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Freilich haben sich auch in
der 30.000-Einwohner-Stadt im Norden von Baden-Württemberg die
Zeiten geändert, und so werden in der Werbung fürs
Jubiläumsprogramm die Motorradkugel der Torres Riders sowie das
Ballett der Victoria Showdancers herausgestellt. Die Tiernummern
kommen diesmal ausschließlich aus dem eigenen Repertoire.
Gespielt wird wiederum auf einer Wiese am Rande der Stadt, ganz
in der Nähe mehrerer stark frequentierter Einkaufsmärkte. Im
Vorzelt mit seinem Weihnachtsmarkt-Ambiente und im Chapiteau mit
Klappsitz-Tribüne und Logen herrscht familiäres Flair.
  
Monty Bellomi und Victoria
Showdancers, Mambo Jambo Africa Troupe, Jasmina Wolf
Im Opening empfangen uns die vier
Damen der Victoria Showdancers in kecken
Weihnachtsfrau-Kostümen, gefolgt vom gesamten Ensemble und Monty
Belloni (bürgerlich Oll) vom in Österreich reisenden Circus
Belloni. Sprang er in der Vorsaison als Krankheitsvertretung in
der Rolle des Clowns ein, gibt er nun den sympathischen und
wortgewandten Moderator, teils im Wechsel mit Direktor Wolfgang
Frank. Gleich für gute Stimmung sorgen die Kenianer der Mambo
Jambo Africa Troupe als fröhliche Pyramidenbauer. Am Ende trägt
einer von ihnen seine drei Kollegen zur gleichen Zeit. In der
nunmehr fünften Saison in Folge ist die Familie von Jasmina und
Josef Wolf dabei, die sich jeweils vor und hinter den Kulissen
als wertvolle Stütze einbringt. Während der Sommermonate sind
die Tschechen stets mit dem Circus Humberto im Norden
Deutschlands unterwegs. Diesmal zeigt Jasmina Wolf aus ihrem
breiten Repertoire eine Luftakrobatik im Netz, unter anderem mit
Genickhang und Kniehang an einem Bein, serviert mit einem
strahlenden Lächeln.
 
Jesse, Wolfgang und Leonardo
Frank
In seiner nachfolgenden Ansage
spricht Wolfgang Frank von sieben Nationen, die in diesem
Programm vereint sind, sowie von 40 Tieren in den Stallungen
hinter den Kulissen und davon, wie wohl seine Familie sich in
Crailsheim fühlt – bis ein besonderer Besucher erscheint, der
ein Engagement beim Weihnachtscircus sucht. Bei ihm handelt es
sich um Franks jüngsten Sohn Jesse alias Clown „Spaghetti“. In
seiner ersten Szene gehen die traditionellen, schön gespielten
Szenen „Aufladen, abladen“ und „Das Musizieren ist hier
verboten“ direkt ineinander über. Die Rolle des „Chefdresseurs
des Hauses“ ist dagegen die des ältesten Sohnes Leonardo. Er hat
für diesen Winter eine etwas ungewöhnliche Variante des „Groß
und Klein“ zusammengestellt, bestehend aus einem mächtigen Kamel
und einem Pony, welches unter anderem unter dem Trampeltier
hindurchläuft und mit ihm gemeinsam Drehungen absolviert.
 
Jesse Frank, Manuela Wolf
Dass er nicht nur komisches,
sondern auch artistisches Talent hat, beweist Jesse Frank beim
Tellerdrehen. Schlussendlich gelingt es ihm, dass zehn Teller
auf langen, flexiblen Stäben rotieren, während er mit gezieltem
Schwung vier Löffel in die vier auf einem Tablett stehenden
Gläser befördert. Im Hintergrund feuert ihn seine Mutter Ramona
während der gesamten Nummer an, macht auf abzustürzen drohende
Teller aufmerksam und heizt das Publikum an. Die nächste
Generation in der Manege verkörpert auch Manuela Wolf. Bei ihren
Antipodenspielen bewegt sie auf sehr gekonnte Weise bis zu vier
Teppiche mit Händen und Füßen sowie abschließend als besonderen
Effekt eine Walze mit brennenden Enden.
  
Samuel und Leonardo Frank,
Josef und Jasmina Wolf
Nachdem die Familie Frank jedes
Jahr auch mit ihren eigenen Darbietungen im Programm vertreten
ist, gilt es diese immer wieder zu variieren. Heuer gelingt dies
auch dank der Einleitung durch die Victoria Showdancers. In
engen, goldfarbenen Kleidern und mit schwarzen Jacken
gewährleisten die Tänzerinnen zu „I love Rock’n’Roll“ den großen
Auftritt für Samuel Frank, der bis zu zwei Diabolos auf Touren
schickt, sie fliegen lässt und wieder fängt. Damit geht es in
die Pause. Auf ruhige und harmonische Weise stellt Leonardo
Frank zum Beginn der zweiten Hälfte seinen weiß-braunen Vierzug
Araberpferde vor. Gegenlauf, Pirouetten, Walzen – das Repertoire
ist anspruchsvoll und gipfelt in Solosteigern zum Abschluss.
„Will you still love me when I'm no longer young and beautiful?“:
Zu dem intensiven Gänsehaut-Song von Lana Del Rey arbeiten Josef
und Jasmina Wolf ihre mit starkem Applaus quittierte Ringperche-Nummer. Auf seiner Stirn balanciert Josef Wolf das
Requisit, auf und in dem seine Frau verschiedene akrobatische
Posen zeigt. Sie erfordern Beweglichkeit und Balance.
 
Victoria Showdancers,
Selina Frank
Zu „Let’s get loud“ und in
entsprechenden Kostümen schaffen die Victoria Showdancers die
südamerikanische Atmosphäre, die Direktionstochter Selina Frank
bei ihrer Hula-Hoop-Nummer aufgreift. Bis zu fünf Reifen lässt
sie versiert um Arme, Rumpf und Beine kreisen. Abschließend
setzt sie ein ganzes Bündel Reifen in Bewegung. Das violett-gelbe
Kostüm in Verbindung mit der in strahlenden Gelb-Tönen
ausgeleuchteten Manege trägt zu einem wunderbaren Bild bei.
 
Mambo Jambo Africa Troupe,
Torres Riders
Hat Jesse alias „Spaghetti“ kurz
zuvor mit zwei Zuschauern eine nicht gerade ernst gemeinte
Variante des Limbo-Tanzes gespielt, beweisen die Herren der
Mambo Jambo Africa Troupe nun, dass sie tatsächlich die Kunst
beherrschen, eine immer tiefer liegende Stange zu unterqueren,
die zusätzlich in Flammen steht. Im zweiten Teil der Nummer
springen sie in verschiedenen Formationen durch Reifen im
Zebra-Look. Nun trennt uns nur noch Jesses Popcorn-Reprise von
der in der Werbung herausgestellten Schlussnummer. Mit ihrem
Tanz zu „Highway to hell“ bereiten die Victora Showdancers auf
das Erscheinen der Motorradkugel vor. In dramatischen Worten
schildert Monty Belloni die Gefahren und Risiken, die mit dem
Genre verbunden sind. Und doch wagen sich die drei Fahrer
Felipe, Andres und Daniel von den „Torres Riders“ in die
Stahlgitterkugel. Unter anderem drehen sie ihre Runden, während
nur die LED-Beleuchtung ihrer Maschinen für Helligkeit sorgt.
Ihren Teil zur Wirkung des Programms trägt auch die Livemusik
bei, für die Wolfgang und Leonardo Frank sowie Monty Belloni an
Orgel und Schlagzeug sorgen. |