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Circus Krone - Winter 2025/26
www.circus-krone.de ; 212 Showfotos

München, 17. Januar 2026: Der Circus Krone ist so etwas wie die letzte Bastion des ganz großen, internationalen Circus auch mit Wildtieren. Wie selbstverständlich erleben wir im Winterprogramm im Münchner Stammhaus Löwen, außerdem als domestizierte Arten Kamele und Pferde. Mit all diesen Tieren arbeitet auch der volljährig gewordene Direktionssohn Alexis Lacey-Krone. Das Engagement, mit dem er sich der Aufgabe als Tierlehrer widmet, setzt ein Zeichen. Ein Statement, dass die Familie Lacey-Krone an ihrem Weg festhält und Circus als Dreiklang von Tieren, Clowns und Akrobaten versteht.

„Ich. Du. Wir. Krone“ ist das Programmotto in diesem Winter. Ein Slogan, der die besondere Verbindung zwischen dem nach eigener Lesart „größten Circus der Welt“ und seinem Publikum in den Mittelpunkt stellt. In großen Buchstaben steht er auf dem schönen Plakatmotiv, das natürlich auch die Titelseite des edel gestalteten Programmheftes ziert. Beim Studium der Spielfolge im Magazin kann man vorab den Eindruck gewinnen, der clowneske Part sei vollkommen überbesetzt – mit den Starclowns Fumagalli und Daris, mit den wunderbaren Komikern „I Baccala“ und dem traditionellen Spaßmacher Lorenzo Carnevale alias Mister Lorenz. Im Verlauf des Abends zeigt sich, dass die Trilogie italienischen Humors sich ergänzt anstatt in Konkurrenz zu treten.


Opening, Alexis Lacey-Krone

Schon einige Minuten vor dem Beginn der eigentlichen Vorstellung wärmen „I Baccala“ alias die Schweizerin Camilla Pessi und ihr italienischer Partner Simone Fassari das Publikum mit ihren Späßen rund um einen Apfel auf. Als das Licht im gut besuchten Saal erlischt, schlüpft Fumagalli in seinem roten Livree wieder einmal in die Rolle des „komischen Dirigenten“ und eröffnet so die Ouvertüre, gespielt vom Circus-Krone-Orchester unter der Leitung von Oleksandr Krasyun. Bei einer Flaggenparade und einem Charivari mit artistischen Kostproben, beides kompakt gehalten, wird deutlich, dass uns hier ein großes Ensemble erwartet. Groß sind auch die vier Kamele, die Alexis Lacey-Krone gleich im Anschluss durch eine Dressurfolge leitet. In ruhigem Tempo werden Figuren wie der Gegenlauf absolviert.


Mister Lorenz, Ultra Jumpers, Melanie Chy

Während „I Baccala“ und Fumagalli ganz überwiegend in der Manege auftreten, ist Mister Lorenz' Bühne der Zuschauerraum. Er begibt sich diesmal in die Rolle eines Besuchers, der zu spät zur Vorstellung kommt und mehr ungeniert denn dezent nach seinem Platz sucht. Später dürfen wir an einem Handy-Telefonat teilhaben, das er in relativer Seelenruhe führt. Auf kleinen Tierfiguren von einem mobilen Souvenirstand wird von ihm „musiziert“. Das alles ist unterhaltsam und macht wirklich Spaß. Ein kurioses Requisit haben die Herren der Truppe „Ultra Jumpers“ aus der Mongolei mit nach München gebracht. Es besteht aus einer hohen Plattform, von der die Akteure zu zwei von Gummibändern gehaltenen, schrägen Brettern hinunterspringen und sich so wieder in die Höhe katapultieren. Der „Ausschlag“ der Sprungbretter fällt geringer aus, als man sich das beim Betrachten der Konstruktion zunächst vorstellen mag. Per Handvoltigen werden einzelne der Artisten auf die Plattform befördert oder von dort zu den Sprungbrettern transferiert. Die Pirouetten und Salti werden auf der Matte, auf den Händen zweier sich gegenüber stehender Untermänner oder an der Spitze eines Drei-Personen-Hoch gelandet. Mehr als 30 Jahre nach ihrem Debüt im Kronebau freut sich Melanie Chy über ihre Rückkehr in die legendäre Spielstätte an der Marsstraße. Ihr Name ist fest verbunden mit ihrem außergewöhnlichen Act, einer Handstand-Akrobatik auf einem Motorrad. Die zu Handstäben ausfahrenden Lenkerstangen dienen ihr als Untergrund auch für Einarmer. Fortwährender Jubel begleitet den Auftritt der Artistin, die sich hier in der Rolle der coolen Rockerin zeigt.


William Tournoud, I Baccala, Lilla Csepregi

So wie Melanie Chy gibt auch William Tournod einem traditionellen Genre einen ungewöhnlichen Twist, denn er arbeitet seine Rola-Rola-Nummer auf einer Plattform, die in die Höhe gezogen wird. Ein gefahrvolles Spiel und ein spektakuläres Bild, dargeboten von einem sympathisch strahlenden jungen Mann im weißen Anzug. Seilspringen, ein Trick mit verbundenen Augen und schließlich Balancen auf einem Turm aus mehreren abwechselnd stehenden und liegenden Rollen sind Kernbestandteile seines Repertoires. Ihren ersten großen Auftritt haben „I Baccala“ mit ihrer komischen Partnerakrobatik, die nicht nur allerlei Gags, sondern auch beeindruckende artistische Kabinettstückchen bis hin zum Kopf-auf Kopf enthält. Das Publikum geht begeistert mit, klatscht und pfeift. Als tolle Neuentdeckung haben wir im vergangenen Winter bei „Salto“ in Zürich die Slackline-Nummer der jungen Ungarin Lilla Csepregi wahrgenommen. Umso erfreulicher, dass sie nun im Kronebau engagiert ist. Ein erster Überraschungseffekt ist, wie sie zu Beginn der Nummer ihr schlichtes Hemd abstreift und darunter ihr buntes Kostüm zum Vorschein kommt. Vor allem aber begeistert sie bei ihren Sprüngen, Salti und Pirouetten mit viel Power und toller Ausstrahlung. Genretypisch werden die meisten Tricks auf dem federnden Band in sitzender Position gelandet, einige jedoch auch im Stehen. Mit ihrer „Tuch-Zauberei“, die natürlich keine ist, unterhalten Fumagalli und Daris einmal mehr.


Krones Reiterspiele mit u.a. Alexis Lacey-Krone, Sven Jahn-Munoz, Aida Rouault

Bereits im neuen Saisonprogramm „Farbenspiel – Gold Edition“ präsentierte der Circus Krone seine „Reiterspiele“. Für den Winter wurde nun eine neue Variante zusammengestellt. Den Auftakt machen Jana Lacey-Krone, Sohn Alexis und Aida Rouault mit einer dreifachen Hohen Schule, stimmungsvoll in Szene gesetzt mit einer Violinistin aus dem Krone-Orchester, die inmitten der Manege spielt. Hausartist Sven Jahn-Munoz zeigt eine Stehendreiterei auf zwei Rössern, Jockey-Tricks und ein Zwei-Personen-Hoch zu Pferd gemeinsam mit Alexis Lacey-Krone, der in sitzender Position auf einem Pferd als Untermann agiert. Temporeich und spektakulär sind insbesondere die Dshigitenreiter-Tricks, die drei mongolische Artisten und Aida Rouault abwechselnd und teils synchron vorstellen. Letztere war Teil der rein weiblichen Reiterformation „Nagaika Tribe“, die im Würzburger Weihnachtscircus 2024/25 des Circus Krone für die Schlussnummer gesorgt hatte.


Flying Royals, Martin Lacey jun.

Für den spektakulären Abschluss des ersten Programmteils sorgen „The Flying Royals“ mit neun Damen und Herren. Ihr Flugtrapez umfasst zwei über Kreuz angeordnete Flugbahnen. Auf der Hauptbahn sehen wir die klassische Abfolge von Plattform, Schaukel und Fänger, auf der kreuzenden Bahn befinden sich auf beiden Seiten jeweils eine Plattform und dazwischen zwei Schaukeln. Das erlaubt außergewöhnliche Flugkombinationen – etwa nach einem Salto auf der Längsbahn und dem Catchen durch den Fänger auf der seitlichen Plattform zu landen. Und auch hält sich ein Flieger als menschliche Hürde zwischen den zwei Trapezen auf der seitlichen Bahn in der Luft, während ihn eine Fliegerin per Salto überquert. Leider werden an diesem Abend nicht alle der schwierigen Salti und Pirouetten gefangen, darunter der „Dreifache“. Tradition hat der Aufbau des Raubtierkäfigs in der Pause, neu ist ein „Rollenwechsel“: Nach seinem Debüt im vergangenen Winter übernimmt Alexis Lacey-Krone nun den Hauptteil der Dressurvorführung. 13 Löwen animiert er zum Hochsitzen, dann ein Quartett zu wilden Sprüngen über Podeste und am Käfiggitter entlang. Elf Tiere laufen als imposantes Rudel im Kreis und legen sich zum Teppich ab. Nach dem Sprung eines einzelnen Löwen über den knienden Jung-Tiertrainer übernimmt dann doch noch sein Vater Martin, der mit einer Löwin und einem Löwen Schmuseeinheiten demonstriert und sich auf den Boden legt, um sich von den große Katzen bedecken zu lassen.


Liazeed Angels, Fumagalli und Zuschauerin

Den anschließenden Umbau überbrücken zunächst Fumagalli, Daris und zwei Bläser aus dem Orchester, die das Publikum mit auf eine musikalische Reise durch Europa nehmen. Von einem französischen Cancan über „Volare“ und „Eviva Espana“ bis „In München steht ein Hofbräuhaus“ darf mitgesungen werden. Auch gut zwei Jahrzehnte, nachdem wir das fabelhafte Duo „I Baccala“ erstmals erleben durften, ist es immer wieder herrlich, Camilla Pessi und ihrem italienischen Partner Simone Fassari dabei zuzusehen, wie sie sch mit ihrer großen Leiter mitten durch die Zuschauerreihen kämpfen, so dass die verdutzten Gäste ihre Köpfe einziehen müssen. Ein einzelner Besucher muss damit leben, dass die Komikerin sich im freien Stand auf seinen Schultern übt. Rockige Töne werden angeschlagen, wenn die sechs charmanten jungen Damen der „Liazeed Angels“ zu ihren Flügen, Umschwüngen und Salti an zwei parallel angeordneten Reckstangen starten. Die ehemaligen Leistungssportlerinnen aus mehreren Nationen wurden von Zaida Liazeed für die Manege gewonnen und darauf vorbereitet. Ihren Abschied vom Circus hatten dagegen Fumagalli und Daris Ende 2024 beim Kölner Weihnachtscircus gefeiert. Das große Comeback folgte bereits im Krone-Saisonprogramm 2025, und nun ist ihr Bienchen-Entree wieder einmal der Lachschlager im Winterprogramm. Auftrittsmüde wirken die beiden Herren keineswegs, ebenso wenig wie Sprechstallmeister Nicolai Tovarich, der auch hier als seriöser Part in dem Clowns-Entree agiert.


Jana Mandana Lacey-Krone, Truppe Jining

Im Dirndl und zu Schlager-Hits wie „Hulapalu“ und der „Lampe aus den 70ern“ stellt Direktorin Jana Mandana Lacey-Krone ihre Freiheitspferde im „Münchner Stil“ vor. Auf die prachtvollen, lackschwarzen Nonius-Hengste folgt eine entzückende Parade von sieben unterschiedlich großen Ponys in verschiedensten Fellfarben. Die absolvierten Figuren sowie Knicks und Steiger bei den Ponys laufen einwandfrei. Ihre Leiter benötigen „I Baccala“ dann auch für ihren letzten Auftritt. Sie dient nun dazu, gemeinsam ans Trapez zu gelangen. Natürlich funktionieren die Übungen hoch oben nicht so ganz planmäßig und gleichen mehr einer Auseinandersetzung. Das alles ist herrlich witzig. Den Schlusspunkt unter die Spielfolge setzen die sieben chinesischen Artisten der Truppe Jining mit ihren Jonglagen zu dramatisch klingender Musik vom Band. In sportlichen Baseball-Outfits lassen sie die Keulen fliegen, beispielsweise in zwei Zwei-Mann-Hochs, die zwei weitere Artisten ebenfalls aufeinander stehend und jonglierend durchqueren. Neben verschieden Formationen am Boden folgt eine Variante mit zwei Drei-Personen-Hoch – und auch Mister Lorenz mischt sich als „Special Guest“ jonglierend ein. Das ganze Programm wird durchgehend in aufwendiges, farbenprächtiges Licht getaucht.

Abwechslungsreiche Tiernummern, interessante artistische Acts und hochklassige Clownerie, die trotz der ungewöhnlichen Besetzung mit zwei Duos und einem Solo-Komiker maßvoll und miteinander harmonierend eingesetzt wird: Insgesamt ergibt diese Mischung einen wunderbaren, außergewöhnlich unterhaltsamen Circus-Abend. Letzteres gilt auch für das von Davide Rados in Szene gesetzte Finale, in dem das gesamte Ensemble sich letztendlich in Bademänteln Richtung Ausgang verabschiedet und Fumagalli seine „Herzdame“ entdeckt, die sich jedoch mehr für seinen Bruder Daris interessiert. Das Publikum im gut besetzten Zuschauerraum bedankt sich letztendlich mit Standing Ovations.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll