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Neues Theater - Varieté-Frühling 2026
www.neues-theater.de - 135 Showfotos

Frankfurt-Höchst, 4. März 2026: Sieben artistische Darbietungen, ein witzig-musikalisches Duo für die Moderation und die Band Neelah. Die Mischung für den Varieté-Frühling im Neuen Theater Höchst passt wie immer. Auch sind natürlich alle Darbietungen noch nie oder zumindest schon sehr lange nicht mehr hier gewesen. Die mehrheitlich jungen Akteure sind mit vollem Herzen dabei. In der Pause sind wir mit der bisherigen Show rundum zufrieden, ja begeistert. Insbesondere Seifenblasen- und Jojokünstler sorgen für Gesprächsstoff.

Zum Finale gib es Standing Ovations vom Premierenpublikum. Doch der Enthusiasmus, den wir nach dem ersten Teil verspürt haben, mag sich am Ende nicht mehr einstellen. Die zweite Hälfte packt uns nicht mehr so, obwohl auch sie sehenswerte Darbietungen hat und mit einer schönen Inszenierung aufwartet. Aber beginnen wir vorne.


Joana Lokaichuk, Lukas Köster

Den artistischen Auftakt macht Joana Lokaichuk. Auf einem hohen, schön gestalteten Podest zeigt sie variantenreiche Handstände. Da sich die Plattform mit den Handstäben dreht, dürfen wir ihre Kunst von allen Seiten genießen. Die sympathische Künstlerin verwöhnt uns genauso mit bekannten wie innovativen Tricks. Die bekannten Pfade seines Genres verlässt Bouncing-Jongleur Lukas Köster. Er wirft die Bälle nicht nur gerade zum Boden, sondern schafft mithilfe von zwei Dreiecken neue Flächen, von denen seine orangenen Requisiten zurückspringen. Die Dreiecke werden immer wieder neu angeordnet, sodass sich stets andere Flugbahnen ergeben. Diese starke und kreative Darbietung präsentiert Lukas jugendlich-lässig.


Shu Takada, Darren Burrell

Gleiches lässt sich auch über Shu Takada sagen, wenngleich beide Artisten natürlich ihren ganz individuellen Stil haben. Der Japaner hat sich der Jonglage mit Jojos verschrieben und ist sechsfacher Weltmeister in dieser Disziplin. Wie ein Wirbelwind fegt er über die Bühne und lässt die Doppelkegel an Schüren auf abgefahrenen Touren über die Bühne fliegen. Zu Beginn „spielt“ er mit einem Jojo, später mit zwei. Es ist wirklich grandios, mit welcher Präzision er seine Kunst beherrscht und wie unbekümmert er dabei wirkt. Eine flotte Version von „Hit The Road Jack“ liefert den Soundtrack. Ruhiger aber nicht weniger faszinierend ist der Auftritt, mit dem Darren Burrell das Publikum fesselt. Vor etlichen Jahren war der Seifenblasen-Künstler bei Roncalli im Programm, seitdem hatte ich nicht mehr von ihm gehört. Nun steht er im feinen Zwirn auf der Bühne des Neuen Theaters. Das Gesicht ziert ein gepflegter Bart. Er wirkt ein wenig, als käme er aus der „guten alten Zeit“. Seine Tricks sind aber alles andere als von gestern. Die fragilen Kunstwerke aus Seifenlauge formt er zumeist mit den Händen. Nur für einige der Bubbles nimmt er eine Kette zu Hilfe. Spielend erzeugt er kleine und große Seifenblasen oder lässt viele kleine in einer großen entstehen. Sogar ein Clownfisch darf in einer der Blasen schwimmen. Zudem versetzt er seine Seifenblasen mit Rauch, was für zusätzliche Effekte sorgt und ihnen mehr Stabilität zu geben scheint. Sogar die Jonglage mit drei derartigen Bubbles ist möglich.


