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Karlsruhe, 26. Dezember 2025: Vieles ist uns bestens vertraut im Karlsruher Weihnachtscircus, haben wir doch seit der Gründung keine Ausgabe verpasst. Und dennoch werden am erfolgreichen Konzept immer wieder kleine Stellschrauben gedreht. In diesem Winter gibt es erstmals seit langem Motive aus der Show auf der Titelseite des von Circusmanager Kevin Leppien wunderbar gestalteten Programmheftes. Die Ausstattung des Vorzeltes, das weiterhin üppig dekoriert ist, wurde ein wenig überarbeitet. So findet sich nun beispielsweise eine große Getränkebar rechts vom Eingang. Die auffälligste Veränderung betrifft jedoch das Spielzelt selbst.

Die großen, beleuchteten Showtreppen sind verschwunden. Sie haben den Artisteneingang seit der vierten Saison optisch geprägt. Stattdessen prangen über den beiden seitlichen Vorhängen links und rechts nun flache Projektionsflächen, auf denen im Verlauf der Show immer wieder passende Motive zum jeweiligen Act zu sehen sind, beispielsweise eine Herde von Pferden bei der Freiheitsdressur.


Opening mit Showballett

„Fehlt nicht etwas?“, ruft Moderator Giovanni Biasini im Opening. Was er hier meint, sehen wir, als sich nun der mittlere der roten Vorhänge erstmals öffnet: die schon legendäre Eisenbahn, die hier fast in jeder Saison durch die Eröffnungsszene fährt, besetzt mit einem großen Teil des Ensembles. Vom Dach winkt ein prächtiger Weihnachtsmann im Rentierschlitten. Kleine Geweihe tragen auch die sechs Tänzerinnen des Balletts, Solo-Violinistin Evelin Podolianchuk spielt inmitten der Manege, und auf dem Orchesterpodium begleiten sie die bewährten Musiker von Misha Kohoklov aus der Ukraine. Natürlich singt wieder Karen McDawn aus Österreich. Wie gewohnt überzeugt sie nicht nur mit ihrer starken Stimme, sondern auch mit ihrer temperamentvoll-extrovertierten Art.


Dezhou Acrobatic Troupe, Ballett

In die Kategorie „bestens vertraut“ passt auch die Dezhou Acrobatic Troupe – dies allerdings nicht aus dem Karlsruher Weihnachtscircus, sondern aus dem Tourneeprogramm und den beiden Weihnachtsproduktionen des Zirkus Charles Knie. Die chinesischen Damen bewegen zum Auftakt Fischfiguren an langen Stäben, ihre Landsmänner tragen Kostüme mit Schuppenmuster. Neben diesem maritimen Thema widmen die Akrobaten sich aber vorwiegend ihren hervorragenden Leistungen beim Reifenspringen, mal in dichter Abfolge nacheinander, mal in entgegengesetzter Richtung durch aufeinander stehende Reifen und schließlich in immer größere Höhen. Ein eindrucksvoller Start in die Spielfolge. Immer wieder gerne erfreuen wir uns an den humorvollen und mit hervorragender Mimik, aber stumm gespielten Szenen von Clown André (Broger), der erstmals von der Direktionsfamilie Joachim und Rosemarie Sperlich engagiert wurde. Zunächst geht er auf die Jagd nach einer imaginären Fliege, die hier zuletzt und somit bekanntlich am besten lacht. Mystisch wird es, wenn das Ballett in orientalischen Kostümen und, in der abgedunkelten Manege, mit leuchtenden Kugeln in den Händen die nächste Darbietung einleitet.


Giovanni Kaselowsky, Miss Dorothea

Nach vier Jahren zurück beim Karlsruher Weihnachtscircus ist Giovanni Kaselowsky, der wiederum eine hervorragend laufende Freiheitsdressur mit drei Schimmeln und drei Braunen vorstellt. Die Variante des Gegenlaufs in zwei Gruppen mit jeweils drei Pferden nebeneinander, gleichzeitiges Drehen aller Tiere in gegenläufige Richtungen, Flechten zu dritt oder der Rückwärtsgang zweier Rösser gehören zum Repertoire. Besonders eindrucksvoll wirkt natürlich der Gruppensteiger des gesamten Sechserzuges. Die nächste Tiernummer folgt direkt im Anschluss. Aus der im Programmheft genannten Schafherde wird hier ein Solo-Schaf. Für diese kleine Dressur wählt Miss Dorothea – alias Barbara Schnegg – auf ironische Weise den ganz großen Auftritt, dies im zweifarbigen Revue-Kleid und mit einem gewaltigen Federschmuck auf dem Kopf. Einen Teppich ausrollen, Futter vom Mund der Vorführerin abnehmen, mit solcherlei Kunststücken unterhält uns das brave Schaf.


Trio Auria, Flying Henriqez

Wenn Clown André zwei Brotscheiben aus einem Toaster springen lassen und in einem silbernen Korb auf seinem Kopf fangen will, dann findet auch diese amüsante Geschichte – wie schon zuvor bei der Fliegen-Reprise – einen etwas anderen Abschluss als erwartet. Den bezaubernden jungen Frauen des Trios Auria hätte man ein erhöhtes Podium gegönnt, denn aufgrund der Arbeit direkt am Boden sind ihre lebenden Statuen nicht optimal zu sehen. In kunstvoller Weise türmen die drei Damen ihre Körper aufeinander. Schwierige Tricks, bis hin zum Spagat auf jeweils einem nach oben ausgestreckten Arm der Unterfrauen, werden stets mit einem Lächeln präsentiert. Alles, was uns in diesem schönen Programm gezeigt wird, hat Qualität, nur fällt es nicht ganz leicht, mit den zur Verfügung stehenden Darbietungen den ganzen Abend zu füllen. So ist offenbar eine gewisse Streckung erforderlich, um den ersten Programmteil auf eine volle Stunde zu bringen. Erst eine Licht- und Lasershow, dann ein Auftritt des von der Violinistin begleiteten Balletts auf den Tribünentreppen, dann schließlich ein Einsatz des Balletts in der Manege mitsamt der singenden Karen McDawn („Lets get loud“) sind dem Netzaufbau und der großen Trapeznummer der „Flying Henriquez“ vorangestellt. Truppenchef Patricio Alexis Henriquez Rojas aus Chile beeindruckt mit seinem Rückwärtssalto mit Piroutte. Zu den Besonderheiten dieser Nummer gehören darüber hinaus die beiden äußeren Bahnen auf denen – hier ohne Fänger – eingangs von Schaukel zu Schaukel gesprungen wird. Der Dreifache mag einem jüngeren Flieger in dieser Vorstellung auch beim dritten Versuch nicht gelingen. Dafür wird die nachfolgende Passage sicher beherrscht. Mit einem Transparent mit Schriftzug „Pause“, das die Tänzerinnen des Balletts ausrollen, werden wir in die Unterbrechung verabschiedet.


Familie Kaselowsky, Face Team

Zum Auftakt der zweiten Hälfte bringt die Familie Kaselowsky – die Eltern Giovanni und Angela mit einem ihrer Söhne – begleitet von schwungvoller Livemusik ihre Haustierrevue in den roten Ring. Schwarz-weiß sind sowohl die Ziegen als auch die Hunde. Erstere beweisen ihre Geschicklichkeit beim Balkenlauf, beide Tierarten üben sich im Reifenspringen. Nach dem „Ententanz“ watscheln tatsächlich aus einem kleinen Circuswagen Enten heraus und sausen unter anderem eine Rutschbahn hinunter. Die Laune bleibt gut, wenn André Broger anschließend sein Wischmopp-Duett mit sich selbst performt. Allein die unzähligen Kopien dieser Nummer durch andere Clowns beweisen, dass sie ein echter Klassiker ist. Doch Andrés Variante ist unverwechselbar und unerreicht. Die immer weiter steigende Zahl an Weihnachtscircussen bringt es mit sich, dass auch Circustruppen offensichtlich beliebig geklont werden können und letztendlich müssen, um die ganzen Shows zu füllen. Und so gibt es in diesem Winter die Basketball-Akrobatik des Face Teams aus Ungarn außer im knapp 90 Kilometer entfernten Heilbronn auch in Karlsruhe. Das Erfolgsrezept ist das gleiche: Die sportlichen Jungs, hier sechs an der Zahl, korben ihre Bälle nach Sprüngen über ein kleines Trampolin auf alle möglichen, spektakulären Weisen ein, auch in Kombination mit Pirouetten, Salti und der Überquerung von Partnern. Dazu gibt es ein mitreißendes musikalisches Medley mit unter anderem „YMCA“, Tanzeinlagen und Jonglagen, die einer der Artisten mit den großen Bällen beherrscht. Mal lässt er sie, auch zwei aufeinander, auf einem Finger rotieren, mal schickt er sie zu diversen Wurfmustern in die Luft. Insgesamt ein großer Spaß!


Rocio Henriquez, Evelin Podolianchuk

Mit einem stimmungsvollen Tanz in beleuchteten Kostümen zu „Carol of the Bells“ von Lindsey Stirling – hier auf der Violine gespielt von Evelin Podolianchuk – leitet das Ballett über zur Darbietung von Rocio Henriquez am Flying Pole. Mit strahlendem Lächeln kreist sie in schnellen Wirbeln ums Requisit. Freilich ist der Auftritt auch schnell wieder vorüber. Sehr gut kommt beim Publikum die Szene an, die sich am stärksten mit dem Namen von André Broger verbunden hat, sein Kampf gegen einen „Haifisch“ in einer großen, blauen Badewanne.


Skating Rebels, Dezhou Acrobatic Troupe

Bei verschiedenen Engagements erlebten wir in der Vergangenheit das junge Duo „The Skating Rebels“. Gergö Török ist geblieben, doch inzwischen arbeitet er mit Vivien Lauri als neuer Partnerin. Auch mit ihr bringt er in hohem Tempo alle Facetten einer klassischen Rollschuhnummer auf die kleine, runde Fläche, bis hin zu ihrem Genickhangwirbel. Besonders eindrucksvoll sind die Passagen, bei denen Vivien Lauri an nur einem Fuß gehalten fliegt und dem Podium mit dem Kopf immer wieder bedrohlich nahe kommt. Noch einmal begeistert uns die Dezhou Acrobatic Troupe, nunmehr mit Diabolospielen in einer ganz großen Choreographie mit allen 14 Personen – mal stehen fünf Jungs nebeneinander und geben ein Diabolo von Schnur zu Schnur weiter; mal lässt ein Damen-Quartett vier der Doppelkegel synchron tanzen, mal gibt es Passagen für Solisten, dies in Kombination mit Salti und Pirouetten. Gewohnt ausführlich zelebriert wird das anschließende Finale mit dem gesamten Ensemble. Das Publikum spendet tosenden Applaus.

Auch nach der 16. Ausgabe dieser Traditionsveranstaltung bleibt festzuhalten, dass die Familie von Joachim und Rosemarie Sperlich längst ihren eigenen Weg gefunden hat, Weihnachtscircus zu spielen: Klassische Programme werden mit volltönender Livemusik, Ballett, Gesang und übrigens auch tollem Licht zu einer glanzvollen Show mit einer guten Prise Las-Vegas-Atmosphäre kombiniert. Mit der Dinnershow „Fächerpalast“, die direkt nebenan im separaten Chapiteau stattfindet, befindet sich das Unternehmen darüber hinaus auf Expansionskurs – über ihren zweiten Weihnachtscircus in Trier und die Sommertournee mit dem „Zirkus des Horrors“ hinaus.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll