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„Ich. Du. Wir.
Krone“ ist das Programmotto in diesem Winter. Ein Slogan, der
die besondere Verbindung zwischen dem nach eigener Lesart
„größten Circus der Welt“ und seinem Publikum in den Mittelpunkt
stellt. In großen Buchstaben steht er auf dem schönen
Plakatmotiv, das natürlich auch die Titelseite des edel
gestalteten Programmheftes ziert. Beim Studium der Spielfolge im
Magazin kann man vorab den Eindruck gewinnen, der clowneske Part
sei vollkommen überbesetzt – mit den Starclowns Fumagalli und
Daris, mit den wunderbaren Komikern „I Baccala“ und dem
traditionellen Spaßmacher Lorenzo Carnevale alias Mister Lorenz.
Im Verlauf des Abends zeigt sich, dass die Trilogie
italienischen Humors sich ergänzt anstatt in Konkurrenz zu
treten.
 
Opening,
Alexis Lacey-Krone
Schon einige
Minuten vor dem Beginn der eigentlichen Vorstellung wärmen „I
Baccala“ alias die Schweizerin Camilla Pessi und ihr
italienischer Partner Simone Fassari das Publikum mit ihren
Späßen rund um einen Apfel auf. Als das Licht im gut besuchten
Saal erlischt, schlüpft Fumagalli in seinem roten Livree wieder
einmal in die Rolle des „komischen Dirigenten“ und eröffnet so
die Ouvertüre, gespielt vom Circus-Krone-Orchester unter der
Leitung von Oleksandr Krasyun. Bei einer Flaggenparade und einem
Charivari mit artistischen Kostproben, beides kompakt gehalten,
wird deutlich, dass uns hier ein großes Ensemble erwartet. Groß
sind auch die vier Kamele, die Alexis Lacey-Krone gleich im
Anschluss durch eine Dressurfolge leitet. In ruhigem Tempo
werden Figuren wie der Gegenlauf absolviert.
  
Mister
Lorenz, Ultra Jumpers, Melanie Chy
Während „I Baccala“
und Fumagalli ganz überwiegend in der Manege auftreten, ist
Mister Lorenz' Bühne der Zuschauerraum. Er begibt sich diesmal
in die Rolle eines Besuchers, der zu spät zur Vorstellung kommt
und mehr ungeniert denn dezent nach seinem Platz sucht. Später
dürfen wir an einem Handy-Telefonat teilhaben, das er in
relativer Seelenruhe führt. Auf kleinen Tierfiguren von einem
mobilen Souvenirstand wird von ihm „musiziert“. Das alles ist
unterhaltsam und macht wirklich Spaß. Ein kurioses Requisit
haben die Herren der Truppe „Ultra Jumpers“ aus der Mongolei mit
nach München gebracht. Es besteht aus einer hohen Plattform, von
der die Akteure zu zwei von Gummibändern gehaltenen, schrägen
Brettern hinunterspringen und sich so wieder in die Höhe
katapultieren. Der „Ausschlag“ der Sprungbretter fällt
geringer aus, als man sich das beim Betrachten der Konstruktion
zunächst vorstellen mag. Per Handvoltigen werden einzelne der
Artisten auf die Plattform befördert oder von dort zu den
Sprungbrettern transferiert. Die Pirouetten und Salti werden auf
der Matte, auf den Händen zweier sich gegenüber stehender
Untermänner oder an der Spitze eines Drei-Personen-Hoch
gelandet. Mehr als 30 Jahre nach ihrem Debüt im Kronebau freut
sich Melanie Chy über ihre Rückkehr in die legendäre Spielstätte
an der Marsstraße. Ihr Name ist fest verbunden mit ihrem
außergewöhnlichen Act, einer Handstand-Akrobatik auf einem
Motorrad. Die zu Handstäben ausfahrenden Lenkerstangen dienen
ihr als Untergrund auch für Einarmer. Fortwährender Jubel
begleitet den Auftritt der Artistin, die sich hier in der Rolle
der coolen Rockerin zeigt.
  
William Tournoud, I
Baccala, Lilla Csepregi
So wie Melanie Chy
gibt auch William Tournod einem traditionellen Genre einen
ungewöhnlichen Twist, denn er arbeitet seine Rola-Rola-Nummer
auf einer Plattform, die in die Höhe gezogen wird. Ein
gefahrvolles Spiel und ein spektakuläres Bild, dargeboten von
einem sympathisch strahlenden jungen Mann im weißen Anzug.
Seilspringen, ein Trick mit verbundenen Augen und schließlich
Balancen auf einem Turm aus mehreren abwechselnd stehenden und
liegenden Rollen sind Kernbestandteile seines Repertoires. Ihren
ersten großen Auftritt haben „I Baccala“ mit ihrer komischen
Partnerakrobatik, die nicht nur allerlei Gags, sondern auch
beeindruckende artistische Kabinettstückchen bis hin zum
Kopf-auf Kopf enthält. Das Publikum geht begeistert mit,
klatscht und pfeift. Als tolle Neuentdeckung haben wir im
vergangenen Winter bei „Salto“ in Zürich die Slackline-Nummer
der jungen Ungarin Lilla Csepregi wahrgenommen. Umso
erfreulicher, dass sie nun im Kronebau engagiert ist. Ein erster
Überraschungseffekt ist, wie sie zu Beginn der Nummer ihr
schlichtes Hemd abstreift und darunter ihr buntes Kostüm zum
Vorschein kommt. Vor allem aber begeistert sie bei ihren
Sprüngen, Salti und Pirouetten mit viel Power und toller
Ausstrahlung. Genretypisch werden die meisten Tricks auf dem
federnden Band in sitzender Position gelandet, einige jedoch
auch im Stehen. Mit ihrer „Tuch-Zauberei“, die natürlich keine
ist, unterhalten Fumagalli und Daris einmal mehr.
  
Krones
Reiterspiele mit u.a. Alexis Lacey-Krone, Sven Jahn-Munoz, Aida
Rouault
Bereits im neuen
Saisonprogramm „Farbenspiel – Gold Edition“ präsentierte der
Circus Krone seine „Reiterspiele“. Für den Winter wurde nun eine
neue Variante zusammengestellt. Den Auftakt machen Jana
Lacey-Krone, Sohn Alexis und Aida Rouault mit einer dreifachen
Hohen Schule, stimmungsvoll in Szene gesetzt mit einer
Violinistin aus dem Krone-Orchester, die inmitten der Manege
spielt. Hausartist Sven Jahn-Munoz zeigt eine Stehendreiterei
auf zwei Rössern, Jockey-Tricks und ein Zwei-Personen-Hoch zu
Pferd gemeinsam mit Alexis Lacey-Krone, der in sitzender
Position auf einem Pferd als Untermann agiert. Temporeich und
spektakulär sind insbesondere die Dshigitenreiter-Tricks, die
drei mongolische Artisten und Aida Rouault abwechselnd und teils
synchron vorstellen. Letztere war Teil der rein weiblichen
Reiterformation „Nagaika Tribe“, die im Würzburger
Weihnachtscircus 2024/25 des Circus Krone für die Schlussnummer
gesorgt hatte.
 
Flying
Royals, Martin Lacey jun.
Für den
spektakulären Abschluss des ersten Programmteils sorgen „The
Flying Royals“ mit neun Damen und Herren. Ihr Flugtrapez umfasst
zwei über Kreuz angeordnete Flugbahnen. Auf der Hauptbahn sehen
wir die klassische Abfolge von Plattform, Schaukel und Fänger,
auf der kreuzenden Bahn befinden sich auf beiden Seiten jeweils
eine Plattform und dazwischen zwei Schaukeln. Das erlaubt
außergewöhnliche Flugkombinationen – etwa nach einem Salto auf
der Längsbahn und dem Catchen durch den Fänger auf der
seitlichen Plattform zu landen. Und auch hält sich ein Flieger
als menschliche Hürde zwischen den zwei Trapezen auf der
seitlichen Bahn in der Luft, während ihn eine Fliegerin per
Salto überquert. Leider werden an diesem Abend nicht alle der
schwierigen Salti und Pirouetten gefangen, darunter der
„Dreifache“. Tradition hat der Aufbau des Raubtierkäfigs in der
Pause, neu ist ein „Rollenwechsel“: Nach seinem Debüt im
vergangenen Winter übernimmt Alexis Lacey-Krone nun den
Hauptteil der Dressurvorführung. 13 Löwen animiert er zum
Hochsitzen, dann ein Quartett zu wilden Sprüngen über Podeste
und am Käfiggitter entlang. Elf Tiere laufen als imposantes
Rudel im Kreis und legen sich zum Teppich ab. Nach dem Sprung
eines einzelnen Löwen über den knienden Jung-Tiertrainer
übernimmt dann doch noch sein Vater Martin, der mit einer Löwin
und einem Löwen Schmuseeinheiten demonstriert und sich auf den
Boden legt, um sich von den große Katzen bedecken zu lassen.
 
Liazeed
Angels, Fumagalli und Zuschauerin
Den anschließenden
Umbau überbrücken zunächst Fumagalli, Daris und zwei Bläser aus
dem Orchester, die das Publikum mit auf eine musikalische Reise
durch Europa nehmen. Von einem französischen Cancan über „Volare“
und „Eviva Espana“ bis „In München steht ein Hofbräuhaus“ darf
mitgesungen werden. Auch gut zwei Jahrzehnte, nachdem wir das
fabelhafte Duo „I Baccala“ erstmals erleben durften, ist es
immer wieder herrlich, Camilla Pessi und ihrem italienischen
Partner Simone Fassari dabei zuzusehen, wie sie sch mit ihrer
großen Leiter mitten durch die Zuschauerreihen kämpfen, so dass
die verdutzten Gäste ihre Köpfe einziehen müssen. Ein einzelner
Besucher muss damit leben, dass die Komikerin sich im freien
Stand auf seinen Schultern übt. Rockige Töne werden
angeschlagen, wenn die sechs charmanten jungen Damen der „Liazeed
Angels“ zu ihren Flügen, Umschwüngen und Salti an zwei parallel
angeordneten Reckstangen starten. Die ehemaligen
Leistungssportlerinnen aus mehreren Nationen wurden von Zaida
Liazeed für die Manege gewonnen und darauf vorbereitet. Ihren
Abschied vom Circus hatten dagegen Fumagalli und Daris Ende 2024
beim Kölner Weihnachtscircus gefeiert. Das große Comeback folgte
bereits im Krone-Saisonprogramm 2025, und nun ist ihr
Bienchen-Entree wieder einmal der Lachschlager im
Winterprogramm. Auftrittsmüde wirken die beiden Herren
keineswegs, ebenso wenig wie Sprechstallmeister Nicolai Tovarich,
der auch hier als seriöser Part in dem Clowns-Entree agiert.
 
Jana
Mandana Lacey-Krone, Truppe Jining
Im Dirndl und zu
Schlager-Hits wie „Hulapalu“ und der „Lampe aus den 70ern“
stellt Direktorin Jana Mandana Lacey-Krone ihre Freiheitspferde
im „Münchner Stil“ vor. Auf die prachtvollen, lackschwarzen
Nonius-Hengste folgt eine entzückende Parade von sieben
unterschiedlich großen Ponys in verschiedensten Fellfarben. Die
absolvierten Figuren sowie Knicks und Steiger bei den Ponys laufen
einwandfrei. Ihre Leiter benötigen „I Baccala“ dann auch für
ihren letzten Auftritt. Sie dient nun dazu, gemeinsam ans Trapez
zu gelangen. Natürlich funktionieren die Übungen hoch oben nicht so
ganz planmäßig und gleichen mehr einer Auseinandersetzung. Das
alles ist herrlich witzig. Den Schlusspunkt unter die Spielfolge
setzen die sieben chinesischen Artisten der Truppe Jining mit
ihren Jonglagen zu dramatisch klingender Musik vom Band. In
sportlichen Baseball-Outfits lassen sie die Keulen fliegen,
beispielsweise in zwei Zwei-Mann-Hochs, die zwei weitere
Artisten ebenfalls aufeinander stehend und jonglierend
durchqueren. Neben verschieden Formationen am Boden folgt eine
Variante mit zwei Drei-Personen-Hoch – und auch Mister Lorenz
mischt sich als „Special Guest“ jonglierend ein. Das ganze
Programm wird durchgehend in aufwendiges, farbenprächtiges Licht
getaucht. |