Leonardo Togni, Julia Grote, Duo Fabulous

Der zweite Teil beginnt mit einer großen, äußerst positiven Überraschung. Angekündigt wird Leonardo Togni im Programmheft mit „Trampolin“. Die Erwartungen schwanken zwischen einem kleinen runden Trampolin aus dem Sportfachhandel und einem in den Dimensionen von Don Martinez. Doch der 20-jährige Italiener macht sein ganz eigenes Ding und das macht er grandios. Als sich der Vorhang öffnet, blicken wir auf ein großes Bett. Sein Besitzer schläft noch, erkennt aber anhand der auf ihn gerichteten Blicke schnell, dass es Zeit ist, aufzustehen. Dann geht es richtig rund, Leonardo Togni begeistert mit herrlichem Spiel und tollen Sprüngen, in die er auch das Gestell am Kopfende als eine Art Barrenstange einbezieht. Sogar Kostümwechsel – Nachthemd aus und wieder an - vollführt er im Flug, um am Ende wieder müde unter seiner Bettdecke zu liegen. Naturgemäß ruhiger geht es bei der Darbietung am Luftring von Julia Grote zu. Mit ihrem beweglichen Körper lässt sie uns bei akrobatischen Posen träumen. Übungen, die schon am Boden ein großes Können erfordern, werden ein paar Meter über der Bühne ganz sicher nicht einfacher. Mit einem sympathischen Lächeln findet sie spielend den Kontakt zum Publikum. Rasant wird es wieder bei der Schlussnummer. Das Duo Fabulous präsentiert Ikarische Spiele, sprich Mikhail und Dimitro jonglieren sich gegenseitig mit den Füßen. Das tun sie trickreich und flott. Auch die Ansprache der Zuschauer vergessen sie nicht. Allerdings fehlt ihrer Nummer ein wenig der Spannungsbogen. Die anspruchsvollen Überschläge wirken so zu selbstverständlich. Gerade an dieser prominenten Stelle im Programm wäre ein Mehr an Verkauf wünschenswert. So fehlt eben dem zweiten Teil der Wow-Effekt, den es im ersten gab.


Die Lonely Husband

Die Varieté-Produktionen in Höchst sind natürlich alles andere als eine Abfolge von Nummern. Dafür sorgen einmal mehr Produzent Maik M. Paulsen und Karl-Heinz Helmschrot, die gemeinsam Regie geführt haben. Wunderbar eingesetzt ist wieder die Band Neelah, die längst keine Begleitung der Show ist, sondern ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil. Sängerin Nicole Siegel erleben wir dabei auch auf de Hauptbühne. Das Spiel des Quartetts wertet die Vorstellung ungemein auf. Ein großes Lob wie immer auch an die Ton- und Lichtregie. Und dann sind da noch zwei Herren im besten Alter, die uns den ganzen Abend über begleiten. „Die Lonely Husband“ nennt sich das Duo, das moderiert, musiziert und einen herrlichen Humor hat. Rick van Nöten ist der Mann von Welt in weißem Anzug und geblümtem Hemd, Ferdinand Fachblatt eher der Typ braver Buchhalter mit braunem Zweiteiler aus dem Kaufhaus „Sale“. Ihre Nummern sind nicht von der Stange, sondern höchst originell und eigenständig. So lernen wir dank einer Architekturführung von Rick endlich mal das Neue Theater so richtig kennen und erfahren, was sich dessen Designer Jacques Decor bei der Einrichtung alles gedacht hat. Höchst bekommt seine eigene Hymne auf die Melodie von „New York New York“ gesungen. Für die Interpretation von „In the Air Tonight“ spielt Rick zwei Blockflöten gleichzeitig mit der Nase, Ferdi nutzt einen Plastikbecher ohne Boden als Instrument. Auch ihre Schuhe verwenden sie zum Musik machen. Zumeist spielen sie aber auf ihren Gitarren. So auch bei der lange angekündigten Cowboynummer vor dem Finale. Dank umwerfenden Wortwitzes, bekannten Songs mit eigenen Texten sowie neuen Interpretationen und genialem Spiel können wir jeden ihrer Auftritte genießen. Für mich persönlich ist „Die Lonely Husband“ eine rundum erfreuliche Neuentdeckung. Die letzten Szenen des Abends gehören dem ganzen Ensemble, das sich in schönen Choreographien vom Publikum verabschiedet.

Keine Frage, auch dieser Varieté-Frühling hat alles, was das Publikum an diesen Shows im Neuen Theater völlig zu recht liebt. Ich selbst habe spannende, neue Darbietungen erlebt, die mich spontan begeistert haben. Es gibt etliche schöne Momente, nicht zuletzt dank des Zusammenspiels der Acts mit der Livemusik und des stimmungsvollen Lichtdesigns. Mit einem ausbalancierten Gleichgewicht der beiden Programmteilen oder gar einer Steigerung zum Ende hin wäre der Genuss perfekt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, auf Höchst-Niveau.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch