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Main-Tauber Weihnachtscircus 25/26
www.mt-weihnachtscircus.de ; 194 Showfotos

Bad Mergentheim, 22. Dezember 2025: Zwei Winter lang hatten Rudi Bauer und Joey Nix die Regie ihres Main-Tauber Weihnachtscircus in die Hände von Louis Knie junior gelegt, der die Shows in seinem typischen Stil gestaltet hatte. Nun setzen sie wieder mehr eigene Akzente. Die "Dolly Power Dancers" mit ihren tänzerisch-akrobatischen Auftritten im Stil der Truppe Bingo sind wieder einem Ballett im klassischen Stil gewichen, mit Federschmuck und hohen Schuhen anstelle von weißen Sneakern. Schon traditionell dabei ist Sprechstallmeister David Paschke, der formvollendet durchs Programm führt.

Und so wird in Bad Mergentheim - der Kurstadt im Norden von Baden-Württemberg - zum einen betont traditioneller, großer Circus angeboten, bis heute auch mit Wildtieren, mit klassischen Genres im artistischen Teil und mit einem Spaßmacher, der noch mehr Clown als Comedian ist. Zugleich legt Rudi Bauer, der einige Zeit im Management von Flic Flac tätig war, Wert auf besonders spektakuläre Genres und präsentiert nun erstmals fliegende Motorräder im Circuszelt.


Szene aus dem Finale

Es ist die sechste Auflage dieses Weihnachtscircus insgesamt und davon die fünfte, die in den imposanten, gelb-weißen Zeltanlagen des ehemaligen Circus Universal Renz stattfindet. Aus heutiger Sicht schon fast nicht mehr vorstellbar, dass mit diesem gewaltigen Chapiteau vor gut einem Jahrzehnt noch schnell gereist wurde. Erstmals ist auch der zweite Betrieb von Rudi Bauer auf dem Volksfestplatz aufgebaut, der "Winterzauber" mit großer Schlittschuhfläche auf echtem Eis, einem urigen Hüttendorf mit Bratwurst, Glühwein und anderen Schmankerln sowie Eisstockbahn und Karussell. Hier bot sich die Gelegenheit - anders als am bisherigen Standort im Schlosshof - das komplette Angebot mit einem Festzelt zu überdachen und dadurch wetterfest zu machen.


La Rouge Showgirls, David Paschke, Cristiano Dias

Drei Tage nach der Premiere wirkt das Programm eingespielt und rund. Empfangen werden wir von den “La Rouge Showgirls” mit ihrem Tanz in Kostümen mit rotem Federschmuck, dies zu moderner Musik. Über ihnen schwebt gleichzeitig Evelin Dias bei ihrer Akrobatik an roten Seidentüchern. David Paschke begrüßt das hochverehrte Publikum, und schon ist die Manege frei für Cristiano Dias. Der junge Portugiese jongliert sehr traditionell, aber auch sehr sicher mit vier Keulen, sieben Bällen, fünf Ringen - die er auch mit Fußkicks wieder in die Luft befördert - sowie abschließend mit neun Ringen.


Ernita Ronzalli, Jean Lucas Pontigo, Duo One

Gleich im Anschluss hält auch Ernita Ronzalli eine größere Zahl von Gegenständen in Bewegung, in ihrem Fall jedoch Hula-Hoop-Reifen. Dies nicht nur am Boden, sondern auch während sie in die Luft gezogen wird - mal mit einer Schlaufe um die Hand, mal kopfüber mit einer Schlaufe um den linken Fuß. Auch in der zuletzt genannten Position lässt sie mit dem anderen Bein und den Armen noch drei Reifen kreisen. Nun machen wir erstmals Bekanntschaft mit Clown Jean Lucas Pontigo. Der junge Mann aus Brasilien gilt für Deutschland noch als Neuentdeckung und hat mit seiner originellen und sympathischen Art das Publikum schnell auf seiner Seite. Im ersten Auftritt bringt er zunächst ein besonderes Geschenk für David Paschke, der mit den enthaltenen Putzutensilien die Manege reinigen soll. Es folgt eine Hutjonglage, und schließlich zeigt Jean Lucas, wie man seine Weste auf besondere Weise anziehen kann. Wieder geht es in die Luft, nunmehr mit dem Duo One am Fangstuhl. Von der Ballade "Je suis malade" wechselt die Musik schnell zu Rock’n’Roll. Der Schwierigkeitsgrad der gezeigten Tricks bleibt im überschaubaren Rahmen und gipfelt in einem Salto von Hand zu Hand.


Denis Ilchenko, Jean Lucas Pontigo, Truppe Steam

Nun zieht die erste Programmhälfte bis zur Pause deutlich an, wird merklich stärker. Zunächst freuen wir uns nach zwei Jahren über die Rückkehr von vier Publikumslieblingen nach Bad Mergentheim - zwei tierischen und zwei menschlichen. Gemeint sind die beiden Seelöwen Scooby und Teddy sowie ihre äußerst sympathischen Vorführer Perry Pedersen und Dani M. Jahn. Kleine Bälle auf der Schnauze balancieren, Reifen um dieselbe kreisen lassen, große Wasserbälle zurückspielen zur Tierlehrerin, auf der Trompete musizieren - es ist ein tiergerechtes Repertoire, das auf höchst unterhaltsame Weise dargeboten wird. Besonders liebenswert ist die Einbeziehung zweier Kinder aus dem Publikum, die den mächtigen Tieren Ringe zuwerfen dürfen. Als ein Ring zu Boden fällt, hebt einer der Seelöwen ihn selbständig auf. Ebenso eine Rarität wie diese Wildtiernummer ist der Auftritt von Denis Ilchenko, der als "der stärkste Mann der Welt" angekündigt wird. Als wäre es ein leichtes, jongliert er mit drei Autoreifen oder verbiegt mit den Händen eine massive Eisenstange, deren Mitte er mit einem Tuch zwischen den Zähnen hält. Mit vier Personen besetzt ist der Stamm, den er auf den Schulten trägt, während er sich um sich selbst dreht. Schließlich zieht er einen schweren Geländewagen mit zwei Insassen mit der Kraft seines Gebisses in die Manege, nur um sich wenig später von dem Fahrzeug auf effektvolle Weise überrollen zu lassen. Mit seiner Popcorn-Reprise überbrückt Jean Lucas Pontigo den Aufbau des großen Requisits für die Pausennummer. Flugs werden zwei Trampoline und ein großes "Haus" dazwischen aufgebaut. Dieses Konstrukt nutzt das Sextett der Steam Acrobatic Troupe für temperamentvolle Sprünge und Salti. Sie führen von den Trampolinen zu den sechs Türen in der "ersten Etage" des Hauses und hinauf aufs Dach. Auf immer wieder anderen Wegen werden die Positionen gewechselt und wird dabei ordentlich Stimmung gemacht. Mit sehr hohen Sprüngen in "liegender" Position findet die Nummer ihren Abschluss.


Steam Acrobatic Troupe, Paul und Namyaca Bauer

Den Herren bleibt nicht viel Zeit zur Entspannung, denn - eingerahmt vom Ballett - eröffnen sie auch die zweite Hälfte. Nun springen sie von der Russischen Schaukel in ein hohes, gespanntes Tuch, dies natürlich in Kombination mit Salti und Pirouetten. Auch mehrere komplette Überschläge in Folge mit der Schaukel dürfen nicht fehlen. Eine der witzigsten Szenen von Jean Lucas Pontigo ist sein Auftritt als komischer Zauberer, bei dem er eine vermeintliche Taube "fliegen" lässt und "versehentlich" sich selbst in Hypnose versetzt anstatt den Mitspieler aus dem Publikum. Ein kräftiges Raunen geht durch die Logen und über die Tribüne, als Namyaca und Paul Bauer ihren ganzen "Bauernhof" voller Tiere in die Manege bringen. Hunde und Schweine jeweils unterschiedlicher Rassen, Ziegen, ein Pony sowie ein farbenprächtiger Hahn gefallen in einer ansprechenden Trickfolge mit reitenden Ziegen und rutschenden Schweinen vor liebevoll gestalteter Kulisse – es gibt wohl aktuell kaum ein schöneres Tier-Potpourri dieser Art.


Micael Castanheira, George Faining, Dias Brothers

Micael Castanheira ist ein vielseitiger Akrobat, der in anderen Produktionen auch am Fliegenden Trapez, in der Motorradkugel und auf dem Todesrad arbeitet. Seine Solonummer am Schwungtrapez, begleitet von reichlich dramatischer Musik, lebt jedoch mehr von dem spektakulären Bild des weit ausschwingenden Requisits und dem energetischen Auftreten als von besonders hochkarätigen Tricks. In der Ansage besonders herausgestellt wird der "Rückwärtssalto", der aber ein Rückwärts-Überschlag ist, gestartet aus dem Stand auf der Trapezstange, sich dabei mit den Händen festhaltend und direkt in einen Abfaller wechselnd. Zu den Höhepunkten des Programm gehört sicherlich der Auftritt des von Flic Flac bekannten Kontorsionisten George Faining aus Ghana. Sein Künstlername "George Gummi" ist Programm, seine Beweglichkeit - nach vorne, nach hinten, in seitlicher Verdrehung - absolut spektakulär. Da bedarf es zum ersten Trick vier Tänzerinnen, die Hände und Füße fixieren, um einen extremen Twist zu ermöglichen. Die Publikumsreaktionen sind enorm. Die eingespielten Geräusche von krachenden Knochen steigern den Thrill, das geradezu unverschämt sympathische Lachen des gut gelaunten Artisten den Unterhaltungswert. Schade, dass er kein richtiges Schlusskompliment bekommt, um sich nochmal besonders feiern zu lassen. Für Heiterkeit sorgt nochmal Jean Lucas Pontigo, der sich mit einem Herrn aus den Zuschauerreihen bei einem Baseball-Match misst. Leistung und Ausstrahlung stimmen bei den beiden jungen Dias Brothers, die ihre ikarischen Spiele der Extraklasse zelebrieren. Cristiano, rücklings auf seiner Trinka liegend, wirbelt Angelo mit den Füßen durch die Luft, bis hin zu Pirouetten, Doppelsalti und einer Serie von 19 Überschlägen.


Truppe Luftman Extreme

Erst mystisch in Mönchskutten sowie mit Kerzen in der Hand, dann als attraktive Anheizerinnen auf der Piste überbrücken die Tänzerinnen des Balletts den Aufbau für die Schlussnummer. Im Zuschauereingang wird eine Absprungschanze aufgestellt, vor dem Artisteneingang eine schräge Landerampe. Das gibt den drei Fahrern der Truppe Luftman Extreme die Möglichkeit, auf ihren Motorrädern durch Vorzelt und Verbindungstunnel ins Chapiteau zu rasen, mittels der Schanze über die Gäste in den vorderen Logen zu setzen und nach waghalsigen Manövern in der Luft wieder zu landen. Mal halten Fahrer sich nur mit den Händen, mal nur mit den Füßen am Lenker, mal wird das Motorrad in seitliche Lage gebracht. Am Ende fliegen alle drei in dichter Abfolge durchs Zelt. Es ist das erste Mal, dass eine solche Nummer in einem Circuszelt im Main-Tauber-Kreis gezeigt wird. Der berühmte Backflip, der Rückwärtssalto samt Maschine, ist aufgrund der räumlichen Verhältnisse leider nicht möglich. Stimmungsvoll eingeleitet wird das Finale, wenn das Ensemble mit leuchtenden Handy-Lampen in die Manege kommt und diese zu “Hallelujah” schwenkt. Das Publikum tut es ihnen gleich. Auf diesen ruhigen Moment folgen noch einmal ein glamouröser Auftritt des Balletts in herrlichen Federschmuck-Kostümen und die Vorstellung des gesamten Ensembles. David Paschke spricht die Schlussworte.

Standing Ovations sind der Lohn für diese insgesamt gelungene, durchweg unterhaltsame Vorstellung. Längst hat sich der Main-Tauber Weihnachtscircus fest im Veranstaltungskalender der Region etabliert - ein besonderes Kunststück, dass dies Rudi Bauer und seinem Team mit einer solch großen Produktion in einer Kleinstadt mitten im ländlichen Raum gelingt.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll