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Einige der
Tänzerinnen tragen Kopfputze mit Probst-Schriftzug. Sämtliche
Ballett-Kostüme wurden von Stephanie Probst und Artistin Noelia
Pereira Fernandez gefertigt. Ganz Revue-like kommen bei diesem
ersten Auftritt des zehnköpfigen Balletts ein zentrales Podium
und rundherum vier Treppen zum Einsatz. Im Verlauf der Show
werden diese flexiblen Bühnen-Elemente in immer neuen
Variationen angeordnet und verwendet. Im Mittelpunkt des
Openings stehen die erwähnte Lily als Protagonistin sowie Artist
Ignacio Fernandez als eine Art Zeremonienmeister im
Greatest-Showman-Style.
  
Roxana
Rech, Truppe Puje, Gerd Koch
Sogleich machen
wir erstmals Bekanntschaft mit Evan Massot, Sohn des bekannten
Bauchredners Serge Massot. In jungen Jahren zeigt er sich als
Komiker in der Manege bereits extrovertiert und ohne Scheu,
zugleich aber sehr sympathisch. In seiner ersten Szene spielt er
auf der Luftgitarre, die er in einer Kiste findet. Damit ist der
Boden bereitet für die Hula-Hoop-Nummer im Rock’n-Roll-Rhythmus
von Roxana Rech. Freundlich und geschickt lässt sie bis zu
sieben Reifen um Arme, Beine und Körper kreisen, um dann zum
Abschluss ein ganzes Bündel Hula Hoops in Bewegung zu versetzen.
Die Truppe Puje aus der Mongolei hat beim Gelsenkirchener
Weihnachtscircus vor zwölf Jahren ihr Deutschland-Debüt gefeiert
und ist hier nun erneut zu Gast. Sechs Herren und drei Damen
zeigen beim Seilspringen nicht nur ein wirbelnd buntes Bild,
sondern auch richtig starke Tricks. So werden beim Seilspringen
auch Handvoltigen geflogen, der Körper einer Artistin dient als
menschliches Sprungseil. Auch im Drei-Personen-Hoch wird das
rotierende Seil überquert. Nach wie vor hält die Familie Probst
bei ihrer Programmauswahl am klassischen Dreiklang aus Artistik,
Clownerie und eben Tierdressuren fest. In dieser Kategorie
stellen Stephanie Probst und Gerd Koch zunächst eine Kombination
von jeweils drei Pferden und Lamas vor. Da werden unter anderem
Achten gelaufen und Hürden übersprungen.
  
Evan Massot,
Probst Dance Crew, Ignacio Fernandez
Graue Hose, weißes
Hemd und orangefarbene Details – Knöpfe, Hosenträger, Socken und
das Nike-Logo an den weißen Sneakern – bilden das stilvolle
Outfit von Evan Massot alias „The Orange Guy“. Der Komiker
möchte sich als „Star der Show“ in den Mittelpunkt rücken. Der
Zeremonienmeister fordert ihn zunächst auf, die Manege zu
verlassen, dann jedoch animiert er ihn zum Jonglieren. Dieser
Aufforderung kommt Evan Massot mit – natürlich orangefarbenen –
Bechern nach. „Voulez vous chanter avec moi?“ – Wollen Sie mit
mir singen? – interpretiert Lily die familientaugliche Variante
des bekannten Songs im Zentrum einer Ballett-Szene mit
Moulin-Rouge-Atmosphäre. Die sechs Stühle, die dabei zum Einsatz
kommen, nutzt Ignacio Fernandez sogleich, um sie zur Pyramide zu
türmen und darauf zu balancieren, assistiert von seiner Frau
Noelia Pereira Fernandez in einem Kostüm mit traumhaftem
Kopfschmuck.
  
Dennis
Hackmann, Gerd Koch, Celina Probst
Dennis Hackmann,
der die Familie Probst in vielen Belangen unterstützt, erhält
hier die Gelegenheit, seine Kubusjonglagen vor großem Publikum
zu zeigen. Mit dem Ballett im Hintergrund wird die Darbietung
ansprechend aufgewertet. Nochmals Tiere präsentiert Gerd Koch
gemeinsam mit Ehefrau Marietta. In einem lebhaften Ablauf
erleben wir Hunde verschiedener Rassen unter anderem als Reifen-
und Hürdenspringer – und Gerd Koch wie gewohnt als gut gelaunten
Entertainer, der auch sich selbst offensiv in Szene setzt. Für
den „ewig jungen Circus“ steht das Debüt von Celina Probst,
Tochter von Stephanie Probst und Sergiu Mosanu, am Luftring.
Posen am still hängenden und am über der Manege kreisenden
Requisit, ein Wirbel zum Abschluss – die freundlich lächelnde
Nachwuchsartistin nutzt die Möglichkeiten des Genres gut und
wird von einem live schön gesungenen „Voilà, voilà, voilà“
begleitet.
  
Puje Girls, Flying
Weiss junior, Duo Rapolli
Moderatorin Lily
spricht bei der Ankündigung der nächsten Nummer über die Rolle
der Körperbeherrschung im Circus. So wird das Motto „It‘s
Showtime“ zwar immer wieder thematisch aufgegriffen, aber im
Gegensatz zu dem regelrechten Märchen-Singspiel vor einem Jahr
wird diesmal auf eine durchgehende Handlung verzichtet. Der
Fokus liegt stärker auf den eigentlichen Darbietungen,
beispielsweise bei der dreifachen Kontorsion der Puje-Girls. Mal
auf- und mal nebeneinander stellen die bezaubernden jungen Damen
die enorme Biegsamkeit ihrer Körper unter Beweis. Höhepunkt ist
der Mundstand aller drei Akteurinnen. „Spannend – aufregend –
Nervenkitzel pur“: Mit großen Worten kündigt Lily die
Pausenummer an. Am Flugtrapez präsentieren die „Flying Weiss
junior“ mit Fänger, zwei Fliegern und einer Fliegerin ein
anspruchsvolles Repertoire bis hin zum „Dreifachen“ mit
verbundenen Augen und der Passage unter Mitwirkung der Dame.
Stark geht es auch zum Beginn der zweiten Hälfte weiter, denn
diese wird vom Duo Rapolli mit seinen Jonglagen mit Fußbällen
und Keulen eröffnet. Wenn Helena von den Schultern auf den Kopf
ihres Partners steigt, während beide mit Keulen jonglieren,
brandet stürmischer Applaus auf. Die sich dramatisch steigernde
Musikbegleitung und ein effektvoll verkaufter Scheinsturz tragen
enorm zur Wirkung bei.
 
Stephanie Probst,
Duo Massot-Rech
Die Pferdedressur
sei „tief verwurzelt in der Circuskunst“, die Manege der Rösser
wegen rund – mit diesen Worten leitet uns Lily zum großen
Auftritt von Stephanie Probst hin. Die Juniorchefin des Hauses
dirigiert gewohnt charmant einen schwarz-weißen Sechserzug,
leitet die Tiere zu Drehungen in Dreiergruppen oder zum
Gegenlauf an. Auch Steiger dürfen nicht fehlen. Dabei assistiert
Gerd Koch. Von Mary Poppins über James Bond bis zu den Blues
Brothers – Roxana Rech und Michael Massot präsentieren uns in
ihrer rasanten Quickchange-Nummer auf charmante Weise sowie mit
entsprechenden Kostümen und Musiken bekannte Figuren der
Kinowelt. Eine Besonderheit ist, wie erst sie und dann er
jeweils in einem Tuchsack gleich drei Mal hintereinander das
Kostüm wechseln. Und es bleibt cineastisch, wenn Michaels Bruder
Evan Massot jugendlich-unbekümmert, mit eigener Note und hohen
Anforderungen an die vier Mitspieler aus dem Publikum – drei
Herren, eine Dame – seine Variante der Filmszene zur Aufführung
bringt.
  
Claudia
Rapolli, Evan und Michael Massot
Von Kopf bis Fuß
mit kleinen Spiegeln besetzt sind die Kostüme, in denen die
Probst Dance Crew auf den flexiblen Treppenelementen den Boden
für den großen Auftritt von Claudia Rapolli bereitet. Die
15-Jährige gefällt auch in Gelsenkirchen nicht nur mit ihrem
überaus sympathischen Auftreten und offensichtlicher Freude am
Tun, sondern auch mit starken Tricks. Dazu gehören
beispielsweise eine Art Rad, das vorwärts und rückwärts
geschlagen wird, Spagat, Pirouetten und der Sprung durch einen
brennenden, mit Messern gespickten Reifen. Neuer, großartiger
Spitzentrick ist eine Art Rad, bei dem jedoch das Seil nicht
mehr mit den Händen berührt wird. „Are you ready for Rock’n’Roll?“
ist bei seinem letzten Auftritt Evan Massots Frage ans gesamte
Publikum. Mithilfe seiner Ukulele im Lidl-Look bringt er die
Gäste zum Singen und Klatschen. Wieder wechselt er sich in der
Manege mit seinem Bruder ab, nun in umgekehrter Reihenfolge.
Denn jetzt ist es an Michael Massot, uns seine hochkarätigen
Diabolospiele zu präsentieren. Drei der Doppelkegel bewegt er
auch mit Touren hinter seinem Rücken; zum Abschluss lässt er
vier der Requisiten fliegen und fängt sie wieder.
 
Duo
Martinez, Truppe Puje
Ein weiteres
Glanzlicht setzt das Duo Martinez mit seiner Zopfhangnummer.
Zunächst schweben beide parallel an ihren Haaren und zeigen
gemeinsam akrobatische Figuren. Dann trägt sie ihn im doppelten
Zopfhang, unter anderem während er sich in einem Wirbel dreht.
Besonders jedoch sticht der Schlusstrick hervor, bei dem der
männliche Partner mit den Haaren ein an Strapatenbändern
hängendes Motorrad hält, auf dem die Partnerin sitzt. In der
Besetzung mit sieben Herren und einer Dame sorgt die Truppe Puje
für die Schlussnummer, nunmehr mit Handvoltigen. Unter anderem
eine Passage sowie Salti zum Drei-Personen-Hoch gibt es zu
sehen, stets mit einem Lächeln im Gesicht der Artisten
dargeboten.

Finale
Das ganz große
Schaubild folgt dann zum Finale, wenn die Ballettdamen in weißen
Kostümen erscheinen, wiederum mit Federschmuck oder mit
Kopfputzen mit Probst-Schriftzug. Auch Sängerin Lily und der
Zeremonienmeister haben nochmals ihren Auftritt auf dem Podium
und den Treppen. Es sind überwältigend schöne Bilder, zumal sich
das gesamte Ensemble zu dieser Schlusssequenz (fast) „ganz in
Weiß“ versammelt. Natürlich trägt auch das aufwendige
Lichtdesign von Andreas Probst seinen Teil zu diesem positiven
Eindruck bei, ebenso wie die Musik des Orchesters. |