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Ulmer Weihnachtscircus 2025/26
www.ulmer-weihnachtscircus.de ; 187 Showfotos

Ulm, 2. Januar 2026: Den "Ulmer Weihnachtscircus im Weltformat" verkünden stolz die Plakate. Tatsächlich hat Direktor Veno Mendes massiv in sein Unternehmen investiert und überrascht das Publikum nun mit einem runderneuerten Geschäft. Ausgangspunkt war der Kauf einer neuwertigen Tribüne vom Cirkus Scott in Schweden, die komplett mit Einzelstühlen auf steil ansteigenden Reihen bestückt ist. Damit sind Sicht und Komfort gegenüber dem bisherigen Bankreihengradin massiv verbessert. Um das Gradin unterbringen zu können, wurde vom Ravensburger Weihnachtscircus ein 42-Meter-Chapiteau übernommen.

Es war ursprünglich das vorletzte Spielzelt des Circus Barum, ist aber von seinem vormaligen Besitzer Elmar Kretz rundum erneuert worden, unter anderem durch den Austausch aller Planen. Außerdem schaffte die Familie Böhm - so der bürgerliche Name von Veno Mendes - einen neuen, eindrucksvoll hohen Artisteneingang aus rotem Stoff, neues Licht und einen neuen Manegenteppich mit Aufschrift "Ulmer Weihnachtscircus" an. Das bisherige Orchesterpodium dient jetzt als Zuschauereingang und beherbergt weiterhin die sechs Musiker. Diese räumliche Anordnung sorgt für einen etwas ungewohnten Sound, da wir die Kapelle im Rücken haben. Als Vorzelt wird in diesem Winter ein lang gestrecktes, ansprechend dekoriertes Festzelt genutzt, das die umfangreiche Gastronomie sowie die erweiterte Toilettenanlage unter einem Dach vereint.


Alles neu beim Ulmer Weihnachtscircus

Schon bei unserer Ankunft erfreuen wir uns am Anblick der inmitten des Schneetreibens festlich beleuchteten Zeltstadt mit der großen Kasse und den Tonnendachwagen in der Front. Die mutige Investition habe sich gelohnt: Mit der Ausweitung der Kapazität von 1100 auf 1640 Plätze habe auch der Besuch stark angezogen, berichtet Veno Mendes. Es war ihm ein großes Anliegen, den gestiegenen Anforderungen der Besucher an eine zeitgemäße Ausstattung gerecht zu werden. Immer wieder hatte er in den letzten Jahren davon gesprochen. Freilich ist die Tribüne so gewaltig, dass die Manege etwas verkleinert und als Oval gestaltet werden musste. Eine Auflage des TÜV sind die hohen Geländer, die Spielfläche und erste Logenreihe trennen.


Veno Mendes, Kenia Acrobatic Boys

Allen Veränderungen beim Material zum Trotz, das Programm ist “Typisch Ulm“ und trägt die Handschrift des langjährigen Programmdirektors und Ansagers Matthias Bergstaedt. Tradition hat hier die Flaggenparade, nach der das Ensemble einschließlich des Balletts in seinen Federschmuck-Kostümen in der Manege Aufstellung nimmt. Und ebenso klassisch geht es weiter, wenn Veno Mendes sechs Friesenhengste vom schwedischen Cirkus Olympia zu einer Freiheitsdressur mit verschiedenen Lauffiguren anleitet. Souverän dirigiert er die Tiere durch die flüssig ablaufende Nummer. Anstelle der ursprünglich angekündigten Truppe aus Kuba sind die vier "Kenia Acrobatic Boys" in der Vorstellung vertreten. Ihre Mischung aus Seilspringen und Pyramidenbauen mag eher ein wenig improvisiert denn streng choreographiert wirken, doch gute Laune und fröhliche Stimmung verbreiten die Energiebündel in jedem Fall.


Pom Pom, Duo Infinitum, Esther Moreno

So wie auch der bekannte ungarische Clown Pom Pom alias Laszlo Szabo, der mit seiner Lebens- und Manegengefährtin Pompi arbeitet. Mit seinen abstehenden Wuschelhaaren und der bunten Weste verkörpert er noch einen traditionellen Typ Spaßmacher. Seine erste Szene handelt davon, wie ein Plüschteddy mittels Kanonenschuss auf die Reise Richtung Zeltkuppel geschickt werden soll. Pom Poms freundlichen Wesen entsprechend kehrt der Spielzeugbär natürlich unversehrt zurück. Zu den hochwertigsten Acts in der Show gehören sicherlich die des Duos Infinitum. In der ersten Hälfte überzeugen die beiden mit ihrer Partnerakrobatik ganz in Schwarz. Die meiste Zeit übernimmt er die tragende Rolle, doch zwischendurch wird getauscht. Zu den Posen, die jeweils hohes Balancegefühl erfordern, gehört beispielsweise ihr freihändiger Spagatsitz auf den ausgestreckten Beinen des am Boden liegenden Partners, mit gewinnendem Lächeln präsentiert. Bemerkenswert ist die Arbeit von Esther Moreno am Schwungtrapez, handelt es sich doch um eine „Best Agerin“, die in großer Höhe ohne Sicherung arbeitet. Nur für den Zehenhang legte sie die Longe an.


Tiblet und Selamawit, Gerlings, Pom Pom

Tiblet und Selamawit aus Äthiopien verbrachten ihre erste Reisesaison in einem europäischen Circus 2014 bei „Harlekin“ in der Schweiz. Um eine weitere junge Frau zum Partnerakrobatik-Trio "Black Diamonds" erweitert, folgte daraufhin eine Weltkarriere mit Gold in Moskau, Silber in Latina, Bronze beim Festival New Generation in Monte Carlo sowie Engagements unter anderem bei “Ringling” in Amerika. Nun sind sie zum wiederholten Mal in Ulm zu Gast. In der ersten Programmhälfte erleben wir zunächst die Ursprungsformation mit den beiden Schwestern bei ihren Antipodenspielen. Jede von ihnen lässt vier rote Teppiche auf Händen und Füßen rotieren. Der eigentliche Clou sind aber die gemeinsam gearbeiteten Passagen. Dabei hält sich eine im Schulterstand auf dem ausgestreckten Bein der anderen, die rücklings auf der Trinka liegt. Die jeweils drei freien Extremitäten werden genutzt, um insgesamt sechs Teppiche sich drehen zu lassen. Wenig später - nachdem Pom Pom und Pompi sich ein Klatsch-Duell der Tribünenblöcke links und rechts geliefert haben - dreht sich wieder etwas. In diesem Fall zwei nebeneinander aufgebaute Todesräder der Truppe Douglas Gerling. Jeweils zwei Damen und Herren belegen zunächst die Innenseiten der vier Laufkessel. Allerdings wagt sich später nur ein Akrobat auf eine der Außenseiten, so dass die Möglichkeiten eines doppelten Rades nur eingeschränkt genutzt werden. Immerhin fehlen mit Blindlauf, Seilspringen, hohen Sprüngen, Klettern über die Achse sowie Aufschwung außen am Rad die wesentlichen Bestandteile des Genres nicht. Mit einem Quickchange der besonderen Art - hier ändert sich nicht die Kleidung, sondern die Frisur - leitet Pom Pom zur Pause über.


Ballett, Veno Mendes

Jahr für Jahr loben wir den Einsatz des Balletts in Ulm. Anstatt für langatmige Szenen werden die vier Tänzerinnen dafür eingesetzt, den Artisten jeweils einen effektvollen Auftritt zu verschaffen. So bei den Antipoden in der ersten Hälfte, so bei der Kameldressur zum Beginn der zweiten. Vier Trampeltiere werden von Veno Mendes ebenso gekonnt wie zuvor die Pferde durch ihre Dressurfolge dirigiert - umso bemerkenswerter, als ihm die Tiere jeweils nur zur Weihnachtszeit zur Verfügung stehen.


Kenia Acrobatic Boys und Ballett, Alexia Mendes

Und mit viel Temperament ist das Ballett auch dann im Einsatz, wenn die Kenia Acrobatic Boys direkt im Anschluss ihren Limbotanz präsentieren. Feuerschlucken und -spucken durch einen der vier Artisten stehen am Beginn, dann wird eine brennende Stange mal übersprungen, mal geschickt unterquert. Natürlich wird diese im Verlauf der Trickfolge immer tiefer gelegt. Clown Pom Pom wählt einen Gast aus dem Publikum, um sich mit diesem auf pantomimische Weise zu duellieren. Die dritte Tiernummer des Abends wird von Juniorchefin Alexia Mendes vorgeführt. In ihrem Kleid im Leopardenlook zeigt sie ein Groß und Klein mit einem Friesen und einem schwarz-weißen Pony, welches unter dem Ross hindurchläuft. Auch ein Steiger des großen Pferdes fehlt nicht.


Duo Infinitum, Black Diamonds, Truppe Gerlings

Nach einem stimmungsvollen Auftritt inmitten des Balletts erzählt das Duo Infinitum eine Liebesgeschichte an den Strapaten. Mal schwebt die Partnerin im freihändigen Spagat an den Bändern, mal sehen wir sie im Spagathang, während sich ihr Partner mittels einer Schlaufe an einem ihrer Beine hält. Auch beim Schlusstrick übernimmt sie den tragenden Part, kraftvoll halten sich beide Hand in Hand. Auf diesen Höhepunkt des Programms folgt sogleich der zweite mit dem Trio Black Diamonds. Auf kunstvolle Weise türmen die drei jungen Frauen ihre Körper zu Skulpturen übereinander, dies bis hin zum einarmigen Handstand auf dem Kopf der Unterfrau. Gleichzeitig klammert sich die dritte Artistin in liegender Position und rücklings an die stehende Partnerin. Kraft, Balance, Beweglichkeit und gegenseitiges Vertrauen sind nur vier der Grundvoraussetzungen für diese Nummer. Jedenfalls dem Anschein nach über enorme Kräfte verfügend, zieht Pompi die Motorradkugel in die Manege. Pom Pom beweist seine Geschicklichkeit auf einem Mini-Fahrrad, mit dem er über die Piste steuert. Und dann ist alles gerichtet für die echten Biker. Erst zwei, dann drei, dann fünf Hasardeure der Truppe Gerlings rasen durch den Globe, natürlich auch kopfüber. Erst beim Schlusskompliment wird deutlich, dass eine Frau unter den Motorradfahrern ist. Einige Besucher hält es nicht mehr auf ihren Sitzen, sie applaudieren stehend. Der Rest des Publikums folgt ihnen im Finale nach.

Mit der Neuausrichtung beim Material hat Veno Mendes gezeigt, dass er fest an die Zukunft seines Weihnachtscircus glaubt. Der Publikumszuspruch gibt ihm Recht. Gemeinsam mit seiner Frau Jessica Heppenheimer und Programmdirektor Matthias Bergstaedt sowie dem weiteren Team wird er sicher alles daran setzen, die Tradition dieser Produktion - durchaus eine Spur ursprünglicher und rustikaler als anderswo, aber stets stimmungsvoll und unterhaltsam - auch in den kommenden Jahren bis Jahrzehnten fortzusetzen.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll