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Wereldkerstcircus Carré 2025/26
https://wereldkerstcircus.nl ; 205 Showfotos

Amsterdam, 1./2. Januar 2026: Die Flying Caballeros sind zurück. Vor zwei Jahren waren sie schon einmal beim Wereldkerstcircus engagiert. Kurz darauf, im Januar 2024, gewannen sie mit ihrem spektakulären Fliegenden Trapez einen Goldenen Clown in Monte Carlo. Im folgenden Winter sicherte sich Stardust Circus International die Mexikaner für seine andere Produktion, den Weltweihnachtscircus in Stuttgart. Nun dürfen sie wieder im Amsterdamer Theater Carré ihr großartiges Können beweisen. Jetzt sogar auf zwei Bahnen.

Sie krönen ihre Darbietung mit der Passage, dem dreifachen sowie dem vierfachen Salto. Alle genannten Tricks werden doppelt ausgeführt. Und das traumhaft sicher. Damit setzt die zehnköpfige Formation direkt nach der Pause den Höhepunkt einer gewohnt starken Weihnachtscircus-Produktion.


Finale

Für die 39. Ausgabe haben die Produzenten, allen voran Urgestein Henk van der Meijden, wieder einige der stärksten Acts unserer Tage nach Amsterdam geholt. Dazu kommen kleinere, charmante aber nicht minder hochwertige Darbietungen. Auch Pferde sind dabei und natürlich Spaßmacher. Joseph Bouglione hat Regie geführt und Wim Dresens das Licht designed. Dank Andrii Kakapych und seines Orchesters kommen wir in den Genuss von Livemusik.


Koninklijk Theater Carré

Das erste Highlight des Vorstellungsbesuchs setzt das Koninklijk Theater Carré. 1887 wurde es als Circusbau des deutschen Direktors Oscar Carré eröffnet. Alljährlich im Dezember wird im inzwischen als Theater genutzten Haus das Parkett durch eine Manege ersetzt und der Innenraum somit wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt. Von außen wie innen ist das Gebäude ein Genuss. Je näher man ihm kommt, desto mehr steigt die Vorfreude. Das Portal erstrahlt im Glanz der Beleuchtung und ist weihnachtlich sowie circensisch dekoriert. Der Zuschauerraum ist ebenfalls eine Augenweide, die steilen Ränge erlauben beste Sicht auf das Geschehen.


Alex Michael, Revolution the Art of Dance

Und das startet mit einer Manege voller Menschen in prächtigen Kostümen. Zum Opening erscheint das gesamte Ensemble, um das Publikum zu begrüßen. In der Mitte stehen die Clowns und Rudy Hellewegen. Der Sprechstallmeister führt in seiner zweiten Saison im Wereldkerstcircus durch das Programm. Das macht er formvollendet im edlen Zwirn und auf eine rundum sympathische Art. Kurz bevor die anderen Mitwirkenden wieder herausgehen, macht sich Alex Michael an einem Seil auf den Weg Richtung Kuppel zu seinem Requisit. Das besteht aus zwei Trapezen, zwischen denen mehrere Schlaufen hängen. Letztere nutzt der Artist jeweils für den Hinweg. Zunächst verwendet er dafür die Hände, dann zeigt er daran den Deckenlauf. Noch spektakulärer geht es zurück. Ohne jegliche Sicherung springt Alex Michael von einem Trapez zum anderen. Beim ersten Mal fängt er sich mit den Händen, beim zweiten Mal mit den Füßen. Neun attraktive und sehr temperamentvolle Damen bringen das Feuer ihrer argentinischen Heimat in die niederländische Metropole. Revolution the Art of Dance nennt sich das Ensemble, das Bolaspiele und das Schlagen von Trommeln grandios beherrscht. In immer neuen Formationen präsentieren die Artistinnen voller Energie ihre Kunst. Das Publikum wird unweigerlich mitgerissen.


Chistirrin, Duo Minasov, Ursula Rossi und Carlo Triberti

Jonglagen verschiedener Art stehen beim ersten Auftritt von Chistirrin im Mittelpunkt. Los geht es im Zuschauerraum, wo der Clown einen blauen Ball auf den Fingern von Gästen rotieren lässt. Ein Herr darf ihm sodann einen Ring zuwerfen, den Chistirrin mit dem Kopf fängt. Rudy Hellewegen überreicht dem Spaßmacher weitere Requisiten. Und so erleben wir bald eine Fahrt auf dem Einrad, bei der sich Teller auf einem Mundstab drehen und bei der mit den Händen jongliert wird. Nebenbei bleibt Zeit für Albernheiten mit einer Keule. Staunen dürfen wir hingegen beim Duo Minasov. Elena und Victor wechseln so schnell ihre Kleider, dass das Auge nicht folgen kann. Es scheint, als sei tatsächlich Magie im Spiel. Als besonderen Clou haben die beiden ein stylishes motorisiertes Dreirad dabei, mit dem sie in die Manege fahren und auf dem sie einen Teil ihrer Quick Change-Illusionen zeigen. Etwa wenn Victor die auf dem Gefährt stehende Elena in eine Nebelwolke hüllt, worin diese ihr modisches Outfit wechselt. David und Richard Wolf kennen wir etwa vom Circus Probst noch als „seriöse“ Artisten. Vor einigen Jahren sind sie in das komische Fach gewechselt, ohne dabei ihre akrobatischen Fähigkeiten komplett abzulegen. In schottischem Karo dürfen sie in einem kurzen Zwischenspiel ihre Visitenkarte abgeben. Auf einer ungewöhnlich hohen Plattform wagen Ursula Rossi und Carlo Triberti riskante Touren auf Rollschuhen. Im Stil von Joker und Harley Quinn fegen sie über den runden Untergrund und agieren im Habitus der Filmhelden. Ihre Nummer gipfelt im Genickhangwirbel.


Yann Rossi, Secrets of my Soul

Dass Yann Rossi ein hervorragender Musiker ist, durfte er schon in vielen namhaften Manegen beweisen. Dies zumeist gemeinsam mit Bruder Hector. Hier ist Chistirrin der Mitspieler des edlen Weißclowns. Von ihm bekommt er nach und nach die verschiedensten Instrumente gereicht, auf denen er wunderbare Musik spielt. Unter anderem erklingen Saxofone verschiedener Größen, eine Trompete und sogar eine singende Säge. „Secrets of my Soul“ lautet der poetische Künstlername des von Oleksii Grigorov und seine Frau Marina gebildeten Duos. Am Luftring füllen sie den großen Raum über der Manege aus. Ihre Kür endet mit weihnachtlichem Glitterregen, in dem Oleksii, mit den Zähnen am Ring hängend, seine Partnerin mit den Füßen festhält. Damit krönen sie eine wunderschöne Darbietung voller starker Tricks, bei denen sie ein hohes Risiko in Kauf nehmen.


Hebei Acrobatic Troupe

Mit großen, eindrucksvollen Bildern geht es in die Pause. Zwölf Artisten der Hebei Acrobatic Troupe jonglieren, begleitet von ihrem Zeremonienmeister, mit Vasen. Dies in traditionellen Kostümen ihrer chinesischen Heimat und zur passenden Musik. Virtuos lassen sie in immer wieder neuen Choreographien Porzellanvasen durch die Luft fliegen. Mal ist das gesamte Ensemble beteiligt, ein anderes Mal nur einzelne Akteure. Die Requisiten unterschiedlicher Größe werden mit Händen, Kopf und Nacken gefangen. Auch Handvoltigen werden in die Darbietung integriert. Dass gleichzeitig mit den Menschen auch Vasen in die Höhe geworfen und wieder aufgefangen werden, versteht sich hier fast von selbst. Keine Übung ist zu schwierig, um sie nicht meisterhaft umzusetzen. Damit endet nach rund einer Stunde der erste Teil. Der zweite startet mit den Flying Caballeros.


Yann Rossi und Chistirrin, Marie Barcelo Chastang, Wolf Brothers

Danach gehört das Rund noch einmal den Clowns. Diesmal steht Chistirrin im Vordergrund. Er tanzt, schlägt Salti, markiert den starken Mann und spielt verschiedene Instrumente. Er gibt das aufgeweckte Kind, dessen Kopf voller Flausen steckt. Alle verrückten Ideen werden ausgelassen mit viel Lebensfreude umgesetzt. Yann Rossi gibt den strengen Gegenpart. Auf dem Saxofon darf er auch hier sein musikalisches Talent einbringen. Reitkunst und Akrobatik an den Strapaten bilden die beiden Elemente des Auftritts von Marie Barcelo Chastang und Pierre Antoine Chastang. Die Kunststücke zu Pferd arbeiten sie zumeist im Solo, in die Luft geht es gemeinsam. Wir erleben in beiden Genres anspruchsvolle Tricks, die das Duo gekonnt präsentiert. Als Kaskadeure auf Schottisch haben die Wolf Brothers die Möglichkeit, ihr artistisches Können beweisen zu dürfen. Das gelingt nur bedingt, was natürlich genau so gewollt ist. Artistik und Comedy verschmelzen hier zu einer herrlichen Einheit. Wir erleben den Salto genauso wie das staubige Spiel mit einem Pudersäckchen.


Michael Ferreri, Duo Soma

Mit der Jonglage von weißen Bällen zieht Michael Ferreri die Aufmerksamkeit des Auditoriums auf sich. Der neben Alex Michael einzige Solist im Programm ist trotz seiner Jugend bereits ein versierter Entertainer. Schon die Touren mit wenigen Bällen sind absolut faszinierend. In immer neuen Varianten lässt er sie durch die Luft fliegen. Als Höhepunkt jongliert er mit zehn seiner Requisiten. Bei der Zugabe schickt er fluoreszierende Bälle auf die Reise durch den dunklen Raum. Neun Kontorsionistinnen aus der Mongolei verbiegen nicht nur auf grazile Weise ihre geschmeidigen Körper, sondern zielen zudem mit Pfeil und Bogen auf Luftballons. Für letzteres benutzen sie einzig ihre Füße. Es ergeben sich wunderschöne lebende Kunstwerke, wenn sich die Damen immer wieder neu gruppieren. Dabei haben sie stets ein Lächeln auf den Lippen. Insbesondere der Schlusstrick des Duo Soma bleibt in Erinnerung. Dabei schleudert Tobias Pessanah seine Partnerin Vanessa Martinez mit der Perche herum. Doch sie hält sich am oberen Ende nicht mit den Händen fest, sondern hat sich dort mit ihren Haaren fixiert. Auf einem Arm hält sich Vanessa im Gleichgewicht, während Tobias die Perchstange auf einer Hand balanciert. Mit der Kopfperche geht es ein Gestell mit zwei Treppen und einer Plattform dazwischen hinauf und hinunter. Insgesamt eine sehr attraktive Nummer, die rundum sympathisch verkauft wird.


Diego Giona

Diego Giona und seinen Pferden gehört der prestigeträchtige Programmplatz vor dem Finale. Seine Nummer mit insgesamt acht Tieren ist alles andere als gewöhnlich – auf jeden Fall für eine Circusmanege. Zunächst reitet er stehend auf zwei Pferden und hat zwei weitere vor sich an langen Zügeln. Mit dieser Variante der Ungarischen Post geht es über ein Hindernis. Nun kommen die vier weiteren Tiere hinzu, die paarweise hinter der Post laufen. Auch so geht es über eine Hürde. Sechs Pferde laufen nebeneinander durch die Manege, wobei Diego Giona auf den mittleren beiden steht. Vom Boden aus dirigiert er vier Pferde. Allerdings wirkt die Vorführung eher wie ein vertrautes, harmonisches Spiel. Es folgende weitere, alles andere als alltägliche Tricks. Zur folgenden Verabschiedung strömen alle Mitwirkenden herein. Wenn sie im roten Ring Aufstellung genommen haben, ergibt sich ein eindrucksvolles Bild.

Dieses Bild des großen, internationalen Circus auf höchstem Niveau ist eines, das die Besucher mit nach Hause nehmen. Das sind sie von ihrem Wereldkerstcircus gewohnt und sie bekommen es auch in diesem Winter wieder zu sehen. Das wird in einem Jahr nicht anders sein. Wir sind schon jetzt sehr gespannt auf die Spielzeit 2026/27, denn dann wird die 40. Auflage gefeiert. Ganz sicher werden uns die Produzenten zu diesem Jubiläum mit einer besonderen Show verwöhnen.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch