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Auf eine
weihnachtliche Show mit dem Schwerpunkt auf Artistik. Hinzu
kommen zumeist eine Tiernummer, ausgewählte Vertreter der Sparte
Humor, Tänzerinnen und eine Sängerin. Das alles stimmig
zusammengestellt und in Szene gesetzt.

Aachener Weihnachtscircus 2025/26
Das
Chapiteau ist genauso weihnachtlich geschmückt wie die
Restauration im Vorzelt. Die heimelige Atmosphäre wird dem
festlichen Anlass voll und ganz gerecht. Im Dunkeln erstrahlt
die Zeltstadt im warmen Licht. In diesem Winter neu dabei ist
ein kleiner Weihnachtsmarkt auf einer Außenfläche.
 
Leosvel
und Diosmani, Robles
Komplett
neu ist natürlich auch das Programm. Thomas Bruchhäuser und
Sandor Donnert haben Regie geführt. Herausgekommen ist wie immer
eine überzeugende, ganzheitliche Show. Donnert sorgt mit seinem
Team auch dafür, dass jede Vorstellung flüssig abläuft. Für die
besonders spektakulären Acts wurden die prominenten Stellen
reserviert. Direkt vor der Pause faszinieren Leosvel und
Disomani mit extrem starker Akrobatik am Mast. Die Kubaner haben
traumhafte Körper und wissen diese phänomenal einzusetzen. Wenn
Leosvel sich im rechten Winkel mit den Händen am Pole festhält
und Diosmani auf seinem Oberkörper einen einarmigen Handstand
zeigt, ist den beiden frenetischer Applaus sicher. Diesen
erhalten ebenfalls die Robles, wenn sie sicher die Plattform am
anderen Ende des Hochseils erreicht haben. Mucksmäuschenstill
ist es hingegen, wenn sie in einer Pyramide aus sieben Personen
über den Draht balancieren. Nervenkitzel auch bei den weiteren
Tricks, etwa beim Seilspringen oder der Fahrt mit zwei
Fahrrädern und einer Partnerin dazwischen in der oberen Etage.
Aus dem Hause Robles ist auch die Motorradkugel, die vor dem
Finale für Spannung sorgt. Immer mehr Fahrerinnen und Fahrer
jagen durch den Globus aus Stahl.

Bert und Fred
Für
Entspannung stehen in einem Circusprogramm meist die Spaßmacher.
Doch das trifft hier nur bedingt zu. Denn Bert und Fred wagen
gefährliche Stunts. Wobei das Risiko komplett bei Bert liegt.
Fred(erique) bereitet sie vor und ruft zur Ausführung nach
„Bert“. Der Name genügt und schon kommt selbiger schüchtern
hereingelaufen. Zunächst bekommt der arme Kerl ein Brett
zwischen die Beine gelegt. Sodann schießt ein Messer von oben
herab, um seine Spitze in das Brett zu bohren. Beim zweiten
Aufritt muss er einen Apfel auf seinem Kopf positionieren, der
von einem an einer Schnur schwingenden Hammer heruntergestoßen
wird. Die Ankündigung der Pause fällt ebenfalls in seinen
Aufgabenbereich. Dafür hält er ein Tuch mit entsprechender
Aufschrift Richtung Publikum. Doch bei der Ankündigung bleibt es
nicht. Bert muss die kompletten rund 25 Minuten der
Unterbrechung dort stehenbleiben. Im zweiten Teil beweist Fred
ihren sicheren Umgang mit einer Peitsche, wenn sie eine Gurke
durchschlägt, die Bert dorthin halten muss, wo es wehtut. Auch
mit dem Schießgewehr weiß die Dame im pinken Hosenanzug
umzugehen. Die Ziele bilden Luftballons, die an einem
Schlappseil befestigt sind. Darauf balanciert wagemutig –
natürlich Fred. Ich mag ihr eigenständiges, höchst originelles
Spiel. Es trifft meinen Humor. Aber es ist auch immer etwas
Mitleid mit Bert dabei, der unter der Fuchtel seiner Partnerin
steht und mehrfach seine Gesundheit riskieren muss. Zumal die
beiden selbst keine Miene verziehen und schon gar nicht lachen.
 
Serge
Massot, Amber Karstens
Für die
heiteren, fröhlichen Momente in der Show sorgen Serge Massot und
Amber Karstens. Massot ist Bauchredner und führt zunächst
Dialoge mit einer aufmüpfigen orangenen Puppe. Das ist schon
höchst amüsant. Noch witziger wird es, wenn er drei Personen aus
dem Publikum seine Stimme leiht. Die Dame und die beiden Herren
sagen Dinge, die sie vermutlich nie vor solch einem Publikum
erzählt hätten. Und das auch noch in höchst eigenwilligen
Stimmlagen. „Dancing Dogs“ nennt Amber Karstens ihre Nummer und
beschreibt diese damit wunderbar. Sie teilt sich die Manege mit
mehreren Border Collies. Gemeinsam tanzen sie ausgelassen auf
zwei und vier Pfoten beziehungsweise Füßen. Die Hunden springen
zudem Seil, schlagen Salti und laufen zwischen den Beinen ihrer
Trainerin hindurch. Das alles wirkt sehr spielerisch, die Tiere
brennen geradezu darauf, ihr Können unter Beweis zu stellen.
Eine liebevolle Dressurnummer voller Energie, die sympathisch
präsentiert wird.
 
Skating
Balkanski, Valentino Togni Bouglione
Den
artistischen Auftakt machen die Skating Balkanski. Die beiden
Schwestern und ihr Bruder sind Teil der jüngsten Generation der
Familie, die wir viele Jahre unter anderem am Schleuderbrett
beim Circus Krone erleben durften und die inzwischen einen
eigenen Circus in ihrer bulgarischen Heimat betreibt. Als ich
das Trio Ende 2023 in Mannheim das erste Mal sah, erscheinen mir
die Geschwister noch etwas zu jung für diese anspruchsvolle
Darbietung. Nun kann ich ihre Touren auf Rollschuhen voll und
ganz genießen. Die Balkanskis haben ein sehr umfangreiches
Repertoire mit nach Aachen gebracht, das in der Fahrt im
Nackenhangwirbel gipfelt. Spannend auch, dass eine der
Schwestern sowohl den Part am Boden als auch den in der Luft
übernimmt. Als ob das nicht genug ist, erleben wir zudem
Feuereffekte. Gleich zwei klangvolle Circusdynastien führt
Valentino Togni Bouglione im Namen. Der blendend aussehende
junge Mann versteht sich auf die Kunst der Handstandakrobatik.
Er hält sich souverän genauso auf einer Hand wie auf zwei Händen
im Gleichgewicht. Der Klötzchentrick bildet den krönenden
Abschluss seiner Darbietung.
  
Maria
Terentyeva, Danyl Lysenko, Daniel Golla
Alles
andere als gewöhnlich ist die Kür an den Strapaten von Maria
Terentyeva. Dabei trägt sie ein langes Kleid, die Musik ist
genauso geheimnisvoll wie das Lichtdesign und die Trickfolge
einzigartig. Wir sehen ein ungeheuer intensives Spiel. Mit viel
Hingabe arbeitet sie starke Tricks. Solche die wir an den
Bändern bereits kennen und solche, die innovativ sind. Auf
Reifen als Requisiten beschränkt sich Danyl Lysenko. Diese lässt
er extrem versiert durch die Luft fliegen. Immer mehr davon
schickt er auf die Reise Richtung Kuppel, um sie danach sicher
wieder aufzufangen. Dabei beherrscht der mehrfach ausgezeichnete
Jongleur das Spiel mit den Ringen genauso perfekt wie das mit
dem Publikum. Wenn die Blicke der Zuschauer gebannt einem
Modellflugzeug folgen, dann hat Daniel Golla seinen Auftritt.
Der Showpilot sorgt immer wieder für Überraschungseffekte. Er
lässt seine Maschinen zum Takt der Musik fliegen oder steuert
sie sicher durch Reifen, die von Flugbegleiterinnen gehalten
werden. Schön ebenfalls der Effekt, wenn an den Tragflächen
Wunderkerzen Funken sprühen. Auch die Gäste in Aachen genießen
diesen gelebten Traum vom Fliegen.

Tatiana
Perez und die Donnert Dancers
Vier
hübsche Tänzerinnen bilden das Ballett. Die Donnert Dancers
erfreuen uns bei immer wieder neuen Choreographien in
wechselnden Kostümen. Dies oftmals im Zusammenspiel mit Tatiana
Perez. Die Sängerin hat eine unverwechselbare Stimme, die auch
die rockigen Töne wunderbar beherrscht. Insbesondere ihre
Interpretation von „Last Christmas“ nach der Pause bleibt lange
im Ohr hängen. Zudem überzeugt sie mit einer starken Präsenz.
Eine sympathische Begleiterin durch die Show, die zu Beginn des
Finales den Engel mit großen Flügeln gibt. Die hier
obligatorische Rolle des Engels, für den es in die Luft geht,
übernimmt Bert. Das Publikum feiert die Mitwirkenden beim
ausgiebig zelebrierten Abschied regelrecht. Nicht dabei ist
Alain Alegria, der für die Show vorgesehen war, aber in einer
der ersten Vorstellungen vom Washington-Trapez stürzte. Dank
bester Versorgung ist der Artist inzwischen gesund in seiner
mexikanischen Heimat. |