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Aachener Weihnachtscircus 2025/26
www.weihnachtscircus-aachen.eu ; 150 Showfotos

Aachen, 30. Dezember 2025: „Spektakulatius“ - Die korrekte Aussprache des Mottos 2025/26 des Aachener Weihnachtscircus erfordert etwas Konzentration. Und es steckt viel drin. Nicht nur die Zutaten des Weihnachtsgebäcks, sondern auch die mit dem circensischen Part verbundenen Worte „Spektakel“ und „spektakulär“. Ersteres ist eine Circusshow in der Regel per se. Darbietungen, die dem Adjektiv gerecht werden, hält die diesjährige Show ebenfalls parat. Dazu noch viele weitere, die daraus eine runde Sache machen. Ohnehin wissen die Zuschauer in der Domstadt, worauf sie sich bei ihrem Weihnachtscircus freuen dürfen.

Auf eine weihnachtliche Show mit dem Schwerpunkt auf Artistik. Hinzu kommen zumeist eine Tiernummer, ausgewählte Vertreter der Sparte Humor, Tänzerinnen und eine Sängerin. Das alles stimmig zusammengestellt und in Szene gesetzt.


Aachener Weihnachtscircus 2025/26

Das Chapiteau ist genauso weihnachtlich geschmückt wie die Restauration im Vorzelt. Die heimelige Atmosphäre wird dem festlichen Anlass voll und ganz gerecht. Im Dunkeln erstrahlt die Zeltstadt im warmen Licht. In diesem Winter neu dabei ist ein kleiner Weihnachtsmarkt auf einer Außenfläche.


Leosvel und Diosmani, Robles

Komplett neu ist natürlich auch das Programm. Thomas Bruchhäuser und Sandor Donnert haben Regie geführt. Herausgekommen ist wie immer eine überzeugende, ganzheitliche Show. Donnert sorgt mit seinem Team auch dafür, dass jede Vorstellung flüssig abläuft. Für die besonders spektakulären Acts wurden die prominenten Stellen reserviert. Direkt vor der Pause faszinieren Leosvel und Disomani mit extrem starker Akrobatik am Mast. Die Kubaner haben traumhafte Körper und wissen diese phänomenal einzusetzen. Wenn Leosvel sich im rechten Winkel mit den Händen am Pole festhält und Diosmani auf seinem Oberkörper einen einarmigen Handstand zeigt, ist den beiden frenetischer Applaus sicher. Diesen erhalten ebenfalls die Robles, wenn sie sicher die Plattform am anderen Ende des Hochseils erreicht haben. Mucksmäuschenstill ist es hingegen, wenn sie in einer Pyramide aus sieben Personen über den Draht balancieren. Nervenkitzel auch bei den weiteren Tricks, etwa beim Seilspringen oder der Fahrt mit zwei Fahrrädern und einer Partnerin dazwischen in der oberen Etage. Aus dem Hause Robles ist auch die Motorradkugel, die vor dem Finale für Spannung sorgt. Immer mehr Fahrerinnen und Fahrer jagen durch den Globus aus Stahl.


Bert und Fred

Für Entspannung stehen in einem Circusprogramm meist die Spaßmacher. Doch das trifft hier nur bedingt zu. Denn Bert und Fred wagen gefährliche Stunts. Wobei das Risiko komplett bei Bert liegt. Fred(erique) bereitet sie vor und ruft zur Ausführung nach „Bert“. Der Name genügt und schon kommt selbiger schüchtern hereingelaufen. Zunächst bekommt der arme Kerl ein Brett zwischen die Beine gelegt. Sodann schießt ein Messer von oben herab, um seine Spitze in das Brett zu bohren. Beim zweiten Aufritt muss er einen Apfel auf seinem Kopf positionieren, der von einem an einer Schnur schwingenden Hammer heruntergestoßen wird. Die Ankündigung der Pause fällt ebenfalls in seinen Aufgabenbereich. Dafür hält er ein Tuch mit entsprechender Aufschrift Richtung Publikum. Doch bei der Ankündigung bleibt es nicht. Bert muss die kompletten rund 25 Minuten der Unterbrechung dort stehenbleiben. Im zweiten Teil beweist Fred ihren sicheren Umgang mit einer Peitsche, wenn sie eine Gurke durchschlägt, die Bert dorthin halten muss, wo es wehtut. Auch mit dem Schießgewehr weiß die Dame im pinken Hosenanzug umzugehen. Die Ziele bilden Luftballons, die an einem Schlappseil befestigt sind. Darauf balanciert wagemutig – natürlich Fred. Ich mag ihr eigenständiges, höchst originelles Spiel. Es trifft meinen Humor. Aber es ist auch immer etwas Mitleid mit Bert dabei, der unter der Fuchtel seiner Partnerin steht und mehrfach seine Gesundheit riskieren muss. Zumal die beiden selbst keine Miene verziehen und schon gar nicht lachen.


Serge Massot, Amber Karstens

Für die heiteren, fröhlichen Momente in der Show sorgen Serge Massot und Amber Karstens. Massot ist Bauchredner und führt zunächst Dialoge mit einer aufmüpfigen orangenen Puppe. Das ist schon höchst amüsant. Noch witziger wird es, wenn er drei Personen aus dem Publikum seine Stimme leiht. Die Dame und die beiden Herren sagen Dinge, die sie vermutlich nie vor solch einem Publikum erzählt hätten. Und das auch noch in höchst eigenwilligen Stimmlagen. „Dancing Dogs“ nennt Amber Karstens ihre Nummer und beschreibt diese damit wunderbar. Sie teilt sich die Manege mit mehreren Border Collies. Gemeinsam tanzen sie ausgelassen auf zwei und vier Pfoten beziehungsweise Füßen. Die Hunden springen zudem Seil, schlagen Salti und laufen zwischen den Beinen ihrer Trainerin hindurch. Das alles wirkt sehr spielerisch, die Tiere brennen geradezu darauf, ihr Können unter Beweis zu stellen. Eine liebevolle Dressurnummer voller Energie, die sympathisch präsentiert wird.


Skating Balkanski, Valentino Togni Bouglione

Den artistischen Auftakt machen die Skating Balkanski. Die beiden Schwestern und ihr Bruder sind Teil der jüngsten Generation der Familie, die wir viele Jahre unter anderem am Schleuderbrett beim Circus Krone erleben durften und die inzwischen einen eigenen Circus in ihrer bulgarischen Heimat betreibt. Als ich das Trio Ende 2023 in Mannheim das erste Mal sah, erscheinen mir die Geschwister noch etwas zu jung für diese anspruchsvolle Darbietung. Nun kann ich ihre Touren auf Rollschuhen voll und ganz genießen. Die Balkanskis haben ein sehr umfangreiches Repertoire mit nach Aachen gebracht, das in der Fahrt im Nackenhangwirbel gipfelt. Spannend auch, dass eine der Schwestern sowohl den Part am Boden als auch den in der Luft übernimmt. Als ob das nicht genug ist, erleben wir zudem Feuereffekte. Gleich zwei klangvolle Circusdynastien führt Valentino Togni Bouglione im Namen. Der blendend aussehende junge Mann versteht sich auf die Kunst der Handstandakrobatik. Er hält sich souverän genauso auf einer Hand wie auf zwei Händen im Gleichgewicht. Der Klötzchentrick bildet den krönenden Abschluss seiner Darbietung.


Maria Terentyeva, Danyl Lysenko, Daniel Golla

Alles andere als gewöhnlich ist die Kür an den Strapaten von Maria Terentyeva. Dabei trägt sie ein langes Kleid, die Musik ist genauso geheimnisvoll wie das Lichtdesign und die Trickfolge einzigartig. Wir sehen ein ungeheuer intensives Spiel. Mit viel Hingabe arbeitet sie starke Tricks. Solche die wir an den Bändern bereits kennen und solche, die innovativ sind. Auf Reifen als Requisiten beschränkt sich Danyl Lysenko. Diese lässt er extrem versiert durch die Luft fliegen. Immer mehr davon schickt er auf die Reise Richtung Kuppel, um sie danach sicher wieder aufzufangen. Dabei beherrscht der mehrfach ausgezeichnete Jongleur das Spiel mit den Ringen genauso perfekt wie das mit dem Publikum. Wenn die Blicke der Zuschauer gebannt einem Modellflugzeug folgen, dann hat Daniel Golla seinen Auftritt. Der Showpilot sorgt immer wieder für Überraschungseffekte. Er lässt seine Maschinen zum Takt der Musik fliegen oder steuert sie sicher durch Reifen, die von Flugbegleiterinnen gehalten werden. Schön ebenfalls der Effekt, wenn an den Tragflächen Wunderkerzen Funken sprühen. Auch die Gäste in Aachen genießen diesen gelebten Traum vom Fliegen.


Tatiana Perez und die Donnert Dancers

Vier hübsche Tänzerinnen bilden das Ballett. Die Donnert Dancers erfreuen uns bei immer wieder neuen Choreographien in wechselnden Kostümen. Dies oftmals im Zusammenspiel mit Tatiana Perez. Die Sängerin hat eine unverwechselbare Stimme, die auch die rockigen Töne wunderbar beherrscht. Insbesondere ihre Interpretation von „Last Christmas“ nach der Pause bleibt lange im Ohr hängen. Zudem überzeugt sie mit einer starken Präsenz. Eine sympathische Begleiterin durch die Show, die zu Beginn des Finales den Engel mit großen Flügeln gibt. Die hier obligatorische Rolle des Engels, für den es in die Luft geht, übernimmt Bert. Das Publikum feiert die Mitwirkenden beim ausgiebig zelebrierten Abschied regelrecht. Nicht dabei ist Alain Alegria, der für die Show vorgesehen war, aber in einer der ersten Vorstellungen vom Washington-Trapez stürzte. Dank bester Versorgung ist der Artist inzwischen gesund in seiner mexikanischen Heimat.

Die Reise nach Aachen hat sich auch in diesem Winter wieder voll und ganz gelohnt. Genauso wie das Aachener Stammpublikum, weiß auch ich diese Produktion inzwischen sehr zu schätzen. Zumal Lichtdesign und Tontechnik ebenfalls exzellent sind. Das Team rund um Produzent Thomas Schütte versteht einfach sein Handwerk und ist mit viel Herzblut bei der Sache. Und das spürt man.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch