bis dahin gezeigten Show sprengt.


Finale

In funkelnden Kostümen eröffnen Katie Capri und ArgenDance das Finale. Der Song „I'm Coming Out“ erlebt eine elektrisierende Performance. Dazu tanzen Fontänen. Alle Mitwirkenden kommen hinzu, es entsteht ein großes, farbenprächtiges Bild. Dieses imposante Ensemble hat uns in den vergangenen rund zweieinhalb Stunden (ohne Pause) aufs Beste unterhalten. Ein großes Lob auch an Ton- und Lichtregie. Die Inszenierung hat federführend wiederum Marek Jama übernommen. Während des Premierengastspiels wurden noch Umstellungen vorgenommen. Womöglich folgten weitere, so dass die Vorstellung inzwischen ein wenig anders abläuft.

Wenngleich ich in diesem Jahr ein wenig die mitreißenden Auftritte von Sergio Paolo und Maverik Niemen vermisse, begeistert mich die aktuelle Produktion des Zirkus Charles Knie wieder auf ganzer Linie. Das Line up ist stark, die Mischung ausgewogen. Das wunderbare Lichtdesign, das Ballett und die Wassershow machen daraus eine traumhafte Show. Der Livegesang stellt eine echte Bereicherung dar. Zudem ist das Ambiente, nicht zuletzt dank des neuen Gradins, so, dass man sich rundum wohlfühlen kann. Circus auf der Höhe der Zeit. Auch 2026 wieder eines der ganz großen Highlights unter den Tourneecircussen in Europa.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch