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Internationales OVAG-Varieté 2026
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Bad Nauheim, 31. Januar 2026: Ein letztes Mal ist die OVAG mit ihrem Internationalen Varieté im Dolce Theater nur „zu Gast“. Denn ab Oktober 2026 wird die Oberhessische Versorgungsbetriebe AG das Haus ganzjährig mieten. Ab der kommenden Saison spielt man dann sozusagen „zu Hause“. Und nicht nur das. Neben der großen Show nach dem Jahreswechsel wird es weitere Varieté-Produktionen geben. Bereits angekündigt werden eine „Weihnachts-Revue“ im Dezember 2026 und „Elvis Rocks Varieté“ im Mai 2027. Das „Internationale OVAG-Varieté“ wird aber ganz bestimmt weiterhin das Flaggschiff bleiben.

Es feiert in diesem Jahr bereits seine 22. Auflage und hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Lange im Voraus ausverkaufte Vorstellungen und frenetische Standing Ovations zum Finale zeugen davon. Auch 2026 dürfen wir uns wieder dreieinhalb Stunden lang von Top-Acts aus den verschiedenen Nationen aufs Beste unterhalten lassen. Laut Programmheft wird die aktuelle Show von 40 Artisten aus zwölf Ländern bestritten.


Duo Sonambul

Zwei davon begleiten uns durch den ganzen Abend. Das Duo Sonambul hat uns hier bereits 2018 mit seiner Mentalmagie begeistert. Das tun Vivian Sommer und Roman Maria von Thurau auch jetzt wieder. Zusätzlich stellen sie uns ihre Künstlerkolleginnen und -kollegen vor, bereiten ihnen sehr charmant die Bühne. In ihren eigenen Auftritten sorgen sie wiederum für ungläubiges Staunen. Vivian Sommer etwa erahnt Erlebnisse aus dem Leben einzelner Zuschauer, die diese auf kleine Kärtchen geschrieben haben. Die prominente Person, an die eine Zuschauerin denkt, erkennt se nicht nur, sondern mal deren Konterfei auch gleich auf einen große Bogen Papier. Verblüffend ebenso die magischen Fähigkeiten rund um ein Buch. Ein wahllos daraus ausgewähltes Wort schreibt sich Vivian Sommer auf den Unterarm, ohne es jemals gesehen oder gehört zu haben. Roman Maria von Thurau ist immer mit von der Partie und beweist zudem sein Geschick im Lösen des Zauberwürfels. Scheinbar blind bringt er das Drehpuzzle aus jedem beliebigen Zustand blitzschnell wieder in die Grundposition.


Face Team, Khan Kentii Dance Group, Valerie Inertie

Auch der artistische Auftakt gehört einer in Bad Nauheim bekannten Formation. Das Face Team kombiniert Sport und Show. Die acht Jungs aus Budapest sind wahre Meister des Basketballs. Genial werfen sie höchst akrobatisch die Bälle in zwei Körbe. Mithilfe von Trampolinen bekommen die Sprünge noch mehr Dynamik. Hinzu kommen originelle Einlagen und Jonglagen mit Basketbällen. Das Oktett ist einfach extrem gut drauf und sorgt von Anfang an für mitreißende Action. Dann folgt der erste von vier Auftritten der Khan Kentii Dance Group. Dahinter verbergen sich sechs Tänzerinnen aus der Mongolei. Ihre ersten beiden Choreographien sind im asiatischen Stil gehalten, dazu gibt es die passenden Kostüme. Somit ist Authentizität gegeben. Anders sieht es aus, wenn sie in Paradeuniform und als Showgirls tanzen. Hier wirken sie etwas zu zurückhaltend. Die große Bühne kommt Valerie Inertie und ihrer Kür am Roue Cyr natürlich entgegen. Wenngleich die Kanadierin auch schon im Tigerpalast aufgetreten ist, kann sie hier ihre Kunst voll entfalten. Es ist traumhaft, wenn sie im roten Kleid unermüdlich ihre weiten Runden dreht und dabei immer wieder neue Tricks zeigt. Diese Eleganz, diese Ausstrahlung, dieses Können – einfach einzigartig.


Alan Silva, Ramó y Alegria, Fabien Kachev

Alan Silva stammt aus Brasilien. Seine Familie hat sich schon seit Generationen der Artistik verschrieben. So ist es nicht verwunderlich, dass er verschiedene Disziplinen trainierte. Letztendlich hat er sich für Luftakrobatik an Tüchern entschieden. Damit wurde er bereits an verschiedenen Festivals prämiert und damit begeistert er auch die Zuschauer in Bad Nauheim. So etwa mit schönen Flugsequenzen und dem Spagat ohne Zuhilfenahme der Hände. Wohlbekannte Großillusionen verpacken Ramó y Alegria neu und präsentieren diese äußerst originell. Zunächst steht eine Art selbstgebaute Telefonzelle auf der Bühne. Mittels dicker Schläuche füllt Ramó diese mit Nebel. Darin erscheint quasi aus dem Nichts Partnerin Alegia. Und darin bleibt sie auch, denn beim Versuch, sie herauszulassen, bricht Ramó die Türklinke ab. Trotz dieser natürlich beabsichtigten Panne schafft sie es heraus. Das Durchbohren der Dame in einem Karton wird hier mittels Regenschirmen gemacht. Wenn der Magier sich auf dem Deckel des Würfels selbst aufspießt, befreit ihn Alegria mithilfe einer Säge. Den Platzwechsel mit einer Truhe – einer befindet sich darin, der andere steht darauf - schaffen die beiden auch locker ohne Truhe, nachdem sie diese zerstört haben. Geniale Ideen werden von den beiden Spaniern hinreißend kreativ und urkomisch umgesetzt. Um eine Spritztour mit einem Auto zu unternehmen, braucht Fabien Kachev nichts mehr als einen Stuhl. Dank Mimik, Gestik und mit dem Mund erzeugten Geräuschen macht der Franzose in Anzug und Krawatte die imaginäre Ausfahrt perfekt. Wir erleben einige witzige Situationen, die Fabien Kachev hinreißend spielt.


Shak, Victor Moiseev, Jean Garin

Für einen Verbiegungskünstler ungewöhnlich muskulös ist Shak. Der aus London stammende Tänzer, Artist und Calisthenics-Athlet mit dem tätowierten Oberkörper betritt die Bühne mit schwarz verhülltem Gesicht. Das Tuch vor Mund und Nase nimmt er bald ab und verblüfft uns dann mit seiner eindrucksvollen Beweglichkeit. Einen Fuß hinter den Kopf zu stecken oder die Arme auf ungewöhnliche Weise hinter der Schulter zu verschränken, für Shak kein Problem. Wie Planeten, die er auf ihre Umlaufbahn schießt, lässt Victor Moiseev seine fluoreszierenden Bälle durch die Dunkelheit fliegen. Der Sternenhintergrund, den ihm das Technikteam zaubert, macht diese Atmosphäre für seine Horizontaljonglagen perfekt. Statt seine Requisiten in die Höhe zu werfen, wirft er sie nach vorne und zur Seite. Nach ihren Flügen kehren sie stets zu Victor Moiseev zurück, um von ihm auf die nächste Runde geschickt zu werden. Auf einen kurzen Auftritt des Duo Sonambul folgt die Pause. Der zweite Teil wird vom Ballett eröffnet. Nach Zaubereien mit einem Zauberwürfel von Roman Maria von Thurau gehört das Scheinwerferlicht Jean Garin. Der Illusionskünstler interagiert mit sich selbst. Möglich wird das durch einen Videoscreen, auf dem eine zweite Ausgabe seiner selbst in Lebensgröße sowie gezeichnete Gegenstände zu sehen sind. Letztere wandern auch schon einmal vom virtuellen in den realen Raum. Das ganze ist durchaus originell, der ganz große Überraschungseffekt bleibt aber aus.


Kristina Bautina, Fly Diggerz, Charli-Rose Costello und Eva Halliwell

Mit einer wunderbaren klassischen Darbietung am Trapez verwöhnt uns Kristina Bautina. Während des größten Teils ihrer Kür befindet sich die Trapezstange in Ruhe. Gleich zu Beginn vollführt sie daran den Fersenhang. Später hält sie sich nur mit dem Spann eines Fußes an ihrem Requisit fest. Die Arme verschränkt sie dabei ganz locker vor der Brust. Ausdrucksstark fasziniert sie mit weiteren höchst sehenswerten Tricks bis hin zur Pirouette am statischen Trapez. So schön kann Varieté, so schön kann Circus sein. Kristina Bautina lässt uns wahrhaft träumen. Zurück ins hier und heute holen uns die Fly Diggerz. Double Dutch nennt sich die Variante des Seilspringens, mit dem das Quintett aus Japan für mächtig Wirbel sorgt. In silbernen Outfits erwischen die Artisten immer genau den richtigen Zeitpunkt, um zwischen den zumeist zwei gleichzeitig rotierenden Seile hindurch zu springen und dabei akrobatische Figuren zu zeigen. Es sieht aus wie ein Kinderspiel und muss doch so anspruchsvoll sein. Die Fly Diggerz jedenfalls haben dabei extrem viel Spaß - und der ist ansteckend. Charli-Rose Costello und Eva Halliwell stammen aus Australien und zeigen ihre Kunst erstmals außerhalb ihrer Heimat. Das Duo verbindet Tanz mit Akrobatik zu einem ganz eigenen Stil, ausdrucksstark und neuartig.


Duo Vanegas, Elena Drogaleva, Leosvel und Diosmani

Mit drei Darbietungen, die hier bereits zu sehen waren und die jedem Circusliebhaber ohnehin bestens bekannt sind, geht es Richtung Finale. Zudem sind es drei meiner persönlichen Lieblingsnummern, womit für höchste Freude gesorgt ist. Den Start macht das Duo Vanegas. Sein Todesrad ist so groß, dass es auf dem vorderen Teil der Bühne aufgebaut werden muss. Für diese vergleichsweise große logistische Leistung sorgt, genauso wie für alle anderen Umbauten, in gewohnter Weise die bestens eingespielte Bühnencrew. Dann laufen die beiden Kolumbianer auf dem sich immer schneller drehenden Rad ihre waghalsigen Runden. Beim Seilspringen befinden sogar beide gleichzeitig außen. Höhepunkt ist der Salto von Alejandro auf der Außenseite des rotierenden Rades. Sehr stilvoll ist schon der Auftakt zur Gruppenjonglage von Elena Drogaleva und ihren drei Gentlemen. Da steht die Hauptfigur im Stil von Marlene Dietrich im Spotglight und raucht eine Zigarette. Gleich darauf fliegen die Keulen. In immer neuen Konstellationen wirft sich das Quartett seine Requisiten zu. Bald kommen zwei Plattformen hinzu, auf denen jeweils ein Artist steht. Unablässig fliegen die Keulen so präzise durch die Luft, dass man kaum für möglich hält, was man da sieht. Ständig nehmen sie ihre Bahnen von einem Akteur zum anderen. Es ist ein einziger Rausch. Keine Kollision, nichts. Alles ist perfekt einstudiert. Das herrliche Interagieren von Elena Drogaleva und ihren Herren bei den Zwischenspielen macht den Genuss perfekt. Pure Muskelkraft ermöglicht die Akrobatik am Mast von Leosvel und Diosmani. Das könnte man meinen, wenn man die trainierten Körper der Kubaner sieht. Doch es gehört noch so viel mehr dazu, ein bestens ausgebildeter Gleichgewichtssinn und blindes gegenseitiges Vertrauen etwa. Anders wäre es wohl nicht möglich, dass Diosmani einen einarmigen Handstand auf dem Oberkörper von Leosvel zelebriert, den dieser im rechten Winkel mit den Händen an der Stange festhält. Neben seinem Spitzentrick hat das Duo viele weitere Kunststücke im Repertoire. Schon alleine, wie die beiden den Chinese Pole herauf- und herunterklettern, lässt den untrainierten Zuschauer in seinem bequemen Sessel staunen.


Finale

„Jump“ von Van Halen bildet wie immer den ikonischen Song des Finales. Wechseln die Programme auch jedes Jahr, hier wird auf einen Klassiker gesetzt. Kontinuität gibt es ebenfalls bei der Choreographie der Abschiedsszenen. So sind auch die großen Bälle wieder dabei. Das Lichtdesign ist, wie schon den ganzen Abend, traumhaft. Auch die Crew am Ton versteht ihr Handwerk bestens. Alle Fäden laufen letztendlich bei Andreas Matlé und Anne Naumann von der OVAG zusammen. Ihnen obliegt die künstlerische Leitung der Produktion.

Auch in diesem Winter haben sie wieder für höchste Zufriedenheit bei den Gästen der in Summe rund 50 Vorstellungen gesorgt. Die Mischung stimmt. Für jeden ist etwas dabei und es gibt viel Neues zu entdecken. Dazu wird die ganze Klaviatur der Emotionen bedient. So abwechslungsreich, wie ein Abend im Varieté eben sein sollte. Dass hier auf höchstem Niveau gespielt wird, versteht sich ohnehin von selbst. Die nächste Premiere in Bad Nauheim wird schon am 3. Dezember gefeiert. Dann erlebt die OVAG-Weihnachtsrevue ihre Welturaufführung.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch