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Flic Flac X-Mas Show Duisburg 2025/26
www.flicflac.de ; 160 Showfotos

Duisburg, 28. Dezember 2025: „Back to the roots“ heißt es in doppelter Hinsicht bei der 8. Weihnachtsshow von Flic Flac in Duisburg. Zum einen ist nicht mehr der ehemalige Catering-Unternehmer Uwe Struck Veranstalter dieser Produktion im Ruhrgebiet, sondern die Circus Flic Flac GmbH unter der Geschäftsführung des Circusgründers Benno Kastein. An seiner Seite steht sein Stiefsohn Michele Palermo als Verantwortlicher für Verwaltung, Marketing und Planung. Zum anderen setzt Kastein bei der Programmgestaltung auf das, was ihm selbst wohl am besten gefällt: die Kombination spektakulärer Acts mit Rammstein-Sound.

Von außen hat sich wenig verändert: Erneut wurde das 65 Meter lange, schwarz-gelbe Zelt mit den vier außen liegenden Rundbögen auf dem Geländes des zentral gelegenen, ehemaligen Güterbahnhofs aufgebaut, von der Autobahn aus perfekt zu sehen, nur einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt. Festlich wirkt die Beleuchtung, mit denen die Bögen nun in Szene gesetzt sind. In der umfangreichen Restauration im Vorzelt werden Speisen und Getränke an neuen Verkaufsständen angeboten. Doch im Chapiteau selbst finden wir nicht mehr die lang gestreckte Tribüne links und rechts einer rechteckigen Spielfläche vor. Stattdessen gruppiert sich ein rundes, spektakulär steil aufragendes Gradin um eine runde Manege. Im vorderen Teil des Zeltes bleibt somit genügend Platz für die beiden Toilettenwagen. Sie bieten komfortable, große Einzelkabinen jeweils mit eigenem Handwaschbecken.


Patrick Hufen, RCZ

Zu Beginn der Vorstellung empfängt uns zunächst Patrick Hufen. Der 55-Jährige in Jeans und Lederjacke wurde unter anderem durch das Realityformat „Die Versicherungsdetektive“ auf RTL einem Millionenpublikum bekannt. Der Schadensregulierer ist in Duisburg geboren und aufgewachsen, lebt bis heute in der Stadt. Da liegt der Gedanke wohl nahe, den „Lokalmatador“ zum Gesicht der Show zu machen. Doch seine Plaudereien, an mehreren Stellen des Programms eingesetzt, sind weder richtige Comedy, noch erfahren wir beispielsweise Lehrreich-Unterhaltsames aus der Versicherungswirtschaft. Eine recht klassische Moderation wie seine, bei der er auch mal mit einem Senior im Publikum über dessen Alter spricht, ist für Flic Flac ungewohnt und steht im Kontrast zum hier üblichen Ablauf einer Show mit fließenden Übergängen zwischen den Nummern. Nach der Begrüßung zieht ein Mann mit Fackel in der Hand und Helm auf dem Kopf über die Fronttreppe zum Artisteneingang. Dort spielt auf einem Podium, das sich heben und senken kann, die Rammstein-Tribute-Band „RCZ“ aus Tschechien. „Hier kommt die Sonne“ ist der erste Song, den die Männer interpretieren. Wuchtige Gitarrenriffs und der markante, stampfende Rhythmus füllen das Zelt mit brachialer Energie. Dazu schießen Feuersäulen in die Höhe.


René Casselly und Kathrin Menzinger, The Triplets

Noch zwei weitere Fernsehstars geben der X-Mas Show Personality: Spitzenartist und „Ninja Warrior“ René Casselly gemeinsam mit Profitänzerin Kathrin Menzinger, mit der er auch das TV-Format „Let’s Dance“ gewonnen hat. Er mit offenem, transparenten Hemd und sie im schwarzen Kleid zeigen auf dem schwarz-gelben Bühnenboden zunächst eine Choreographie mit Elementen aus klassischem Wiener Walzer und modernem Freestyle. Ergänzt wird diese um akrobatische Tricks wie seinen Salto über die Partnerin hinweg. Drei richtige Wirbelwinde sind „The Triplets“. In einem dynamischen Ablauf springen die drei Artisten aus Fernost mal nacheinander durch aufeinander gestapelte Reifen, mal durch- und überqueren sie die Hürden auf interaktive Weise.


Peter Shub, Exit 15

Auch vier Jahrzehnte nach seinem Durchbruch beim Circus Roncalli ist der in Deutschland lebende, amerikanische Komiker Peter Shub immer noch erfolgreich. Bei seinem ersten Auftritt in dieser Vorstellung zeigt er auf der Tribünentreppe unter anderem, wie man an einem Kleiderständer mal so richtig abhängen kann. Danach ist alles gerichtet für den Auftritt des Duos „Exit 15“ am Fangstuhl. Die Partnerin zeigt diverse Hand-und-Fußwechsel sowie spektakuläre Sprünge und Salti und wird anschließend jeweils wieder sicher in den starken Armen des Porteurs gefangen.


Juma, Ess Hödlmoser, Peter Shub

Zwei Männer in Arzt-Kostümen bringen nun ihren vermeintlichen Patienten auf die Bühne. Orthopädische Hilfsmittel wie Halskrause, Oberkörperbandage und Entlastungsstiefel könnten vermuten lassen, dass wir hier ein körperliches Wrack zu Gesicht bekommen. Doch weit gefehlt. Schnell legt der scheinbar Verletzte die Utensilien ab und zeigt nun sein Können als Kontorsionist. Und das ist bei Juma vom afrikanischen Kontinent grandios. Mit sympathischem Lächeln werden die schwierigsten Tricks präsentiert. Noch vom „Cirque de Demain“ 2025 in Paris in Erinnerung haben wir die Darbietung von Ess Hödlmoser – eine Reminiszenz an den Travestiekünstler Barbette, der zu Anfang des 20. Jahrhunderts große Erfolge feierte. Hödlmoser erscheint in einem weiten, an ein Brautkleid erinnernden Reifrock, schwingt sich damit an den Strapaten in die Luft. Erst gegen Ende wird klar, dass es sich hier nicht um eine Dame, sondern um einen muskulösen Mann handelt, der am Ende mit freiem Oberkörper dasteht. Der Rammstein-Song „Mutter“ liefert die musikalische Begleitung. Riesenapplaus ist der Lohn. Mit seinen ganz großen Klassikern – dem imaginären Hund an der Leine und dem Miniatur-Fotoapparat – unterhält uns nochmals Peter Shub.


René Casselly, Truppe Didyk, Duo Requiem

Eine unglaubliche Konzentrationsleistung vollbringt René Casselly: Von seinem anspruchsvollen Langsamen Walzer mit Kathrin Menzinger auf dem Bühnenboden wechselt er direkt in große Höhe. Von James-Bond-Filmmusik begleitet, hangelt er sich mit bloßen Händen von einem Ring zum anderen. Die Ringe sind unterhalb einer Metalltraverse aufgehängt. Von dieser Position aus, in der er sich mit den Händen an zwei Ringen hält, wagt Casselly den Sprung auf die Oberseite seines Todesrades. Das ist schlicht atemberaubend. Seilspringen, hohe Sprünge, ein Sprung im Seitspagat und zwei Rückwärtssalti in Folge sind wesentliche Elemente dieser starken Pausennummer. Zu Beginn der zweiten Hälfte ist das Requisit der Truppe Didyk bereits aufgebaut. Zu den Rammstein-Songs „Engel“ und „Du hasst mich“ springen die Dame und ihre männlichen Partner in spektakulärer Weise von einer russischen Schaukel zur anderen, teils auch zu einer Matte – dies natürlich jeweils in Kombination mit Salti, Pirouetten und einer Passage. Für Nervenkitzel sorgt die Landung der Frau und eines Mannes auf einer in großer Höhe aufgehängten Querstange. Aus dieser Standposition stürzen sie sich jeweils rückwärts wieder in die Tiefe. Auch komplette Überschläge mit der gesamten Schaukel gehören zum Repertoire der Truppe. Sehr beeindruckend ist die Luftnummer des Duos Requiem. Am Beginn zeigt er den Genickhang und trägt gleichzeitig die Partnerin, die verschiedene akrobatische Figuren absolviert. Noch spektakulärer wird es in den Passagen mit doppeltem Zahnhang, bei dem sie als Oberfrau agiert. Am Ende entschwebt er nach oben in die Dunkelheit – da ist der Name Requiem letztendlich Programm.


The Twins, Laura Miller, Mad Flying Bikes

Als „The Twins“ treten zwei junge Asiatinnen auf, die zunächst in hohen Schuhen und auf sinnliche Weise Elemente der Partnerakrobatik präsentieren. Ein Handstand auf dem Becken der Partnerin, die in einer kontorsionistischen Pose steht oder ein Einarmer auf dem Kopf der Unterfrau: Die gezeigten Tricks erfordern Kraft, Balance und Beweglichkeit gleichermaßen. Es gibt wenige Artistinnen und Artisten, deren Namen wir so sehr mit Flic Flac verbinden wie den von Laura Miller. Ihr temperamentvoller Act am Luftring, praktisch direkt unter dem Zeltdach, ist geradezu ein Klassiker. Mehrmals jedoch geht es Richtung Boden. Und zwar immer dann, wenn Laura Miller in ein großes, gläsernes Wasserbassin eintaucht und bald Tröpfchen sprühend wieder in die Höhe steigt. Ein beherzter Sprung ins Becken, aus dessen Umrandung Feuersäulen aufsteigen, liefert den effektvollen Abschluss. In seinem letzten Auftritt, nunmehr auf der anderen Seite der Tribüne, spielt Peter Shub den Tanz der Motte um die Kerze – mit letalem Ausgang für die imaginäre Protagonistin – wie auch die eigene Geburt. Dass Benno Kastein die Zügel in Duisburg nun wieder selbst in der Hand hält, manifestiert sich auch bei der Schlussnummer. Denn er war es, der mit der Tourneeproduktion „No Limits“ im Jahr 2007 erstmals fliegende Motorräder in ein Circuszelt brachte. In den vergangenen knapp zwei Jahrzehnten wurde dieses Genre, das vorher speziellen Shows in großen Stadien vorbehalten war, zu einem triumphalen Publikumserfolg auch in vielen anderen Circussen. Noch immer sind die waghalsigen Flugmanöver, gestartet von einer Schanze auf der frontalen Tribünentreppe und gelandet auf einer breiten Rampe im Artisteneingang, besondere Highlights. Hier in Duisburg sehen wir nun etwas, was wir vorher noch nicht erleben durften: den Backflip, den Rückwärtssalto samt Maschine, von allen vier Fahrern in dichter Abfolge gesprungen!

Und so enthält diese Show – mit der Rammstein-Musik, der Luftring-Nummer von Laura Miller und den fliegenden Motorrädern – einige sehr typische Flic-Flac-Elemente aus der Zeit, als Gründer Benno Kastein das Unternehmen besonders prägte. Mitnichten jedoch bedeutet dies Stillstand, denn die Präsentation der Rammstein-Songs durch eine etablierte Tribute-Band gibt diesem Konzept wieder einen neuen Twist.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll